Sonntag, 28. Juni 2026

Timecop (1994)

💥 Willkommen zum Action-Sonntag

Es wird mal wieder Zeit für so einen Film. Mit „so einem“ meine ich eine Testosteron-Orgie der 80er- und 90er-Jahre. Damals gab es dieses ewige Rennen zwischen Sly und Arnie, irgendwann kam Jean-Claude dazu und mit etwas mehr Abstand dann der Rest.

Damit es künftig nicht mehr heißt: „Es wird mal wieder Zeit für so einen Film“, wird der Sonntag nun offiziell zum Action-Sonntag erklärt. Quasi rückwirkend, denn letzte Woche lief hier ja bereits Bloodsport. Ab sofort will ich mich sonntags gezielt in der Cannon-Mülltonne suhlen, aber natürlich auch gute Klassiker und Highlights des Genres präsentieren. Ihr wollt Explosionen, Muskeln und Schweiß? Dann ist der Sonntag hier ab jetzt euer Tag.

🥊 Mein Blick aufs Genre

Mein Blickwinkel ist dabei noch recht frisch, denn ich habe erstaunlich wenig aus diesem Genre gesehen. Es war nie so ganz meine Welt. Rocky und Rambo gingen noch, Arnie hatte auch ein paar gute Streifen, aber der ganz große Zugang fehlte mir einfach. Von Jean-Claude Van Damme kenne ich, glaube ich, nur Bloodsport und Universal Soldier. Beide gut. Aber der Film heute? Timecop? Nur vom Hörensagen. Das Spagatbild kenne ich natürlich, aber gesehen habe ich den Film bisher nicht. Das holen wir jetzt nach.

🦵 Erwartungshaltung

Was ich erwarte? Nun, kein Kammerspiel. Im besten Fall einen spaßigen Actionfilm, in dem Jean-Claude ein wenig die Beine schwingt und eine beschissene Frisur hat. Also seichte, nette Unterhaltung, die ruhig ein bisschen Staub aus den 90er-Jahren tragen darf. Kann ja auch charmant sein.

⚠️ Inhalt mit Spoiler

Im Jahr 2004 ist Zeitreisen möglich, und weil die Menschheit bei neuen technischen Möglichkeiten offenbar immer zuerst fragt: „Wie kann man damit reich werden oder andere Leute betrügen?“, gibt es auch direkt eine Spezialeinheit dafür. Die Time Enforcement Commission soll verhindern, dass Kriminelle in die Vergangenheit reisen und dort die Gegenwart manipulieren.

Max Walker arbeitet für diese Einheit. Er ist ein harter, wortkarger Ermittler mit traurigem Hintergrund, denn seine Frau Melissa wurde Jahre zuvor bei einem Anschlag getötet. Walker konnte sie damals nicht retten, und natürlich hängt dieser Verlust wie ein sehr muskulöser Schatten über ihm.

Bei seinen Einsätzen merkt Walker bald, dass es nicht nur um einzelne Zeitreiseverbrechen geht. Hinter den Manipulationen steckt der ehrgeizige Senator Aaron McComb, der die Vergangenheit verändert, um seine politische Karriere und seinen finanziellen Aufstieg zu sichern. McComb will Präsident werden, und wenn man dafür ein bisschen an der Zeitlinie herumschrauben muss, dann ist das für ihn offenbar auch nur Wahlkampf mit besserer Technik.

Walker gerät dadurch selbst ins Visier. Er wird verraten, verfolgt und muss sich nicht nur mit McCombs Leuten herumschlagen, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit. Denn je tiefer er in die Sache hineingezogen wird, desto deutlicher wird, dass der Tod seiner Frau mit dieser Verschwörung verbunden ist.

Also reist Walker zurück, prügelt sich durch verschiedene Zeitpunkte und versucht, die Manipulationen rückgängig zu machen. Dabei bekommt er schließlich auch die Chance, den Angriff auf seine Frau zu verhindern. Am Ende geht es also nicht nur darum, die Zukunft zu retten, sondern auch darum, Walkers persönliches Trauma aus der Zeitlinie zu prügeln.

Kurz gesagt: Ein korrupter Politiker spielt mit der Vergangenheit, Van Damme spielt Zeitpolizei, und irgendwo dazwischen wird bewiesen, dass man Geschichte nicht ungestraft verändert. Außer natürlich, man kann sehr hoch treten.

⏳ Hintergrund

Der Film ist aus dem Jahr 1994, die Haupthandlung spielt aber im Jahr 2004, also zehn Jahre in der damaligen Zukunft. Und es ist immer wieder lustig zu sehen, wie Filme sich die Zukunft vorgestellt haben und wie diese Zukunft dann tatsächlich aussah. Aus Sicht von heute schauen wir also gleich doppelt zurück: auf 1994 und auf ein 2004, das es so nie gegeben hat.

Selbstfahrende Autos? Gibt es inzwischen in Testphasen, aber eben nicht 2004 und auch 20 Jahre später noch nicht so, wie sich das der Film vorstellt. Smarthome? Heute völlig normal, damals eher noch Zukunftsdekoration. Cybersex, wie er hier angedeutet wird? Auch das ist so eine herrlich 90er-hafte Vorstellung. Vor allem die Begründung, man habe Angst vor HIV, ist natürlich ein Kind dieser Zeit. Damals war HIV noch ein Schreckgespenst. Inzwischen ist es, sofern man behandelt wird, zu einer chronischen Krankheit geworden, mit der eine weitgehend normale Lebenserwartung möglich ist.

