Mittwoch, 1. Juli 2026

Aliens – Die Rückkehr (1986)

Und schon fauchen die Aliens ein zweites Mal auf meinem Blog!
Als ich die Filme das erste Mal gesehen habe, war ich wohl so 16 – und konnte damals nicht viel mit ihnen anfangen.
Ich weiß gar nicht mehr genau, woran es lag.
Heute ist das anders: Ich mag die Reihe total gerne und freue mich schon jetzt über die Berichte, dass eventuell ein fünfter Teil kommen soll. 👽

🚀 Inhalt mit Spoiler

Ripleys Rettungskapsel wird nach 57 Jahren im All gefunden.
Während sie im Tiefschlaf lag, ist ihre Tochter bereits gestorben – Ripley dagegen ist immer noch jung und ziemlich fit.

Erstmal gibt’s aber Ärger: Sie soll Rechenschaft ablegen, warum sie einen Millionen-Dollar-Frachter gesprengt hat.
Von dem Alien fehlt jede Spur – und niemand glaubt ihrer Geschichte.
Zumal der Planet, auf dem man damals das Wrack mit den Eiern gefunden hatte, inzwischen kolonisiert wurde: Dort wird Terraforming betrieben, rund 70 Familien leben dort friedlich.

Doch irgendwann reißt der Kontakt ab.
Eine militärische Einheit soll nachsehen, was passiert ist – und Ripley soll mit.
Zuerst weigert sie sich, doch als man ihr ihren alten Job in Aussicht stellt, stimmt sie zu.

Auf dem Planeten finden sie nur Verwüstung – und ein kleines Mädchen namens Rebecca, genannt Newt.
Sie ist die einzige Überlebende.
Kurz darauf entdeckt man die Signale der vermissten Kolonisten – alle zusammen im Nachbarkomplex.
Die Soldaten machen sich auf den Weg, und natürlich kommt es, wie es kommen muss: Aliens.

Die Menschen wurden eingesponnen, um als Wirte für neue Aliens zu dienen.
Fast alle Soldaten sterben, die wenigen Überlebenden ziehen sich zurück.
Sie verschanzen sich, doch die Lage spitzt sich zu: Das Landungsshuttle wird zerstört, Munition geht zur Neige, und die Moral ist im Keller.

Androide Bishop wagt sich durch enge Lüftungsschächte nach draußen, um das Mutterschiff zu kontaktieren.
Währenddessen zeigt sich, dass nicht nur die Aliens gefährlich sind – auch unter den Menschen gibt es Verrat:
Der Konzernvertreter will einen Alien-Embryo zur Erde schmuggeln, um ihn als Waffe zu verkaufen.

Am Ende sind nur noch Ripley, Newt und ein schwer verletzter Soldat übrig.
Bishop schafft es, ein neues Shuttle zu holen – doch Newt wird in letzter Minute entführt.

Ripley hat nur 15 Minuten, bevor der Reaktor explodiert.
Sie stürmt bewaffnet in das Nest, findet Newt und steht plötzlich der Alien-Königin gegenüber – einem gigantischen Mutterwesen, das die Eier legt.
Ripley jagt ihr Granaten in den Eiersack, flieht und entkommt mit Newt.

Aber natürlich ist noch nicht Schluss:
Die Königin hat sich an Bord des Shuttles geschmuggelt, halbiert Bishop und greift Newt an.
Ripley steigt in einen Frachtroboter und liefert sich den legendären Kampf „Frau gegen Alien-Mutter“ – bis sie das Biest schließlich durch die Schleuse ins All schleudert.

Jetzt ist aber wirklich Happy End:
Ripley legt Newt, den verletzten Soldaten und Bishop in den Tiefschlaf – und danach sich selbst.
Kurs: Erde.

🚀 


Ich habe gerade Alien und Predator parallel begonnen – immer abwechselnd.
Und ganz ehrlich: Welche Reihe besser ist, steht für mich fest – Alien!

Natürlich gibt es auch hier stereotype Figuren, aber wenn man die beiden Söldnertrupps vergleicht, sieht man schnell den Unterschied:
Bei Predator sind alle austauschbar – jeder ist der harte Typ mit Waffe, unterscheidbar nur durch Hut oder Stirnband.
Bei Aliens dagegen wirken die Charaktere lebendig: Sie reißen Sprüche, jammern, haben Angst, reden von Zuhause.
Das ist glaubwürdig – und macht den Film stärker.


Ich habe auch hier den Director’s Cut gesehen – und im Gegensatz zum ersten Film verdient er den Namen.
Die Kinofassung wurde auf rund 90 Minuten gekürzt, weil das Studio einen „gängigen“ Film wollte.
Die Langfassung ist etwa 16 Minuten länger, aber ohne Längen – im Gegenteil: Sie wirkt runder, vollständiger, stimmiger.


🧠 Fazit

Wie es bei Fortsetzungen üblich ist, wird der Vorgänger hier getoppt – und das gelingt erstaunlich gut.
Der einzige Minuspunkt (neben Ripleys Frisur 😉):
Die Aliens wirken hier schwächer.
Im ersten Teil fraß sich die Säure durch fünf Decks, hier wird geballert, was das Zeug hält – und nichts passiert.
Ein Alien war früher tödlich, hier sind sie eher Kanonenfutter.

Trotzdem: Die Geschichte baut toll auf, beantwortet offene Fragen (zum Beispiel, woher die Eier kommen), und liefert erstklassige Action, Effekte und Spannung.

9 von 10 Punkten.
Ein starkes Sequel – und für mich sogar minimal besser als der Vorgänger! 👽🔥

KategorieWertungBegründung
Story⭐⭐⭐⭐⭐Starke Fortsetzung, die den Mythos erweitert, ohne den Vorgänger zu entwerten
Figuren⭐⭐⭐⭐⭐Ripley, Newt, Hicks, Bishop, Hudson, Vasquez und Burke bleiben hängen
Action⭐⭐⭐⭐⭐Intensiv, übersichtlich und bis heute wirkungsvoll
Spannung⭐⭐⭐⭐⭐Vom ersten Alienkontakt bis zum Queen-Finale hervorragend aufgebaut
Effekte⭐⭐⭐⭐⭐Alien-Königin, Miniaturen, Sets und Creature-Design funktionieren bis heute
Horrorwirkung⭐⭐⭐⭐☆Mehr Action als Horror, aber immer noch bedrohlich
Wiedersehwert⭐⭐⭐⭐⭐Einer dieser Filme, die sofort wieder zünden

Endwertung: 9 von 10 Punkten
Ein nahezu perfektes Action-Horror-Sequel: größer, lauter und kämpferischer als der Vorgänger, aber mit starken Figuren, echter Spannung und einer der besten Heldinnen des Genrekinos.

