Ralf Husmann, der Mann hinter Stromberg, hatte ja immer gesagt: Wenn es etwas zu erzählen gibt, kann man weitermachen. Wiederholungen mag er nicht. Genau deshalb ist die Serie damals auch nicht totgelaufen, sondern blieb von Staffel zu Staffel stark und endete schließlich in einem wirklich guten Kinofilm.
Entsprechend gespannt war ich auf einen neuen Film. Als er im Kino lief, war mir privat allerdings nicht besonders zum Lachen zumute, und so habe ich ihn nun zum ersten Mal bei Amazon im Stream gesehen.
Inhalt mit Spoilern
Die Sendung Stromberg ist vorbei. Weil Reunions aber gerade so gut laufen, möchte der Sender nun auch eine Stromberg-Reunion veranstalten. Bernd hat nämlich noch erstaunlich viele Fans, allerdings auch genauso viele Kritiker, die seine Sprüche überhaupt nicht mehr feiern.
Vor dem Studio stehen daher auf der einen Seite Befürworter, auf der anderen Seite gibt es Proteste. Im Studio selbst wird währenddessen fleißig gearbeitet.
Tanja ist inzwischen Chefin. Ulf hat nicht wirklich Lust, unter seiner Frau zu arbeiten. Ihr Sohn hat sich inzwischen wohl geoutet. Schirmchen ist mit einem Influencer zusammen, der für seine Kanäle filmt und eigentlich nur mit ihr zusammen ist, weil sie ihm durch Stromberg etwas Reichweite bringt.
Ernie hat ein Buch über Mobbing geschrieben und ist nun Anti-Mobbing-Experte.
Und Bernd?
Der ist scheinbar ebenfalls Chef einer Firma. Tatsächlich ist er aber nur eine Werbefigur ohne wirklichen Einfluss. Als ihm das klar wird, dreht Stromberg durch. Gemeinsam mit dem Kameramann beginnt eine Irrfahrt durch die Stadt, die darin gipfelt, dass Stromberg sich wegen seines verkorksten Lebens von einer Brücke stürzen will. Nur ist die Brücke nicht hoch genug, und so bricht er sich lediglich den Arm.
In der anschließenden Reunion wird Stromberg vom Publikum bejubelt, und die Probleme lösen sich so ziemlich alle in Luft auf.
Hintergrund
Hier sind wirklich fast alle wieder am Start, vor und hinter der Kamera. Nicht mehr bis in die letzte Statistenrolle wie beim ersten Film, aber Ralf Husmann und Arne Feldhusen waren wieder die maßgeblichen Leute hinter der Kamera, genau wie bei der Serie.
Gedreht wurde in Köln, und das Ganze dauerte etwas über einen Monat. Letztlich ist es eben ein recht günstig gemachter Film: eine etwas wackelige Kamera, keine großen Masken, keine Spezialeffekte. Einfach diese fünf Hauptfiguren, ein paar Nebendarsteller von damals, und das war es.
Von daher brauchte man hier, anders als beim Bully-Film, der im Jahr zuvor Der Schuh des Manitu fortsetzte, kein großes Budget. Vermutlich rechnete man auch nicht mit einem riesigen Millionenkassenhit.
Kritik
Ich liebe Stromberg. Wirklich.
Alle zwei bis drei Jahre mache ich einen kompletten Rewatch der Serie, der dann im ersten Film gipfelt. Wieder in diese Welt zurückzugehen, klang für mich daher sehr verlockend.
Die ersten zwanzig Minuten funktionieren auch wunderbar. Der Film macht genau das, was man erwartet: Bernd ist übergriffig, taktlos, selbstgerecht, und seine Umwelt reagiert irritiert bis entsetzt. Das ist Stromberg. Das ist diese Mischung aus Fremdscham, Bosheit, Bürohölle und der Frage, warum dieser Mann eigentlich immer noch irgendwo eine Tür findet, durch die er wieder hereinkommt.
Dann aber driftet der Film ab und schlägt ernstere Töne an. Stromberg erkennt, was für eine Wurst er eigentlich ist. Dass er niemanden hat. Dass sein ganzes Leben eine Farce ist.
