Ja, ich gebe zu: Ich liebe He-Man. Schon mein ganzes Leben.
Als Kind hatte ich alles Mögliche von den Masters of the Universe – besonders die Wilde Horde und die Schlangenmenschen hatten es mir angetan. Klar, dass wir damals auch im Kino waren, als unsere Helden als Realfilm auf die Leinwand kamen!
Es war einer der ersten Kinofilme, die ich überhaupt gesehen habe – damals im kleinen Dorfkino, neben Batman und Didi in voller Fahrt (oder so ähnlich).
Inhalte mit Spoiler
Skeletor, der fiese Kerl, hat es geschafft, die Zauberin von Grayskull in seine Gewalt zu bringen. Beim nächsten Vollmond will er ihre Macht übernehmen – mithilfe eines kosmischen Schlüssels, der ihn überall hinbringen kann.
Der Zwerg Gwildor hat diesen Schlüssel erfunden, und um zu verhindern, dass er noch einen herstellt, schickt Skeletor seine Schergen aus, um ihn zu töten. He-Man rettet ihn – und gemeinsam versuchen sie, die Zauberin zu befreien. Doch der Plan misslingt, und He-Man entkommt nur knapp, als der Schlüssel ihn irgendwohin im Universum teleportiert.
Irgendwohin? Natürlich nicht – sie landen auf der Erde!
Der Schlüssel geht verloren, und während He-Man und seine Freunde ihn suchen, findet ihn ein Teenager namens Kevin. Der hält das Gerät für ein Musikinstrument und zeigt es seiner Freundin Julie. Beide spielen damit herum – was dazu führt, dass Skeletor den Schlüssel orten kann. Er schickt seine Kopfgeldjäger, um He-Man zu töten und das Gerät zurückzubringen.
Natürlich rettet He-Man die beiden Teenager vor der Mörderbande. Skeletor nimmt die Sache schließlich selbst in die Hand – und schafft es tatsächlich, He-Man gefangen zu nehmen. Mit ihm als Trophäe reist er zurück nach Eternia, damit der Held seinen Triumph miterleben muss.
He-Mans Freunde bleiben auf der Erde zurück. Doch mit Kevins Hilfe kann Gwildor den beschädigten Schlüssel reparieren, und sie alle reisen zurück nach Eternia. Dort gelingt es, He-Man zu befreien, und im großen Finale haut er Skeletor – der inzwischen die große Macht in sich trägt – fast die Zähne aus der Fresse. Na ja, fast. Skeletor verliert und stürzt in die Tiefe.
Zum Schluss werden Julie und Kevin von der Zauberin zurück zur Erde geschickt – allerdings in die Vergangenheit, damit Julie ihre Eltern retten kann, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen.
Anmerkungen
Kommen wir zu den Kritikpunkten: Die Story ist flach, und besonders Gwildor wird von vielen Fans als störend empfunden. Außerdem freute man sich damals natürlich auf die Fantasywelt Eternia – doch der Großteil des Films spielt auf der Erde.
Was dagegen wirklich gelungen ist: Ausstattung, Kostüme und Masken.
Man darf nicht vergessen, dass der Film aus dem Jahr 1987 stammt und damit schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat.
Die Söldner sind erstklassig gestaltet:
Beastman (den ich früher immer für Grizzlor hielt), Saurod (sieht großartig aus und verschwindet leider viel zu früh), Blade (cool!) und Karg, den es nie als Spielfigur gab. Auch Evil-Lyn und Skeletor sind gut getroffen, finde ich.
Bei den Guten gibt’s weniger Auswahl: Neben He-Man und der Zauberin gibt es noch Teela und Duncan, der Man-At-Arms sein soll (was durch die Übersetzung etwas verloren geht). Und dann natürlich Gwildor – den es auch als Figur gab, der aber nie so richtig in die „He-Man-Norm“ passte.
Produktionshintergrund
Cannon Films war ein Studio, das auf kleinere Actionfilme spezialisiert war – Chuck Norris lässt grüßen. Mit Masters of the Universe wollte man endlich einen großen Hollywood-Erfolg landen.
Für Cannon-Verhältnisse war das Projekt gigantisch: 22 Millionen US-Dollar Budget – ein echtes Risiko.
