☀️ Sommersturm (2004)
„Willkommen, du bist angekommen.“
Endlich wieder was für meine Queer-Cinema-Rubrik! Und wie passend, denn diesen Monat will ich zum Pride Month, zumindest jede Woche einen Film in der Rubrik Queer Cinema bringen.
Sommersturm fehlte hier bisher – und das ist fast schon eine Sünde. Der Film ist ein deutscher Klassiker des Coming-of-Age-Kinos und gehört zu den Titeln, die so gut wie jeder schwule Mann in Deutschland schon gesehen hat. Und wenn nicht – bitte sofort nachholen!
Ich hab den Film nicht im Kino gesehen (lief 2004), sondern ein Jahr später bei einem Freund. Spätestens da war klar: der kommt ins Regal. Letzten Sommer hab ich ihn endlich wieder hervorgeholt – und er funktioniert immer noch.
⚙️ Handlung (Spoiler)
Tobi (Robert Stadlober) verbringt die Sommerferien nicht am Strand, sondern beim Ruderturnier mit seiner Mannschaft. Kein Problem – schließlich ist Achim (Kostja Ullmann) dabei, sein bester Freund … und heimlicher Schwarm.
Offiziell hat Tobi aber Anke (Alicja Bachleda-Curus), die ihn liebt, aber im Grunde nur sein Alibi ist.
Achim wiederum ist mit Sandra (Miriam Morgenstern) zusammen, was Tobis Eifersucht nur weiter anheizt.
Als beim Turnier die Berliner Frauenmannschaft absagt, rücken die „Queerschläger“ nach – ein schwules Team. Für die Jungs erst mal ein Kuriosum, aber der homophobe Schorsch (Joseph M’Barek) ist der Einzige, der wirklich Probleme macht.
Zwischen Tobi und Achim knistert es, doch Tobis Versuch, sich zu öffnen, endet im Streit. Trost findet er bei Leo (Marlon Kittel) von den Queerschlägern – und erlebt mit ihm seine erste gleichgeschlechtliche Erfahrung.
Als Tobi sich schließlich auch Anke gegenüber outet, bricht ein Sturm los – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn.
Ein nächtlicher Gewittersturm zerstört Boote, die Teams müssen Schutz in einer Jugendherberge suchen, und die Emotionen kochen endgültig über.
Am nächsten Morgen outet sich Tobi vor der gesamten Mannschaft.
Leo ist verletzt, die Queerschläger brauchen Ersatz – und ausgerechnet Schorsch wird ins Boot gesetzt. Am Ende gewinnen sie gemeinsam, Tobi und Achim versöhnen sich, und die Sonne bricht wieder durch.
🎬 Produktion & Besetzung
Sommersturm ist 98 Minuten Jugend, Wut, Scham und Aufbruch – und trotz der heiteren Tonlage erstaunlich ehrlich.
Robert Stadlober ist als Tobi überragend – verletzlich, chaotisch, authentisch.
Kostja Ullmann als Achim überzeugt ebenso, und die Nebenrollen sind sympathisch besetzt: Jürgen Tonkel als gutmütiger Trainer, Alicja Bachleda-Curus als Anke, Miriam Morgenstern als Sandra.
Auf Seiten der Queerschläger glänzt Marlon Kittel als Leo, dazu Hanno Koffler (später Freier Fall) als Malte und Joseph M’Barek – ja, der Bruder von Elyas.
Ein kleiner Produktionsfunfact: Die große Sturmszene musste wegen eines echten Sturms verschoben werden – am nächsten Tag kam der Wind dann von Hubschraubern.
🎵 Soundtrack
Der Score stammt von Niki Reiser, dazu Songs von Kerosin (der Band von Hanno Koffler) und natürlich Rosenstolz mit „Willkommen“ – das inoffizielle Queer-Hymnenlied einer ganzen Generation.
Auch The Power of Love (Frankie Goes to Hollywood) darf nicht fehlen.
☂️ Fazit
Sommersturm fängt dieses Gefühl von Klassenfahrt, Unsicherheit und Erwachsenwerden perfekt ein. Ein Film, der nie über seine Figuren lacht, sondern sie versteht.
Ja, manches löst sich vielleicht etwas zu schnell auf – aber das gehört zur Wärme dieses Films.
Ich mag ihn sehr, auch wenn ich ihn nicht jedes Jahr sehen muss. Wo Latter Days für mich ein Wiederseh-Film ist, braucht Sommersturm eher fünf Jahre Pause – dann wirkt er wieder frisch.
8 von 10 Punkten.
Ein deutscher Coming-Out-Klassiker, der verdient Kultstatus hat – und der noch immer zeigt, wie sich Sommer, Freundschaft und Wahrheit anfühlen.
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