Dazu kommt mit Julian, Schirmchens Influencer-Freund, eine neue Figur, die sehr deutlich Social Media und eine veränderte Medienwelt repräsentieren soll. Nur muss man mir nicht extra unter die Nase reiben, dass die Welt heute eine andere ist als vor zwanzig Jahren. Das ist normal. Die Welt verändert sich. Menschen verändern sich. Medien verändern sich. Stromberg muss darauf reagieren, klar. Aber im Film wirkt das für mich zu sehr wie ein Schild, auf dem steht: „Guck mal, heute ist alles anders.“
Auf dem Papier klingt es vielleicht tragikomisch, dass Stromberg sich von genau der Fußgängerbrücke in den Tod stürzen will, die immer im Intro der Serie zu sehen war. Im Film brauche ich so etwas aber nicht.
Wenn ich Stromberg sehe, dann will ich Bernd, der von einer Katastrophe in die nächste schlittert und am Ende durch Lügen, Unfähigkeit, Dreistigkeit und Mitleid irgendwie wieder aus der Sache herauskommt. Zumindest so, dass er für sich selbst noch gut dasteht. Das ist Stromberg für mich.
Hier nun einen Film zu machen, der im Grunde sagt: „Die Welt gehört jetzt anderen“, ist nicht unbedingt der Stromberg, den ich sehen muss.
Wie gesagt: Am Anfang freut man sich. Einige Sprüche sitzen. Die Figuren sind wieder da. Es fühlt sich kurz vertraut an. Aber nach etwa zwanzig Minuten ändert sich der Ton, und spätestens nach vierzig Minuten habe ich angefangen, auf die Uhr zu schauen.
Auch Dinge wie Tanjas Betrug an Ulf passieren dann einfach. Es ist da, aber es trifft mich nicht wirklich. Viele Entwicklungen wirken eher wie gesetzte Punkte auf einer Liste als wie organische Fortsetzung der Figuren.
Der Film unterhält schon. Die Darsteller sind gut, und sie liefern auch ab. Christoph Maria Herbst kann diese Figur natürlich immer noch spielen. Bjarne Mädel, Diana Staehly, Milena Dreißig und Oliver Wnuk sind ebenfalls sofort wieder in ihren Rollen. Daran scheitert der Film nicht.
Er scheitert für mich eher daran, dass er nicht konsequent genug das ist, was ich von Stromberg will. Er möchte gleichzeitig Wiedersehen, Kommentar auf die Gegenwart, Tragikomödie und Abgesang sein. Das ist mir etwas zu viel für eine Figur, die am besten funktioniert, wenn sie sich selbst gerade nicht erkennt.
Beim nächsten Rewatch der Serie werde ich diesen Film jedenfalls nicht zwingend mitnehmen müssen.
Fazit
Stromberg – Wieder alles wie immer ist kein schlechter Film. Dafür sind die Darsteller zu gut, der Einstieg zu vertraut und einige Momente zu treffend. Aber er ist für mich auch kein wirklich guter Stromberg-Film.
Die ersten zwanzig Minuten liefern genau das, was ich sehen wollte. Danach wird der Film ernster, selbstreflexiver und tragischer, als ich es gebraucht hätte.
Ich will bei Stromberg keinen Mann sehen, der sein Leben als gescheitert erkennt und auf einer Brücke steht. Ich will einen Bernd sehen, der in seiner eigenen Niederlage noch nach einem Weg sucht, sich zum Gewinner zu erklären.
Der Film hat seine Momente. Aber er wird bei mir nicht zum festen Bestandteil des nächsten Rewatchs.
Ich schwankte zwischen 5 und 6 Punkten. Aus Sympathie, wegen der Darsteller und weil der Film zumindest stellenweise noch den alten Stromberg atmet, gebe ich ihm die positive Tendenz nach oben.
Wertung: 6/10
📊 Bewertungsmatrix – Stromberg: Wieder alles wie immer
Story ⭐⭐☆☆☆ Reunion-Idee mit Potenzial, kippt aber zu früh in eine tragische Selbstentzauberung der Figur
Darsteller ⭐⭐⭐⭐☆ Alle wieder sicher in ihren Rollen; Herbst bleibt stark, auch wenn der Film Bernd falsch gewichtet
Humor ⭐⭐☆☆☆ Am Anfang sitzt der alte Fremdscham-Schmerz, danach wird es ernster und weniger bissig
Figuren ⭐⭐⭐☆☆ Die Rückkehr macht Spaß, aber vieles bleibt angerissen; neue Social-Media-Ebene wirkt etwas aufgesetzt
Stromberg-Gefühl ⭐⭐⭐☆☆ Kurz ist es wieder da, dann wird aus Bürokatastrophe plötzlich Lebensbilanz
🔥 Endwertung: 6 von 10 Punkten
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