🎬 Deutsche Filme sind langweilig!
Zumindest ist das der Ruf, den sie haben – Rosamunde-Pilcher-Kitsch oder billigster Klamauk à la Otto und Bully Herbig.
Dabei vergisst man schnell, dass es auch anderes gibt – Filme, die anders, schräg, böse sind.
Ich wette, die meisten von euch haben noch nie von dem heutigen Film gehört.
3 Chinesen mit dem Kontrabass ist so ein Fall: ein echter Geheimtipp – und das, obwohl er schon 1999 im Kino lief.
Ich war damals tatsächlich im Kino – sonst wäre diese kleine Perle wohl auch an mir vorbeigegangen.
⚠️ Inhalt mit Spoiler
🪦 Freundin tot – was nun?
Paul will Architekt werden.
Er bastelt eifrig an seinen Pappmodellen, und endlich bekommen er und seine Partnerin Rike einen Auftrag.
Das muss gefeiert werden!
Seine Freundin Gabi bleibt lieber zu Hause – die Beziehung läuft ohnehin nicht mehr rund.
Während Paul mit seinen Freunden Rike und Max feiert und versehentlich Drogen nimmt, empfängt Gabi ihre Affäre.
Beim wilden Tragen zum Bett fällt der Kerl hin – Gabi knallt mit dem Kopf gegen die Kommode. Tot.
Er haut ab.
Paul wacht am nächsten Morgen mit Filmriss auf – das Modell ist kaputt, Gabi auch.
😵 Panik statt Polizei
Max kommt vorbei. Die beiden geraten in Panik.
Wenn sie die Polizei rufen, glaubt ihnen doch niemand, dass es ein Unfall war!
Also beschließen sie, die Leiche verschwinden zu lassen.
Gabi landet in einer Kommode, die sie die Treppe hinunterschleppen –
dumm nur, dass sie dabei dem Öko-Nachbarn Rüdiger begegnen.
Der will das „tolle Möbelstück“ gleich haben – wegen des Holzwurms könne man das leicht mit Brennnesselsud behandeln.
Also zurück in die Wohnung mit der Leiche.
🧊 Die Leiche im Kühlschrank
Als Rike auftaucht, um mit Paul weiterzuarbeiten, muss er sie abwimmeln.
Die Leiche wird kurzerhand in den Kühlschrank verfrachtet – mit Gewalt zugedrückt.
Rike ahnt nichts, Paul will sich stellen, aber Max hält ihn zurück:
„So entstellt wie sie jetzt ist, glaubt dir kein Mensch mehr an Unfall.“
🔪 Plan B: Zerstückeln
Also Plan B: Zerstückeln.
Mit Skalpell, Mixer und Klo – makaber, aber effizient.
Als Rike schließlich alles herausfindet, ist sie entsetzt – hilft dann aber mit.
Die Knochen landen in der Getreidemühle.
Das Knochenmehl wird in der Stadt verteilt, jeweils mit einer Rose.
Doch das Lügengebäude wächst:
Um Gabis Verschwinden zu vertuschen, färbt sich Rike die Haare und spielt Gabi beim Interview mit älteren Damen.
🚪 Natürlich fliegt alles auf
Der Liebhaber erkennt die falsche Gabi, Rüdiger hört an der Tür mit,
und ehe man sich versieht, gibt es den nächsten Unfall –
diesmal ist der Liebhaber tot.
Zum Schluss klingeln die drei Freunde bei der Nachbarin, die sich über den ständigen Mixer beschwert hat,
und schenken ihr Donuts – mit der Entschuldigung, dass sie „morgen noch mehr Mehl mahlen“ müssten...
🎼 Hintergrund und Darsteller
Der seltsame Titel erklärt sich übrigens aus der Szene, in der die drei Freunde beim Knochenmahlen das Lied „3 Chinesen mit dem Kontrabass“ singen.
Die Darsteller sind allesamt großartig:
Claudia Michelsen kannte ich kaum, Jürgen Tarrach sieht man ja öfter,
und Boris Aljinovic, der später als Zwerg in 7 Zwerge oder beim Tatort auftauchte, spielt hier den völlig überforderten Paul perfekt.
Edgar Selge als nervtötender Nachbar Rüdiger ist ein Highlight – für die Rolle bekam er den Deutschen Filmpreis.
Und Ilja Richter als schleimiger Liebhaber ist widerlich glaubwürdig.
💿 Die DVD
Die DVD-Veröffentlichung von 2006 ist ein kleines Schmuckstück:
Audiokommentar, Filmmusik, Fotogalerie, Produktionsnotizen, Storyboard-Vergleich, Interviews –
so sieht Bonusmaterial aus, wenn sich jemand wirklich Mühe gibt.
🧾 Fazit
Ein Film mit bösem, schwarzem Humor, wie man ihn in Deutschland selten sieht.
Keine platten Zoten, sondern Situationskomik in einer absurden Extremsituation.
Die Schauspieler sind großartig, die Story ist schräg,
und trotz des makabren Themas wird es nie eklig.
Man sieht weder Blut noch Zerstückelung – aber das Kopfkino arbeitet dafür umso heftiger.
Eine kleine, fiese, clevere Perle aus Deutschland.
⭐ 8 von 10 Punkten.
Wer schwarzen Humor mag, sollte diesen Film unbedingt gesehen haben.
| Kategorie | Wertung | Begründung |
|---|---|---|
| Story | ⭐⭐⭐⭐☆ | Makabere „Leiche muss weg“-Prämisse, konsequent weitergedreht |
| Darsteller | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Aljinovic, Tarrach, Michelsen, Selge und Richter spielen das Absurde schön ernst |
| Humor | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Schwarz, trocken, böse, aber nicht platt |
| Inszenierung | ⭐⭐⭐⭐☆ | Klein, konzentriert und wirkungsvoll |
| Ekel-Faktor | ⭐⭐☆☆☆ | Thema makaber, Umsetzung erstaunlich unblutig |
| Deutscher-Geheimtipp-Faktor | ⭐⭐⭐⭐⭐ | Genau die Sorte Film, die viel zu leicht übersehen wird |
| Wiedersehwert | ⭐⭐⭐⭐☆ | Für Freunde schwarzer Komödien sehr hoch |
Endwertung: 8 von 10 Punkten
Eine böse, clevere und erstaunlich unblutige schwarze Komödie, die zeigt, dass deutsches Kino mehr kann als Klamauk, Kitsch und Sonntagsgebäck mit Fernsehfilmglasur.
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