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Montag, 29. Juni 2026

Sebastian – Freundschaft oder Liebe? (1995)

 💔 Damit endet der Pride Month, und im Label Queer Cinema ist einiges zusammengekommen.

Angefangen hat es mit Sommersturm, einer netten deutschen Coming-of-Age-Geschichte. Danach folgte The Imitation Game, ein Biopic über eine schwule historische Figur. Latter Days war dann der schwule Liebesfilm mit Zuckerguss, während Blau ist eine warme Farbe daran erinnerte, dass queeres Kino nicht automatisch schwules Kino heißt. Der Regenbogen hat schließlich mehr als eine Farbe.

Mit Shortbus wurde es anschließend sehr explizit. Da ging es nicht nur um Sex und Höhepunkte, sondern auch um die Frage, wie unterschiedlich Menschen Nähe, Liebe und Beziehungen definieren.

Sebastian – Freundschaft oder Liebe? schließt diesen Monat nun ab. Warum ausgerechnet dieser Film den Schlusspunkt setzt, erkläre ich im Fazit.

Ich gebe es zu:
Ich habe Sebastian – Freundschaft oder Liebe? nur gekauft,
weil er als Zweierpack auf DVD mit Beautiful Thing verkauft wurde.

Eigentlich wollte ich also nur einen Coming-Out-Film –
und bekam gleich zwei!
„Na gut“, dachte ich, „die drei Euro, im Gegensatz zur Einzel-DVD von Beautiful Thing mehr machen den Kohl auch nicht fett.“
Ein schöner Doppelpack, dachte ich.
Dachte ich.


⚙️ Handlung (Spoiler)

Sebastian ist mitten in der Pubertät –
und alles ist kacke.

Die Eltern erdrücken ihn mit Fürsorge,
merken aber, dass etwas nicht stimmt.
Sebastian zieht sich ständig in sein Zimmer zurück,
redet kaum noch –
und will auch nicht sagen, warum.

Nur bei seiner Clique fühlt er sich frei.
Besonders Ulf hat es ihm angetan.

Ulf hat ein schweres Leben:
eine überforderte Mutter,
kleine Geschwister,
und viel Verantwortung.
Aber trotzdem ist Ulf der Liebling aller –
und Sebastian ist fasziniert von ihm.

Eines Abends kommt Ulf zu Sebastian.
Sie machen … Waffeln.
Baden, tanzen, schminken sich –
einfach aus Spaß.

Doch Sebastian fasst sich ein Herz
und küsst seinen besten Freund.
Fehler! Ulf haut ab.

Sebastians Eltern kommen nach Hause
und finden die Wohnung im Chaos.
Nun bleibt dem Teenie keine Wahl:
Er wird zur Rede gestellt –
und die Eltern erfahren, dass er schwul ist.

Reaktion?
Kein Drama, kein Rauswurf –
„Na gut, ist er halt schwul.“

Sebastian hat Angst, Ulf wiederzusehen.
Doch als sie sich begegnen,
nimmt Ulf es locker:
„Bist du schwul? Ich nicht, aber … passt schon.“
Und nach einigem Rumgedruckse outet sich Sebastian auch bei Freunden –
die alle nur sagen:
„Du bist schwul? Na und?“

Alle sind glücklich.
Der Film ist vorbei.
Und ich auch.


🎬 Kritik

Es ist wirklich verblüffend,
wie man eine Geschichte über 80 Minuten strecken kann,
ohne dass irgendetwas passiert.

Klar, der Film richtet sich an Jugendliche,
die Angst vor dem Coming-Out haben.
Aber er ist so fern jeder Realität,
dass man sich fragt,
wo eigentlich das Problem liegt.

Alle reagieren perfekt:
Eltern, Freunde, Ex-Freundin –
keiner hat ein Problem,
keiner macht dumme Sprüche.
Selbst der Schulhof scheint ein Safe Place.

Das ist nett gemeint,
aber völlig bedeutungslos.
Und leider auch ziemlich langweilig.

Gedreht wurde der Film Mitte der 90er in Schweden,
die Synchronisation wirkt stellenweise asynchron,
die Musik ist belanglos,
und außer einem Kuss und nackten Oberkörpern
gibt’s nichts zu sehen.

Sebastian hat ein schönes Gesicht,
aber dringend einen Termin beim Friseur nötig.
Ulf ebenfalls – nur dass wir bei ihm
das mit dem schönen Gesicht streichen können.


💀 Fazit

OMG, was für ein lahmer Dünnpfiff!
Tut euch einen Gefallen
und lasst den Film im Regal liegen.

Wenn ihr Geld für einen guten, schwulen Coming-Out-Film ausgeben wollt:
Kauft Beautiful Thing.

Mit sehr viel gutem Willen
gebe ich Sebastian – Freundschaft oder Liebe?
3 von 10 Punkten.

  • Einen für den Hauptdarsteller.

  • Einen für das Thema an sich.

  • Und einen,
    weil man die DVD-Hülle wunderbar für einen anderen Film benutzen kann.

Außerdem lässt sich das Ding bestimmt
für 10 Euro bei eBay verticken –
wenn man es geschickt anpreist. 😏

Genau deshalb wollte ich diesen Film noch im Pride Month bringen. Wir hatten viele starke Filme im Label Queer Cinema, und Sebastian ist nun der Gegenentwurf. Er zeigt, dass Repräsentation allein nicht reicht. Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut.

KategorieWertungBegründung
Story⭐⭐☆☆☆Coming-out-Geschichte ohne echte Fallhöhe, Konflikte lösen sich zu glatt
Figuren⭐⭐☆☆☆Sebastian funktioniert noch am ehesten, der Rest bleibt blass oder zu brav
Queer-Cinema-Wert⭐⭐☆☆☆Thema ist wichtig, Umsetzung aber sehr pädagogisch und harmlos
Emotion⭐☆☆☆☆Kaum Schmerz, kaum Spannung, kaum Nachwirkung
Unterhaltung⭐⭐☆☆☆Einzelne Szenen sind nett oder unfreiwillig komisch, insgesamt aber zäh
Wiedersehwert⭐☆☆☆☆Eher DVD-Regal-Deko als Film, den man nochmal einlegt

Endwertung: 3 von 10 Punkten
Ein gut gemeinter, aber erschreckend langweiliger Coming-out-Film, der sein Thema so konfliktfrei behandelt, dass am Ende kaum noch ein Film übrig bleibt.

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Spider-Man 3 (2007)

🕸️ Heute steht der Abschluss der ersten Spider-Man-Trilogie an. Nach den X-Men und vor allem nach Spider-Man selbst war endgültig klar: Superhelden bringen gutes Geld. Also haben die Studios Blut geleckt, und ich erinnere mich noch gut daran, was damals plötzlich alles angekündigt wurde. Jeder wollte ein Stück vom Cape-Kuchen.