Zum Vergleich:
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Predator (1987) kostete 15 Mio.
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RoboCop (1987) lag bei 13 Mio.
Cannon produzierte sonst Filme in der Größenordnung von 2–8 Mio. Dollar.
Als Skeletor Saurod tötete, tat er das übrigens nicht, weil er so böse war – sondern weil man am Set schlicht sparen musste. Die Figur war zu aufwendig gestaltet. (Wie immer ist Skeletor einfach missverstanden.)
Auch der Handlungsort war eine Sparmaßnahme: Ein Plattenladen der 80er ist eben deutlich günstiger als ein Thronsaal auf Eternia.
Das Risiko zahlte sich nicht aus: Der Film spielte weltweit nur rund 17 Millionen ein – und Cannon geriet in massive Finanzprobleme.
Warum der Film floppte
Ja, ich habe eine Fanboy-Brille auf – aber ist er wirklich schlechter als RoboCop?
Ich finde nicht.
Wir waren mitten im 80er-Jahre-Körperkult: Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone dominierten das Actionkino. Dolph Lundgren war bekannt, sah gut aus und hatte einen Körperbau, auf den Stallone neidisch war – wie er selbst mal in einem Interview zugab.
Das Problem war eher die Zielgruppe.
Masters of the Universe war ein Produkt für Kinder zwischen 10 und 14 Jahren – und 1987 war es schlicht uncool, in einen He-Man-Film zu gehen.
Gehst du mit deiner Freundin lieber in Dirty Dancing, zum knutschen (lief zwei Wochen später an) oder in einen He-Man-Film?
Mit deinen Jungs lieber in Predator oder RoboCop – oder in eine Spielzeugverfilmung?
Dazu kam: Der Film hatte eine FSK 12, also durften viele Kinder ihn gar nicht allein sehen.
Für Kinder zu düster, für Erwachsene zu kindisch – ein Dazwischen, das im Kino einfach nicht funktioniert.
Gleichzeitig kam der Film drei bis vier Jahre zu spät.
1987 lagen die Masters of the Universe bereits in den letzten Zügen – der Film sollte die Marke noch einmal retten.
Actionspielzeug hat immer das Problem, dass es generationsgebunden ist. Eine Spielzeugreihe funktioniert meist zwei bis fünf Jahre, dann will die nächste Generation eigene Helden.
1987 erschienen noch einmal Figuren zum Film – doch selbst hier schafften es nicht alle in die letzte Produktwelle: Blade, Saurod und Gwildor kamen heraus, Karg blieb eine Konzeptzeichnung.
Nach dieser letzten Welle erschien 1988 nur noch eine Handvoll Laser-Light-Varianten von He-Man – dann war Schluss. Die Vintage-Line wurde zu Grabe getragen.
Hätte der Film eingeschlagen wie eine Bombe, kann man davon ausgehen, dass die Spielzeugreihe noch drei, vielleicht vier Jahre überlebt hätte.
Sehr schade – denn nur drei Jahre später, 1990, zeigten vier Schildkröten (Teenage Mutant Ninja Turtles), dass man Actionspielzeug durchaus erfolgreich verfilmen konnte.
Darsteller
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Dolph Lundgren als He-Man – Geschmackssache. Bekannt aus Rocky IV, The Punisher, Universal Soldier und aktuell natürlich The Expendables (samt Fortsetzungen).
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Frank Langella als Skeletor – großartig besetzt; man kennt ihn aus Frost/Nixon, Wall Street 2 oder Superman Returns.
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Courtney Cox als Julie – später weltberühmt durch Friends und natürlich als Gale Weathers in Scream.
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Robert Duncan McNeill als Kevin – Sci-Fi-Fans kennen ihn als Lt. Tom Paris aus Star Trek: Voyager.
Nach dem Abspann taucht übrigens noch einmal Skeletor auf und verkündet, dass er zurückkehren wird – eine Anspielung auf eine geplante Fortsetzung.
Fortsetzung? Masters of the Universe 2?
Tatsächlich war sie geplant – und sogar schon in Produktion!
Dolph Lundgren sollte allerdings nicht zurückkehren; ersetzt wurde er durch Laird Hamilton.
Doch Cannon Films geriet in finanzielle Schwierigkeiten und konnte Mattel nicht mehr bezahlen. Dadurch verlor das Studio die Rechte an der Marke.