Genau so etwas macht bei solchen Filmen Spaß: nicht nur die Handlung, sondern auch die Zukunft, die aus der Vergangenheit herüberwinkt und dabei ein bisschen komisch aussieht.

📚 Comicvorlage und Kinozahlen

Was viele gar nicht wissen: Timecop ist eine Comicverfilmung. Die Vorlage erschien 1992 bei Dark Horse. Die Produktionskosten lagen bei etwa 28 Millionen Dollar, und die spielte der Film locker wieder ein: rund 44 Millionen in den USA und gerundet 102 Millionen weltweit. Das Ding war also ein Erfolg.

Van Damme hatte 1994 gleich zwei größere Kinoeinsätze. Und ausgerechnet Timecop, der deutlich weniger nach Markenname klingt als Street Fighter, war am Ende knapp erfolgreicher. Offenbar wollten die Leute lieber sehen, wie Jean-Claude die Zeitlinie grätscht, als wie er als Guile die Videospielwelt rettet.

Trotz des Erfolgs dauerte es fast zehn Jahre, bis eine Fortsetzung erschien. Timecop 2: Entscheidung in Berlin kam 2003 heraus, wurde aber nicht mehr fürs Kino produziert. Van Damme war auch nicht mehr dabei. Was meistens schon ein Hinweis darauf ist, dass die Zeitlinie irgendwo falsch abgebogen ist.

🧨 Fazit

Ich habe davor Prügelfilme der B-Riege gesehen. Entsprechend waren meine Erwartungen im Keller. Was ich dann aber bekommen habe, war ein netter, solider Actionfilm mit einer Handlung. Und Figuren! Aber ernsthaft: Ich vergleiche ihn nun nicht weiter mit dem Trash.

Das Ding hier ist wertig gemacht, mit guten Schauspielern, inklusive Jean-Claude Van Damme. Wir haben natürlich auch die ikonische Unterhosen-Spagatszene in der Küche, weil es letztlich eben doch JCVD ist. Wenn er nicht einmal im Film seinen Körper zur Schau stellt und seinen Hintern in die Kamera hält, dann fehlt etwas. Beides passiert hier natürlich.

Wir müssen auch nicht anfangen, über Zeitreise-Logik zu reden. Dann kriege ich Kopfschmerzen. Wir akzeptieren einfach, dass die Story so funktioniert, wie sie funktioniert, und dass alles ohne größere Komplikationen stattfinden kann. Dann funktioniert der Film wunderbar.

Der Zeitreise-Effekt ist natürlich ein wenig faul. Man reist ins Jahr 1994, also in das Jahr, in dem der Film quasi in die Kinos kam. Da hätte ich mir schon eher gewünscht, dass man sich durch verschiedene Epochen prügelt. Als am Anfang das Gold in der Vergangenheit gestohlen wurde, dachte ich: Okay, wenn er die Gegner nun durch sämtliche Vergangenheitssettings jagt, kann das ein verdammt lustiger Film werden.

Wurde es nicht. Stattdessen wurde es eher ein Politikthriller. Aber auch das hat funktioniert.

Wobei ich mich natürlich frage: Wenn die mit so einer Achterbahn in die Zukunft rasen und am Ende die Leute an einer Wand zerschellen, falls es nicht funktioniert, hätte ich einen Tipp: Baut das Ende nicht an eine Wand. Baut es offen. Dann fährt man vielleicht nur auf eine Wiese mit Hoppelhäschen.

Alles in allem ist Timecop ein spaßiger Film. Ich hatte mit einem 5-Punkte-Film gerechnet, aber das war wirklich gut. Ein klasse 90er-Streifen, den man anmachen kann, wenn man Lust auf Action hat. Und ich glaube, in einigen Jahren kann ich den durchaus wieder sehen.

Hoppla … das heißt nach meiner Wertungsskala dann ja … genau: ziemlich gute 8 Punkte.

Das habe ich nicht erwartet.


Kategorie

Wertung

Begründung

Story

⭐⭐⭐⭐☆

Zeitreise-Politthriller mit persönlichem Trauma, simpel, aber effektiv

Darsteller

⭐⭐⭐⭐☆

Van Damme funktioniert besser als erwartet, Ron Silver gibt einen brauchbaren Bösewicht

Action

⭐⭐⭐⭐☆

Solide 90er-Action mit JCVD-Pflichtspagat

Sci-Fi-Idee

⭐⭐⭐⭐☆

Zeitpolizei, Manipulation und Zukunftsblick machen Spaß, auch wenn man die Logik nicht sezieren sollte

90er-Faktor

⭐⭐⭐⭐⭐

Frisuren, Technikfantasien, Cybersex, Zukunft 2004: herrliche Zeitkapsel

Comicgefühl

⭐⭐⭐☆☆

Keine typische Superheldenware, aber als Dark-Horse-Verfilmung interessant

Wiedersehwert

⭐⭐⭐⭐☆

Genau der Film, den man in ein paar Jahren wieder gut einschalten kann

Endwertung: 8 von 10 Punkten
Ein überraschend solider 90er-Actionfilm mit Zeitreise-Idee, guter Ausstattung, Van-Damme-Körperkino und mehr Handlung, als nach dem Blödsport-Keller zu erwarten war.

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