Nach dem grandiosen zweiten Teil mit Doc Ock waren die Erwartungen natürlich enorm. Spider-Man 2 hatte gezeigt, wie gut Superheldenkino funktionieren kann, wenn Action, Tragik, Humor und Figurenentwicklung ineinandergreifen. Und dann kommt Teil 3 und wirft direkt den neuen Kobold, Sandman und Venom in einen Film.

Ist das nicht ein bisschen viel?

Spoiler: Ja. Zumindest klingt es schon auf dem Papier, als hätte jemand drei Filme in einen Mixer geworfen und gehofft, dass am Ende ein Smoothie rauskommt. Stattdessen riecht es zwischendurch eher nach Comic-Gulasch.


💥Inhalt mit Spoiler

Bei Spider-Man läuft alles rund: Er soll und wird zum Ehrenbürger der Stadt New York ernannt. Peter ist so im Glück, dass er gar nicht mitbekommt, wie es Mary Jane geht – sie hat gerade einen Flop am Broadway gelandet und ist ihren Job los.

Auch Harry Osborn schreit nach Rache und setzt sich auf den Gleiter seines Vaters – er wird zum neuen Kobold. Peter gewinnt den Kampf und haut Harry um; der landet im Krankenhaus und leidet an Gedächtnisverlust. Er weiß nun nicht mehr, wer Spider-Man ist oder wer seinen Vater getötet hat.

Doch das ist nicht alles: Der Sandmann ist auch noch mit von der Partie. Flint Marco ist ein Gangster, der für den Mord an Peters Onkel Ben verantwortlich gemacht wird. Durch einen dummen Zufall stolpert Flint in ein Testgelände – und wird zu lebendigem Sand.

Auch ein Meteor stürzt in den Park, wo Peter und MJ gerade rummachen, und aus dem Meteor kriecht eine schwarze Flüssigkeit. Peter will Flint schnappen, schläft dabei im Bett ein – und die schwarze Masse klettert auf ihn und verbindet sich mit seinem Anzug.

Peter ist durch den Symbionten stärker als zuvor, aber auch aggressiver und skrupelloser. Mit Hilfe des Symbionten besiegt er den Sandmann und glaubt, ihn getötet zu haben – was er natürlich nicht hat.

Harry findet sein Gedächtnis wieder und zwingt MJ, sich von Peter zu trennen. Dieser ist eh schon schlecht drauf, haut erst Harry um und dann auch noch MJ. Der neue schwarze Spider-Man ist ein Arsch, und das will Reporter Eddie Brock beweisen – allerdings mit gefälschten Bildern, was Peter entlarvt.

Brock ist seinen Job los und verflucht Parker in einer Kirche – in der zufällig auch Peter ist, der nach seiner Eskalation den Symbionten loswerden will. Er schafft es, aber die Masse sucht sich einen neuen Wirt – natürlich Eddie Brock, der auf Rache sinnt.

Er verbündet sich mit dem Sandmann, und beide wollen zusammen Spider-Man umbringen. Da Eddie durch den Symbionten weiß, wer unter der Maske steckt, entführt er MJ. Es kommt zum öffentlichen Kampf: Peter bittet Harry um Hilfe – der lehnt erst ab, kommt dann aber natürlich doch.

Harry rettet Peter vor Venom, stirbt dabei aber. Sandmann wird irgendwie besiegt, Venom gesprengt. Peter hat noch eine Aussprache mit dem Sandmann, der meint, es sei ein Unfall gewesen – er habe Peters Onkel nicht töten wollen und nur für seine kranke Tochter gehandelt. Peter knutscht MJ, der Sandmann verkrümelt sich, und alles ist gut – außer für Harry, versteht sich.

Hintergrund

Von Anfang an stand Spider-Man 3 unter keinem guten Stern. Sam Raimi hatte sich in den ersten beiden Filmen klar als Fan des klassischen Spider-Man gezeigt: keine neumodischen Gegner, sondern Figuren wie der Grüne Kobold, Doc Ock oder eben der Sandman.

Das Studio wollte für Teil 3 aber unbedingt einen weiteren Publikumsliebling im Film sehen: Venom.

Raimi selbst wollte wiederum einen klassischen Gegner, also kam der Sandman mit an Bord. Und dann war da natürlich noch Harry, der im letzten Film Rache geschworen und die Koboldrüstung seines Vaters gefunden hatte.

Drei Gegner in einem Film. Kann das gut gehen?

Harry braucht keine große Vorgeschichte mehr, die hat er bereits. Trotzdem muss man ihm Zeit geben. Die anderen Gegenspieler bekommen wegen des Zeitmangels aber nur sehr holprige Erklärungen. Ein Meteor schlägt ein, Venom klebt dran. Flint Marko läuft herum, stolpert zufällig in einen Sandversuch, und dieser startet natürlich genau in diesem Moment. Wissenschaft durch Zufall, Drehbuch durch Achselzucken.

Der Sandman ist für mich ohnehin der größte Minuspunkt des Films. Plötzlich ist er der wahre Mörder von Ben Parker, aber eigentlich macht er alles nur wegen seiner kranken Tochter. Er ist also im Grunde ein guter Kerl. Dann will er Spider-Man töten. Warum eigentlich? Weil er zufällig Venom trifft? Woher weiß Venom überhaupt, wo er Flint finden kann? Keine Ahnung. Plötzlich stehen beide da und wollen Spider-Man umbringen, weil der Film jetzt eben ein Finale braucht.

Dann wird Sandman auch noch zum Riesenmonster, agiert dabei aber erstaunlich dumm und fast wie ein Tier. Brüllen, schlagen, kaputtmachen. Irgendwie wird er besiegt, und plötzlich ist er wieder der geläuterte Sandmann, der sich entschuldigt. Der Film springt mit ihm vom Kriminellen zum tragischen Vater, dann zum Monster und wieder zurück zum reuigen Mann. Nicht als Entwicklung, sondern eher wie ein nasser Sack Sand, der von Szene zu Szene anders ausgeschüttet wird.

Bei Venom gibt es dagegen gar keine wirkliche Vorgeschichte. Der fällt einfach vom Himmel und ist da. Lässt man das einmal beiseite, hat wenigstens Eddie Brock eine nachvollziehbare Motivation, Peter Parker und damit auch Spider-Man zu hassen. Das ist dünn, aber immerhin mehr als „Meteor macht glibberige Probleme“.