Teile der bereits gedrehten Szenen wurden später im Jean-Claude-Van-Damme-Film Cyborg wiederverwendet – weshalb dieser in den USA zeitweise fälschlicherweise als Masters-Fortsetzung galt.
Seither tauchen immer wieder neue Gerüchte über einen Reboot auf:
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2004 war John Woo im Gespräch,
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2007 Joel Silver,
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2011 kursierte bei Warner Bros. der Titel Grayskull.
Zwischendurch hieß es, Netflix oder Amazon seien dran.
Noah Centineo wurde kurzzeitig als neuer He-Man angekündigt (woraufhin es den üblichen Shitstorm gab: „Ein Latino als He-Man?!“).
Danach sollte Kyle Allen übernehmen – doch auch das wurde wieder verworfen.
Seit 2024 steht fest: Nicholas Galitzine wird He-Man spielen.
Und tatsächlich – nach fast 40 Jahren ist ein neuer Masters-Film nun wirklich in Arbeit.
Szenenbilder existieren, Jared Leto spielt Skeletor (möge er es nicht versauen – nach Suicide Squad, Tron: Ares und Morbius hat er da was gutzumachen).
Ich bin gespannt: Auf den Bildern wirkt Galitzine etwas verloren in seiner Rolle, aber man soll ja nicht vorschnell urteilen. Ich hoffe auf einen echten Fantasyfilm, der das Franchise wiederbelebt.
Die Kinder von damals sind heute Mitte 40 – perfekte Zielgruppe mit Nostalgie und Geld. Wenn man gleichzeitig jüngere Zuschauer anspricht, kann das funktionieren.
Macht es episch, nehmt es ernst und habt eine gute Story.
Und falls ihr Hilfe braucht – ruft mich an. 😄
Fazit
Schlechte Story, tolle Effekte – und ein Stück meiner Kindheit.
Ich, als vermutlich weltgrößter He-Man-Fan, muss einfach eine positive Wertung geben.
Schaut ihn euch als Trashfilm an – ich habe jedes Mal wieder Spaß, wenn ich den Film sehe und mich wie ein kleiner Junge fühle, der nach Hause rennt, um mit seinen He-Männern zu spielen.
Die Effekte sind für 1987 absolut vertretbar.
Würde man den Film nicht mit dem 80er-Jahre-Muskelspielzeug in Verbindung bringen, hätte er vermutlich ein ganz anderes Standing in der öffentlichen Wahrnehmung.
Nur um es klar zu betonen: Der Film hat nicht die Vintage-Toy-Line zerstört - diese war längst tot.
Schon 1986 war die Marke massiv ins Straucheln geraten – Masters of the Universe kam schlicht zu spät.
Er sollte eine Marke retten, die bereits am Ende war, und scheiterte daran, weil man sich nicht auf ein Publikum einigen konnte:
Zu düster für Kinder, zu klischeehaft für Erwachsene der 80er.
Für mich trotzdem ein Stück meiner Kindheit – und daher 8 von 10 Punkten wert.
⚔️ Bewertung – Masters of the Universe (1987)
| Kategorie | ⭐ Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|
| Story | 📖⭐⭐⭐☆☆ | Dünn wie ein Eternia-Plastikschwert – aber mit Herz erzählt |
| Darsteller | 🎭⭐⭐⭐⭐☆ | Langella top als Skeletor, Lundgren ikonisch trotz Limitierungen |
| Effekte & Ausstattung | 💫⭐⭐⭐⭐⭐ | Für 1987 stark – Masken, Sets und Designs liebevoll umgesetzt |
| Musik & Atmosphäre | 🎵⭐⭐⭐☆☆ | Klassisches 80er-Feeling, aber etwas generisch |
| Nostalgie-Faktor | 🧒⭐⭐⭐⭐⭐ | Pure Kindheitserinnerung – Glanz in den Augen garantiert |
| Trashfaktor & Charme | 💥⭐⭐⭐⭐⭐ | Zwischen Kult und Klamauk – genau richtig dosiert |
| Gesamt | 🎯 8 / 10 Punkten | Kein Meisterwerk, aber ein magisches Stück 80er-Kino – für Fans ein Pflichtfilm! |
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