Montag, 29. Juni 2026

Sebastian – Freundschaft oder Liebe? (1995)

 💔 Damit endet der Pride Month, und im Label Queer Cinema ist einiges zusammengekommen.

Angefangen hat es mit Sommersturm, einer netten deutschen Coming-of-Age-Geschichte. Danach folgte The Imitation Game, ein Biopic über eine schwule historische Figur. Latter Days war dann der schwule Liebesfilm mit Zuckerguss, während Blau ist eine warme Farbe daran erinnerte, dass queeres Kino nicht automatisch schwules Kino heißt. Der Regenbogen hat schließlich mehr als eine Farbe.

Mit Shortbus wurde es anschließend sehr explizit. Da ging es nicht nur um Sex und Höhepunkte, sondern auch um die Frage, wie unterschiedlich Menschen Nähe, Liebe und Beziehungen definieren.

Sebastian – Freundschaft oder Liebe? schließt diesen Monat nun ab. Warum ausgerechnet dieser Film den Schlusspunkt setzt, erkläre ich im Fazit.

Ich gebe es zu:
Ich habe Sebastian – Freundschaft oder Liebe? nur gekauft,
weil er als Zweierpack auf DVD mit Beautiful Thing verkauft wurde.

Eigentlich wollte ich also nur einen Coming-Out-Film –
und bekam gleich zwei!
„Na gut“, dachte ich, „die drei Euro, im Gegensatz zur Einzel-DVD von Beautiful Thing mehr machen den Kohl auch nicht fett.“
Ein schöner Doppelpack, dachte ich.
Dachte ich.


⚙️ Handlung (Spoiler)

Sebastian ist mitten in der Pubertät –
und alles ist kacke.

Die Eltern erdrücken ihn mit Fürsorge,
merken aber, dass etwas nicht stimmt.
Sebastian zieht sich ständig in sein Zimmer zurück,
redet kaum noch –
und will auch nicht sagen, warum.

Nur bei seiner Clique fühlt er sich frei.
Besonders Ulf hat es ihm angetan.

Ulf hat ein schweres Leben:
eine überforderte Mutter,
kleine Geschwister,
und viel Verantwortung.
Aber trotzdem ist Ulf der Liebling aller –
und Sebastian ist fasziniert von ihm.

Eines Abends kommt Ulf zu Sebastian.
Sie machen … Waffeln.
Baden, tanzen, schminken sich –
einfach aus Spaß.

Doch Sebastian fasst sich ein Herz
und küsst seinen besten Freund.
Fehler! Ulf haut ab.

Sebastians Eltern kommen nach Hause
und finden die Wohnung im Chaos.
Nun bleibt dem Teenie keine Wahl:
Er wird zur Rede gestellt –
und die Eltern erfahren, dass er schwul ist.

Reaktion?
Kein Drama, kein Rauswurf –
„Na gut, ist er halt schwul.“

Sebastian hat Angst, Ulf wiederzusehen.
Doch als sie sich begegnen,
nimmt Ulf es locker:
„Bist du schwul? Ich nicht, aber … passt schon.“
Und nach einigem Rumgedruckse outet sich Sebastian auch bei Freunden –
die alle nur sagen:
„Du bist schwul? Na und?“

Alle sind glücklich.
Der Film ist vorbei.
Und ich auch.


🎬 Kritik

Es ist wirklich verblüffend,
wie man eine Geschichte über 80 Minuten strecken kann,
ohne dass irgendetwas passiert.

Klar, der Film richtet sich an Jugendliche,
die Angst vor dem Coming-Out haben.
Aber er ist so fern jeder Realität,
dass man sich fragt,
wo eigentlich das Problem liegt.

Alle reagieren perfekt:
Eltern, Freunde, Ex-Freundin –
keiner hat ein Problem,
keiner macht dumme Sprüche.
Selbst der Schulhof scheint ein Safe Place.

Das ist nett gemeint,
aber völlig bedeutungslos.
Und leider auch ziemlich langweilig.

Gedreht wurde der Film Mitte der 90er in Schweden,
die Synchronisation wirkt stellenweise asynchron,
die Musik ist belanglos,
und außer einem Kuss und nackten Oberkörpern
gibt’s nichts zu sehen.

Sebastian hat ein schönes Gesicht,
aber dringend einen Termin beim Friseur nötig.
Ulf ebenfalls – nur dass wir bei ihm
das mit dem schönen Gesicht streichen können.


💀 Fazit

OMG, was für ein lahmer Dünnpfiff!
Tut euch einen Gefallen
und lasst den Film im Regal liegen.

Wenn ihr Geld für einen guten, schwulen Coming-Out-Film ausgeben wollt:
Kauft Beautiful Thing.

Mit sehr viel gutem Willen
gebe ich Sebastian – Freundschaft oder Liebe?
3 von 10 Punkten.

  • Einen für den Hauptdarsteller.

  • Einen für das Thema an sich.

  • Und einen,
    weil man die DVD-Hülle wunderbar für einen anderen Film benutzen kann.

Außerdem lässt sich das Ding bestimmt
für 10 Euro bei eBay verticken –
wenn man es geschickt anpreist. 😏

Genau deshalb wollte ich diesen Film noch im Pride Month bringen. Wir hatten viele starke Filme im Label Queer Cinema, und Sebastian ist nun der Gegenentwurf. Er zeigt, dass Repräsentation allein nicht reicht. Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut.

KategorieWertungBegründung
Story⭐⭐☆☆☆Coming-out-Geschichte ohne echte Fallhöhe, Konflikte lösen sich zu glatt
Figuren⭐⭐☆☆☆Sebastian funktioniert noch am ehesten, der Rest bleibt blass oder zu brav
Queer-Cinema-Wert⭐⭐☆☆☆Thema ist wichtig, Umsetzung aber sehr pädagogisch und harmlos
Emotion⭐☆☆☆☆Kaum Schmerz, kaum Spannung, kaum Nachwirkung
Unterhaltung⭐⭐☆☆☆Einzelne Szenen sind nett oder unfreiwillig komisch, insgesamt aber zäh
Wiedersehwert⭐☆☆☆☆Eher DVD-Regal-Deko als Film, den man nochmal einlegt

Endwertung: 3 von 10 Punkten
Ein gut gemeinter, aber erschreckend langweiliger Coming-out-Film, der sein Thema so konfliktfrei behandelt, dass am Ende kaum noch ein Film übrig bleibt.

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