Auch Harry verhält sich extrem sprunghaft. Und obwohl ich James Franco grundsätzlich mag, hat er mir hier nicht gefallen. Während seiner Amnesie grinst er die ganze Zeit, als hätte ihm jemand „freundlich wirken“ auf einen Zettel geschrieben. Es sollte wohl warmherzig erscheinen, sah aber oft einfach nur dümmlich aus. Dann mag er Peter wieder, dann hasst er ihn, dann hilft er ihm erneut. Und dann kommt der eigentliche Vogelabschuss:

Der Butler.

Der Butler sagt Harry, dass Spider-Man gar nicht der Mörder seines Vaters gewesen sei. Er habe die Wunden gereinigt, und diese seien eindeutig von den Gleiterklingen verursacht worden. Aha. Der Butler ist also auch noch Pathologe. Dass Spider-Man selbst theoretisch auch den Gleiter hätte benutzen können, ignorieren wir einfach. Noch absurder ist aber: Harry glaubt sofort dem Butler, nachdem er seinem besten Freund zwei Filme lang nicht geglaubt hat.

Ja, ne, ist klar.

Ebenso vorhersehbar ist dann Harrys Heldentod. Natürlich muss er sich am Ende opfern, natürlich muss die Freundschaft noch einmal gerettet werden, natürlich muss der Kreis geschlossen werden. Emotional sollte das wahrscheinlich groß wirken. Bei mir kam es aber eher an wie ein Pflichttermin im Drehbuchkalender.


🕶️ Venom wird zum echten Problem

Und Peter? Nervt.

Mit Symbionten wird er zu Emo-Peter, da nervt er. Ohne Symbionten heult, jammert und schmollt er aber trotzdem durch den Film. Das Problem ist also nicht nur der schwarze Anzug. Der Symbiont macht Peter nicht böse, er dreht eher die Lautstärke seiner schlechtesten Eigenschaften hoch. Plötzlich ist er eitel, selbstgerecht, eifersüchtig und unangenehm stolz auf sich selbst. Aus dem freundlichen Spider-Man aus der Nachbarschaft wird ein Typ, dem man nach fünf Minuten freiwillig die Nachbarschaft kündigen möchte.

Der Film bietet dabei einige der lächerlichsten Szenen der ganzen Reihe. Etwa die Parade, bei der Peter plötzlich mittanzt, als hätte er heimlich ein Praktikum bei einer Boyband gemacht. Noch schlimmer ist aber der Jazzclub. Auf einmal kann der Wissenschaftler, Fotograf und Superheld auch perfekt tanzen und Klavier spielen. Liegt wohl am Symbionten. Der kommt offenbar nicht aus dem All, sondern von Jazzworld.

Diese Szene soll vermutlich zeigen, wie sehr Peter sich verändert hat. Das tut sie auch. Nur leider nicht in Richtung „dunkel und gefährlich“, sondern eher in Richtung „bitte nimm diesem Mann sofort den Scheitel weg“.

Um es noch blöder zu machen, musste natürlich auch wieder eine „Wir-Amis-sind-so-toll“-Szene rein. Spider-Man schwingt zum Finalkampf, die Menge jubelt, er hält kurz inne, und hinter ihm weht die amerikanische Flagge. Was für ein Held. Da fehlt eigentlich nur noch ein Adler, der ihm einen Burger reicht.

Ich weiß, Superheldenkino darf pathetisch sein. Gerade Spider-Man lebt auch von großen Bildern. Aber diese Szene ist so plump inszeniert, dass sie nicht erhebend wirkt, sondern eher wie ein Rekrutierungsposter mit Netzwerfern.


🧩 Wie hätte man den Film retten können?

Eigentlich ganz einfach: Sandman raus, Venom richtig rein.
Venom hätte eine echte Herkunft gebraucht. Die Ultimate-Version wäre dafür perfekt gewesen: Venom als fehlgeschlagenes Medizinexperiment. Kein Alien, kein Meteor, kein schwarzer Glibber aus dem Zufallsautomaten. Stattdessen hätte man den Symbionten direkt mit Peter, Eddie und vielleicht sogar Connors verbinden können. Das wäre persönlicher gewesen und hätte viel besser zu Raimis Welt gepasst als ein Stein aus dem All, der zufällig neben Peter Parker einschlägt.
Dann hätte man Harry und Venom als Gegner gehabt und deutlich mehr Zeit für die wichtigen Handlungsstränge. Ohne Sandman fallen all die überflüssigen Szenen weg: keine nachträgliche Ben-Parker-Mörder-Nummer, kein Sandmonster-Finale, keine tragische Tochtergeschichte auf Schnellkochtopf-Stufe.
Das hätte den Film nicht automatisch perfekt gemacht, aber es hätte ihn deutlich fokussierter gemacht. Harry hätte ein würdiger Gegenspieler bleiben können, statt zwischen Amnesie-Grinsen, Butler-Offenbarung und Heldentod herumzutaumeln. Und Venom hätte nicht wie ein Gaststar gewirkt, der im letzten Drittel noch schnell durch die Studiotür geschoben wurde.

🎭 Harry Osborn / Hobgoblin?

Ich habe hier bewusst ein Fragezeichen gesetzt, denn so ganz klar ist eigentlich nicht, was Harry im Film sein soll. Im Comic wird er zum zweiten Grünen Kobold. Da er im Film aber nicht einfach das Kostüm seines Vaters trägt, sondern mit eigener Ausrüstung herumfliegt, wirkt das eher wie eine freie Variante. Offiziell läuft er oft als „New Goblin“, aber wirklich ikonisch ist daran wenig. Für mich bleibt er eher: Harry auf dem Luxus-Snowboard des Todes.
Im Kern passt Harrys Figur aber durchaus zu den Comics. Harry war immer die Niete im Osborn-Haus. Er buhlt um die Aufmerksamkeit seines Vaters, doch Norman interessiert sich mehr für Peter. Und auch bei den Frauen steht Harry meist im Schatten seines besten Freundes. Peter bekommt die Anerkennung, Peter bekommt die Heldengeschichte, Peter bekommt Mary Jane. Harry bleibt reich, verletzt und innerlich ziemlich leer.
Genau das macht ihn labil. Im Comic greift er zu Drogen, wird mehrfach zum Kobold und stirbt schließlich ebenfalls. Der Film hat also durchaus Stoff, aus dem man ein starkes Drama hätte bauen können. Nur leider verliert sich Spider-Man 3 so sehr zwischen Sandman, Venom, schwarzem Anzug und Jazzclub, dass Harrys eigentlich tragische Geschichte am Ende wirkt wie ein Nebengleis mit Kürbisbomben.


