Zuerst aber eine kleine Vorgeschichte:
Ich war in Kiel im Media Markt. Wir wollten einen Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Abend machen – also Verkäufer gefragt, ob sie eine Box da hätten. „Wir haben nur die hier, 12 Filme, 14 Euro. Nimm oder lass es.“
Na super. Kein einziger bekannter Titel.
Und dann wundern sich die Leute, warum man alles online kauft.
Die regionale Wirtschaft soll ja unterstützt werden – aber Ketten wie Media Markt haben doch selbst die kleinen Läden verdrängt. Jetzt verdrängt sie eben der Onlinehandel.
Ich hätte ja gesagt: „Wir haben gerade nur diese Box da, aber ich kann Ihnen gern was Passendes bestellen.“ Stattdessen: null Interesse.
Also Amazon. Klick. Bekommen, was ich wollte. Und dann lag Blaue Bohnen für ein Halleluja in der Post – der beste Western seines Genres.
Und zwar, weil es in dem Genre sonst keinen gibt.
🎵 Inhaltsangabe (mit Spoiler)
Lasst uns alle singen und tanzen!
„Little Big Jane“ ist eine Revolverheldin, die einer Bande von Gaunern ihr Gold abnimmt und es zu ihren tanzfreudigen Freunden bringt – den Indianern. Diese wollen das Gold dem Berg zurückgeben, „weil es ihm gehört“. Also beschafft Jane ihnen das Gold wieder.
Dabei kämpft sie gegen Ringo, Django (ja, den Django – mit dem Maschinengewehr im Sarg) und trifft auf Pancho. Hilfe bekommt sie von Texas Joe, in den sie sich prompt verliebt.
Sie träumt schon von der Hochzeit, als Joe plötzlich selbst das Gold klauen will. Doch die Indianer erwischen ihn – und tanzen ihm vor, wie sie ihn umbringen wollen.
Jane rettet ihn, Joe kommt zur Vernunft, wird gefangen, entkommt, hilft, die Mine mit dem Gold zu sprengen.
Happy End? Irgendwie. Jane reitet enttäuscht davon, Joe reitet hinterher – also klassisch offen.
🎬 Analyse
Hört sich schon beschissen an, oder? Ist es auch.
Dabei fängt der Film eigentlich ganz ordentlich an – bis Little Big Jane plötzlich anfängt zu singen. Und alle machen mit.
WTF?!?
Und wo bleibt Terence Hill? Der taucht nach gefühlten tausend Tanzeinlagen endlich auf.
Der Film ist absurd bis zum Anschlag:
Alle halten Jane für einen Jungen, weil sie Hosen trägt.
Ein Maschinengewehr steckt in einem Sarg.
Ihr Revolver ist aus Gold – und sie schraubt Granaten vorne drauf, um sie abzufeuern.
Sie hat also nicht nur eine goldene Knarre, sondern auch einen goldenen Granatenwerfer.
Das Ganze wurde irgendwo mal als „Musical-Western“ bezeichnet. Ich wusste nicht mal, dass es sowas gibt.
Neben Terence Hill spielt hier Rita Pavone die Hauptrolle – eine italienische Schlagersängerin, die in den 60ern mit Wenn ich ein Junge wäre sogar Platz 2 in den deutschen Charts erreichte. Weitere Highlights ihrer Diskografie: Mein Jack, der ist zwei Meter groß, Kiddy Kiddy Kiss Me oder Heut lad ich mir die Cartwrights ein.
Und ja: Der Soundtrack zu diesem Film erschien tatsächlich auf Schallplatte.
💬 Fazit
Ich hab drauf gewartet. Ehrlich.
Ich dachte: „Los, Terence, sing doch mal mit!“
Aber er tat es nicht – und sah in den Tanzszenen auch herrlich deplatziert aus.
Als ich sagte, es sei der beste Western dieses Genres, meinte ich natürlich:
Ich kenne keinen besseren Musical-Western. Und das ist auch gut so.
Trotzdem hat der Film einen gewissen Unterhaltungswert.
So eine dämliche Scheiße kann man nicht ernst nehmen – spätestens, wenn die Indianer Texas Joe vortanzen, wie sie ihn hinrichten wollen, sollte man das Ganze mit einem Augenzwinkern sehen.
3 von 10 Punkten.
Und das ist großzügig.
Hätte ich nicht mehrmals ungläubig laut gelacht, stünden da locker zwei Punkte weniger.
Ich hab’s trotzdem gesehen und dem Blogtitel so alle Ehre gemacht.
📊 Bewertungsmatrix – Blaue Bohnen für ein Halleluja
Story ⭐☆☆☆☆ Gold, Indianer, Django, Pancho, Texas Joe und eine singende Revolverheldin – das ist weniger Handlung als ein Western-Fiebertraum
Darsteller ⭐⭐☆☆☆ Rita Pavone spielt mit Energie, Terence Hill wirkt dagegen oft, als hätte ihn jemand versehentlich in ein Musical geschubst
Musik & Gesang ⭐⭐☆☆☆ Als Musical-Western natürlich zentral, aber die Songs sind eher kurios als gut – immerhin bleibt der Wahnsinn hängen
Westerngefühl ⭐☆☆☆☆ Särge, Gold, Revolver und Banditen sind da, aber jeder ernsthafte Westernmoment wird sofort von Tanz und Klamauk erschossen
Trashfaktor ⭐⭐⭐⭐☆ Goldener Revolver mit Granatenaufsatz, tanzende Indianer und absurde Einfälle sorgen für ungläubiges Lachen
Unterhaltung ⭐⭐⭐☆☆ Schlecht, aber nicht langweilig genug für den Totalausfall – dafür ist das Ganze zu bescheuert
🔥 Endwertung: 3 von 10 Punkten
Schlecht, aber mit blinkendem Unfallwagen. Kein guter Film, aber einer, bei dem man mehrfach laut fragt, was zur Hölle man da gerade sieht.
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