🕷️ Venom

Eddie Brock, gespielt von Topher Grace aus Die wilden 70er, ist keine klassische Besetzung. Im Comic ist Eddie ein richtiger Brocken, fast schon Bodybuilder-Statur. Topher Grace wirkt dagegen eher wie jemand, der Spider-Man beim Schülerzeitungspraktikum das Pausenbrot klaut. Trotzdem fand ich Brock im Film tatsächlich einen der wenigen Lichtblicke.
Venom selbst entstand im Comic, als Peter während der Secret Wars auf den Planeten des Beyonder geholt wurde. Das ist so eine typische 80er-Jahre-Story: Der Beyonder sammelt Helden und Schurken ein und lässt sie sich gegenseitig auf die Fresse hauen. Comiclogik mit kosmischem Gongschlag.
Wirklich wichtig ist daran vor allem, dass Spider-Man dort sein schwarzes Kostüm bekommt. Später stellt sich heraus: Das Kostüm ist gar kein Kostüm, sondern ein lebendiger Symbiont. Peter wird ihn los, das Ding verbindet sich mit Eddie Brock, und Venom ist geboren.
Venom wurde schnell so beliebt, dass er eigene Mini-Serien bekam. Danach folgten weitere Symbionten-Ableger, der bekannteste davon ist Carnage: noch brutaler, noch gestörter und noch mehr „Was wäre, wenn Venom endgültig jede Sicherung aus dem Sicherungskasten beißt?“.

👮 Captain Stacy und Gwen Stacy

Um Fans bei der Stange zu halten, werden in Comicverfilmungen gerne bekannte Namen aus den Vorlagen eingebaut. Beim dritten Spider-Man hieß es im Vorfeld also: Die Stacys kommen!
Captain Stacy ist im Comic wie im Film ein hohes Tier bei der NYPD und steht Spider-Man durchaus wohlwollend gegenüber. Im Comic stirbt er heroisch, als er ein Kind rettet und von Trümmern erschlagen wird.
Auch seine Tochter Gwen hatte nicht viel Glück. Sie war Peters erste große Liebe und wurde vom Grünen Kobold von einer Brücke geworfen. Der Sturz allein hätte sie getötet, doch Spider-Man schießt sein Netz zu spät ab: Er fängt sie zwar, aber durch den abrupten Stopp bricht ihr das Genick. Eine legendäre Szene und für viele das Ende der Unschuld im Superhelden-Comic.
Gerade weil Gwen Stacy so wichtig ist, wurde sie im Film heiß erwartet. Leider bleibt davon fast nichts übrig. Captain Stacy wirkt hier eher wie ein müder Polizeigreis, der zufällig durchs Bild geschoben wurde, und Gwen wird nicht als tragische Schlüsselfigur aufgebaut, sondern eher als blondierte Flirt-Requisite. Das ist schade, denn ausgerechnet eine der wichtigsten Frauenfiguren aus Peters Comicgeschichte wird hier zur Nebenfigur mit Haarfarbe und Augenaufschlag reduziert.


🧬 Spider-Man 4? Fortsetzung?

Schnell war klar, dass eine Fortsetzung kommen sollte. Raimi hatte dafür sogar schon den Grundstein gelegt: Dr. Curt Connors tritt als Peters Professor auf und untersucht den Symbionten. Zwei Möglichkeiten lagen also auf der Hand. Entweder wird Connors irgendwann zur Echse, oder man bringt Carnage ins Spiel, denn ein Stück des Symbionten bleibt im Labor zurück.

Zumindest die Echsen-Vermutung stimmte. Aber es kam anders. Raimi zerstritt sich mit dem Studio und verabschiedete sich von Spider-Man 4. Ohne ihn war auch die Rückkehr der Hauptdarsteller vom Tisch. Tobey Maguire und Kirsten Dunst standen ohne Raimi nicht mehr zur Verfügung.

Das Ende für Spider-Man? Natürlich nicht. Der gute Spidey ist Marvels Gelddruckmaschine mit Netzanschluss. Batman hatte es vorgemacht: Man kann Superhelden neu besetzen, neu starten und dem Publikum einfach wieder eine Origin-Story vorsetzen.

Zuerst hieß es, das Ganze solle zwischen Teil 1 und 2 spielen. Dann wurde daraus doch ein Reboot. Alles zurück auf null.

Andrew Garfield, bekannt aus The Social Network, wird Peter Parker spielen. Gleich bleibt jedoch der Gegner: die Echse. Garfield ist ein guter Schauspieler, aber ich finde ihn eigentlich zu schön für Peter Parker. Da fehlt mir das Nerdtum, dieses leicht verknitterte „Ich wurde im Schullabor vergessen“-Gefühl.


🧪 Venom Spin-off?

Eine weitere Figur sollte eigentlich einen eigenen Film bekommen: Venom. Damals war ich bei solchen Gerüchten eher skeptisch. Magneto sollte schließlich auch einen eigenen Film bekommen, wurde dann aber gestrichen beziehungsweise in Teilen in X-Men: Erste Entscheidung verwurstet. Bei Venom dachte ich lange, das würde ähnlich laufen. Spider-Man 3 hatte schon ein paar Jahre auf dem Buckel, Topher Grace war als Eddie Brock nicht gerade ikonisch, und ohne Spider-Man wirkte ein Venom-Film irgendwie wie ein Haifilm ohne Wasser.

Tja. Falsch gedacht.

2018 kam Venom tatsächlich ins Kino, diesmal mit Tom Hardy als Eddie Brock. Der Film hatte mit Raimis Spider-Man 3 nichts mehr zu tun und startete Sonys eigenes kleines Spider-Man-Universum, nur ironischerweise weitgehend ohne Spider-Man. Kritisch wurde das Ding eher durchgekaut und wieder ausgespuckt, aber an der Kinokasse funktionierte es. Venom wurde zum Erfolg und bekam 2021 mit Venom: Let There Be Carnage direkt eine Fortsetzung, in der dann auch Carnage seinen großen Auftritt hatte.

2024 folgte schließlich Venom: The Last Dance, der dritte Teil der Reihe und offiziell so etwas wie der Abschluss von Eddie und Venoms gemeinsamer Reise. Damit wurde aus einem Gerücht, dem ich damals kaum Chancen gegeben hätte, tatsächlich eine komplette Trilogie. Verrückte Welt: Raimis Spider-Man 3 konnte Venom kaum vernünftig erklären, aber Jahre später trug der schwarze Glibber plötzlich drei eigene Filme fast alleine durch die Gegend.

Ob das jetzt ein Triumph für Venom oder ein Warnschild für das Superheldenkino ist, muss jeder selbst entscheiden. Aber fest steht: Totzukriegen war der Symbiont nicht.

Erfolg?

Finanziell war Spider-Man 3 trotzdem ein voller Erfolg. Weltweit spielte der Film rund 895 Millionen Dollar ein und war damit sogar erfolgreicher als die ersten beiden Teile: Spider-Man kam auf etwa 821 Millionen, Spider-Man 2 auf rund 789 Millionen Dollar. An der Kasse hat der dritte Teil also geliefert. Das Problem war eher, was danach übrig blieb. Während Teil 1 den modernen Superheldenfilm mit angeschoben und Teil 2 gezeigt hatte, wie stark dieses Genre sein kann, wirkte Teil 3 trotz höherer Einnahmen wie ein Warnsignal: Mehr Figuren, mehr Effekte und mehr Drama ergeben nicht automatisch den besseren Film. Manchmal ist der größte Gegner eben nicht Venom, sondern ein überladenes Drehbuch.


🕸️ Fazit

Der tiefe Fall des Peter Parker.

Schon wieder wird der dritte Teil einer Filmreihe an die Wand gefahren. Und wie schon bei X-Men: Der letzte Widerstand hat man einfach zu viel in einen Film gepackt. Alles wird angerissen, nichts bekommt genug Tiefe, und Emo-Peter nervt gewaltig. Aber dazu habe ich im Hintergrund schon genug geschrieben, daher hier nur ein kurzes Fazit:

Drei Schurken, dazu mehrere Nebenhandlungen, das kann kaum gut gehen. Spider-Man 3 ist kein kompletter Totalausfall, aber ein enttäuschender Abschluss einer bis dahin starken Trilogie.

Der Abschluss bekommt von mir daher nur 4 von 10 möglichen Punkten.

KategorieWertungBegründung
Story⭐⭐☆☆☆Zu viele Handlungsstränge, zu wenig Fokus
Peter Parker⭐⭐☆☆☆Emo-Peter, Tanzszene, Geheule: schwer zu ertragen
Schurken⭐⭐☆☆☆Harry, Sandman und Venom treten sich gegenseitig die Screentime weg
Venom⭐⭐☆☆☆Optisch nett, aber viel zu hastig eingeführt
Sandman⭐⭐☆☆☆Gute Idee, aber durch Ben-Parker-Retcon und Monsterfinale verschenkt
Harry⭐⭐☆☆☆Starker Aufbau aus Teil 2, aber durch Amnesie und Butler-Erklärung beschädigt
Action⭐⭐⭐☆☆Spektakulär, aber weniger emotional als Teil 2
Wiedersehwert⭐⭐☆☆☆Als Abschluss enttäuschend, als Überladungsstudie interessant

Endwertung: 4 von 10 Punkten
Ein überladener Abschluss, der nach Spider-Man 2 besonders tief fällt: zu viele Schurken, zu viele Nebenplots, zu wenig echte Tiefe. Venom hätte einen eigenen Film verdient, Harry hätte ein stärkerer Abschlussgegner sein können, und Sandman wirkt wie ein zusätzliches Drehbuch, das aus Versehen mitverfilmt wurde.

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Sonntag, 28. Juni 2026

Timecop (1994)

💥 Willkommen zum Action-Sonntag

Es wird mal wieder Zeit für so einen Film. Mit „so einem“ meine ich eine Testosteron-Orgie der 80er- und 90er-Jahre. Damals gab es dieses ewige Rennen zwischen Sly und Arnie, irgendwann kam Jean-Claude dazu und mit etwas mehr Abstand dann der Rest.

Damit es künftig nicht mehr heißt: „Es wird mal wieder Zeit für so einen Film“, wird der Sonntag nun offiziell zum Action-Sonntag erklärt. Quasi rückwirkend, denn letzte Woche lief hier ja bereits Bloodsport. Ab sofort will ich mich sonntags gezielt in der Cannon-Mülltonne suhlen, aber natürlich auch gute Klassiker und Highlights des Genres präsentieren. Ihr wollt Explosionen, Muskeln und Schweiß? Dann ist der Sonntag hier ab jetzt euer Tag.

🥊 Mein Blick aufs Genre

Mein Blickwinkel ist dabei noch recht frisch, denn ich habe erstaunlich wenig aus diesem Genre gesehen. Es war nie so ganz meine Welt. Rocky und Rambo gingen noch, Arnie hatte auch ein paar gute Streifen, aber der ganz große Zugang fehlte mir einfach. Von Jean-Claude Van Damme kenne ich, glaube ich, nur Bloodsport und Universal Soldier. Beide gut. Aber der Film heute? Timecop? Nur vom Hörensagen. Das Spagatbild kenne ich natürlich, aber gesehen habe ich den Film bisher nicht. Das holen wir jetzt nach.

🦵 Erwartungshaltung

Was ich erwarte? Nun, kein Kammerspiel. Im besten Fall einen spaßigen Actionfilm, in dem Jean-Claude ein wenig die Beine schwingt und eine beschissene Frisur hat. Also seichte, nette Unterhaltung, die ruhig ein bisschen Staub aus den 90er-Jahren tragen darf. Kann ja auch charmant sein.

⚠️ Inhalt mit Spoiler

Im Jahr 2004 ist Zeitreisen möglich, und weil die Menschheit bei neuen technischen Möglichkeiten offenbar immer zuerst fragt: „Wie kann man damit reich werden oder andere Leute betrügen?“, gibt es auch direkt eine Spezialeinheit dafür. Die Time Enforcement Commission soll verhindern, dass Kriminelle in die Vergangenheit reisen und dort die Gegenwart manipulieren.

Max Walker arbeitet für diese Einheit. Er ist ein harter, wortkarger Ermittler mit traurigem Hintergrund, denn seine Frau Melissa wurde Jahre zuvor bei einem Anschlag getötet. Walker konnte sie damals nicht retten, und natürlich hängt dieser Verlust wie ein sehr muskulöser Schatten über ihm.

Bei seinen Einsätzen merkt Walker bald, dass es nicht nur um einzelne Zeitreiseverbrechen geht. Hinter den Manipulationen steckt der ehrgeizige Senator Aaron McComb, der die Vergangenheit verändert, um seine politische Karriere und seinen finanziellen Aufstieg zu sichern. McComb will Präsident werden, und wenn man dafür ein bisschen an der Zeitlinie herumschrauben muss, dann ist das für ihn offenbar auch nur Wahlkampf mit besserer Technik.

Walker gerät dadurch selbst ins Visier. Er wird verraten, verfolgt und muss sich nicht nur mit McCombs Leuten herumschlagen, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit. Denn je tiefer er in die Sache hineingezogen wird, desto deutlicher wird, dass der Tod seiner Frau mit dieser Verschwörung verbunden ist.

Also reist Walker zurück, prügelt sich durch verschiedene Zeitpunkte und versucht, die Manipulationen rückgängig zu machen. Dabei bekommt er schließlich auch die Chance, den Angriff auf seine Frau zu verhindern. Am Ende geht es also nicht nur darum, die Zukunft zu retten, sondern auch darum, Walkers persönliches Trauma aus der Zeitlinie zu prügeln.

Kurz gesagt: Ein korrupter Politiker spielt mit der Vergangenheit, Van Damme spielt Zeitpolizei, und irgendwo dazwischen wird bewiesen, dass man Geschichte nicht ungestraft verändert. Außer natürlich, man kann sehr hoch treten.

⏳ Hintergrund

Der Film ist aus dem Jahr 1994, die Haupthandlung spielt aber im Jahr 2004, also zehn Jahre in der damaligen Zukunft. Und es ist immer wieder lustig zu sehen, wie Filme sich die Zukunft vorgestellt haben und wie diese Zukunft dann tatsächlich aussah. Aus Sicht von heute schauen wir also gleich doppelt zurück: auf 1994 und auf ein 2004, das es so nie gegeben hat.

Selbstfahrende Autos? Gibt es inzwischen in Testphasen, aber eben nicht 2004 und auch 20 Jahre später noch nicht so, wie sich das der Film vorstellt. Smarthome? Heute völlig normal, damals eher noch Zukunftsdekoration. Cybersex, wie er hier angedeutet wird? Auch das ist so eine herrlich 90er-hafte Vorstellung. Vor allem die Begründung, man habe Angst vor HIV, ist natürlich ein Kind dieser Zeit. Damals war HIV noch ein Schreckgespenst. Inzwischen ist es, sofern man behandelt wird, zu einer chronischen Krankheit geworden, mit der eine weitgehend normale Lebenserwartung möglich ist.

Genau so etwas macht bei solchen Filmen Spaß: nicht nur die Handlung, sondern auch die Zukunft, die aus der Vergangenheit herüberwinkt und dabei ein bisschen komisch aussieht.

📚 Comicvorlage und Kinozahlen

Was viele gar nicht wissen: Timecop ist eine Comicverfilmung. Die Vorlage erschien 1992 bei Dark Horse. Die Produktionskosten lagen bei etwa 28 Millionen Dollar, und die spielte der Film locker wieder ein: rund 44 Millionen in den USA und gerundet 102 Millionen weltweit. Das Ding war also ein Erfolg.

Van Damme hatte 1994 gleich zwei größere Kinoeinsätze. Und ausgerechnet Timecop, der deutlich weniger nach Markenname klingt als Street Fighter, war am Ende knapp erfolgreicher. Offenbar wollten die Leute lieber sehen, wie Jean-Claude die Zeitlinie grätscht, als wie er als Guile die Videospielwelt rettet.

Trotz des Erfolgs dauerte es fast zehn Jahre, bis eine Fortsetzung erschien. Timecop 2: Entscheidung in Berlin kam 2003 heraus, wurde aber nicht mehr fürs Kino produziert. Van Damme war auch nicht mehr dabei. Was meistens schon ein Hinweis darauf ist, dass die Zeitlinie irgendwo falsch abgebogen ist.

🧨 Fazit

Ich habe davor Prügelfilme der B-Riege gesehen. Entsprechend waren meine Erwartungen im Keller. Was ich dann aber bekommen habe, war ein netter, solider Actionfilm mit einer Handlung. Und Figuren! Aber ernsthaft: Ich vergleiche ihn nun nicht weiter mit dem Trash.

Das Ding hier ist wertig gemacht, mit guten Schauspielern, inklusive Jean-Claude Van Damme. Wir haben natürlich auch die ikonische Unterhosen-Spagatszene in der Küche, weil es letztlich eben doch JCVD ist. Wenn er nicht einmal im Film seinen Körper zur Schau stellt und seinen Hintern in die Kamera hält, dann fehlt etwas. Beides passiert hier natürlich.

Wir müssen auch nicht anfangen, über Zeitreise-Logik zu reden. Dann kriege ich Kopfschmerzen. Wir akzeptieren einfach, dass die Story so funktioniert, wie sie funktioniert, und dass alles ohne größere Komplikationen stattfinden kann. Dann funktioniert der Film wunderbar.

Der Zeitreise-Effekt ist natürlich ein wenig faul. Man reist ins Jahr 1994, also in das Jahr, in dem der Film quasi in die Kinos kam. Da hätte ich mir schon eher gewünscht, dass man sich durch verschiedene Epochen prügelt. Als am Anfang das Gold in der Vergangenheit gestohlen wurde, dachte ich: Okay, wenn er die Gegner nun durch sämtliche Vergangenheitssettings jagt, kann das ein verdammt lustiger Film werden.

Wurde es nicht. Stattdessen wurde es eher ein Politikthriller. Aber auch das hat funktioniert.

Wobei ich mich natürlich frage: Wenn die mit so einer Achterbahn in die Zukunft rasen und am Ende die Leute an einer Wand zerschellen, falls es nicht funktioniert, hätte ich einen Tipp: Baut das Ende nicht an eine Wand. Baut es offen. Dann fährt man vielleicht nur auf eine Wiese mit Hoppelhäschen.

Alles in allem ist Timecop ein spaßiger Film. Ich hatte mit einem 5-Punkte-Film gerechnet, aber das war wirklich gut. Ein klasse 90er-Streifen, den man anmachen kann, wenn man Lust auf Action hat. Und ich glaube, in einigen Jahren kann ich den durchaus wieder sehen.

Hoppla … das heißt nach meiner Wertungsskala dann ja … genau: ziemlich gute 8 Punkte.

Das habe ich nicht erwartet.


Kategorie

Wertung

Begründung

Story

⭐⭐⭐⭐☆

Zeitreise-Politthriller mit persönlichem Trauma, simpel, aber effektiv

Darsteller

⭐⭐⭐⭐☆

Van Damme funktioniert besser als erwartet, Ron Silver gibt einen brauchbaren Bösewicht

Action

⭐⭐⭐⭐☆

Solide 90er-Action mit JCVD-Pflichtspagat

Sci-Fi-Idee

⭐⭐⭐⭐☆

Zeitpolizei, Manipulation und Zukunftsblick machen Spaß, auch wenn man die Logik nicht sezieren sollte

90er-Faktor

⭐⭐⭐⭐⭐

Frisuren, Technikfantasien, Cybersex, Zukunft 2004: herrliche Zeitkapsel

Comicgefühl

⭐⭐⭐☆☆

Keine typische Superheldenware, aber als Dark-Horse-Verfilmung interessant

Wiedersehwert

⭐⭐⭐⭐☆

Genau der Film, den man in ein paar Jahren wieder gut einschalten kann

Endwertung: 8 von 10 Punkten
Ein überraschend solider 90er-Actionfilm mit Zeitreise-Idee, guter Ausstattung, Van-Damme-Körperkino und mehr Handlung, als nach dem Blödsport-Keller zu erwarten war.

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Samstag, 27. Juni 2026

Iron Man 2 (2010)

🎬 Weiter geht die Aufholjagd, um fürs kommende Kinojahr gerüstet zu sein. Besonders Iron Man 2 ist vermutlich stärker als jede andere Marvel-Verfilmung eine direkte Vorgeschichte zum Avengers-Film.

Also ran an den Speck – den Film habe ich mir erst kürzlich im Angebot auf DVD zugelegt, und natürlich habe ich ihn auch im Kino gesehen. Pflichtprogramm für einen Marvel-Zombie wie mich …

⚠️ Inhalt mit Spoiler

Tony hat mehrere Probleme.

Als erster offener Superheld der Welt hat er keine ernsthaften Gegner mehr und feiert sich selbst als Garanten des Weltfriedens. Doch das ist sein kleinstes Problem: Die Regierung will, dass Stark seine Technik herausgibt, damit das Militär sie nutzen kann. Tony bleibt stur: Er glaubt, niemand könne seine Erfindung kopieren.

💔 Schlimmer ist jedoch sein persönliches Problem: Sein künstliches Herz hält ihn am Leben, vergiftet ihn aber gleichzeitig. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Tony stirbt. Er übergibt die Leitung von Stark Industries an Pepper Potts.

⚡ Währenddessen taucht ein neuer Gegner auf: der russische Wissenschaftler Ivan Vanko, der Rache will, weil Tonys Vater Howard Stark einst seinen Vater aus dem Arc-Reaktor-Forschungsteam warf. Vankos Vater starb verarmt in Sibirien, und Ivan schwört Rache. Unter dem Namen Whiplash baut er sich einen eigenen Kampfanzug mit zwei Energiepeitschen und attackiert Tony in Monaco. Iron Man gewinnt zwar, doch sein Image ist angeschlagen.

🏭 Waffenfabrikant Justin Hammer, Tonys Konkurrent, nutzt die Gelegenheit: Er holt Whiplash aus dem Gefängnis, um ihn für sich arbeiten zu lassen. Der Russe entwickelt jedoch keine Anzüge, sondern Kampfdrohnen, die er heimlich fernsteuert. Gleichzeitig bekommt das Militär dank Rhodey, der Tonys Rüstung während einer Partyeskapade stiehlt, einen eigenen Iron-Man-Anzug. Hammer glaubt, er habe nun alles im Griff und präsentiert seine Drohnen stolz der Öffentlichkeit.

💥 Natürlich läuft alles schief: Whiplash übernimmt die Kontrolle über die Drohnen und greift an. Iron Man und War Machine müssen gemeinsam ran. Nach dem Kampf besiegen sie Whiplash ein zweites Mal. S.H.I.E.L.D., unterstützt von Black Widow, räumt auf, und Tony bekommt dank Fury sogar Hilfe bei seiner Vergiftung.

🛡️ Am Ende soll Tony künftig als Berater des Avengers-Programms fungieren.

🔨 In der Post-Credit-Szene: Ein S.H.I.E.L.D.-Agent erreicht New Mexico. Im Krater liegt ein großer Hammer.

👥 Cast

Die Besetzung bleibt weitgehend gleich:

Robert Downey Jr. als Tony Stark, Gwyneth Paltrow als Pepper Potts, Jon Favreau als Happy Hogan und Regisseur.

Neu dabei: Don Cheadle, der Terrence Howard als Rhodey ersetzt; Mickey Rourke als russischer Fiesling Whiplash; Sam Rockwell als Justin Hammer; Samuel L. Jackson als Nick Fury, nun offiziell Teil des MCU, und erstmals Scarlett Johansson als Black Widow.

🧨 Kritik

Tja … im Gegensatz zum ersten Film war Iron Man 2 für mich eine kleine Enttäuschung. Man rechnete mit vielem, aber nicht mit so viel Füllmaterial.

🎸 Schon der Einstieg: Die Musik im ersten Teil war cool und trug Szenen wie Tonys ersten Flug. Hier wirkt sie oft aufgesetzt. Paradebeispiel: Iron Man vs. War Machine auf der Party zu Another One Bites the Dust. Das ist so gewollt „cool“, dass es fast schmerzt.

🤖 Auch der Humor wirkt gezwungen. Im ersten Film waren Tonys Dialoge mit seinen tollpatschigen Robotern noch charmant, hier fühlt es sich an wie eine Wiederholung ohne Esprit.

Die Darsteller machen ihre Sache gut, können aber gegen die lahme, überladene Story wenig ausrichten. Es ist einfach zu viel auf einmal: Black Widow, S.H.I.E.L.D., Vergiftung, Regierung, War Machine, Hammer und Whiplash.

Das wirkt unausgegoren, und wieder fehlt ein wirklich gefährlicher Gegner.

🦹 Ich gebe zu: Iron Man hat nicht viele ikonische Feinde. Der Mandarin wäre naheliegend gewesen, der wurde im ersten Film sogar schon angedeutet. Aber Whiplash ist und bleibt ein B-Schurke. Bei beiden Kämpfen hat Iron Man kaum Mühe, ihn zu besiegen. Da denkt man sich: „Was, das war der große Endkampf?“

Stattdessen bekommen wir zig Szenen mit S.H.I.E.L.D. und Black Widow. Diese ganze Verbindung zum Rächer-Plot wirkt überflüssig und schadet dem Film eher, als dass sie ihm hilft.

🧠 Was ich mir gewünscht hätte

Marvel-Helden haben alle ein Grundthema:

Die X-Men handeln von Diskriminierung, Spider-Man vom kleinen Mann, Captain America von Idealen und Politik, und Iron Man sollte vom Waffenhändler handeln, der sich seiner eigenen Vergangenheit stellt.

Das steckt zwar irgendwo drin, Whiplash als Echo von Starks Fehlern, aber es geht im Chaos unter. Warum nicht einfach den Mandarin nehmen, als Terrorchef, dessen „Zehn Ringe“ keine magischen Artefakte, sondern Zellen seines Netzwerks sind? Dann hätte man B-Schurken wie Whiplash oder Whirlwind als Unterbosse einbauen können. Stattdessen wollte man zu viel und verlor den Fokus.

📚 Comic- vs. Filmfiguren

🦾 Iron Man:
Wie im ersten Film perfekt getroffen. Downey Jr. hat sichtbar Spaß und trägt den Film.

🚀 War Machine:
Don Cheadle ersetzt Terrence Howard. Weniger Charisma, aber solide. Howard war für mich die bessere Besetzung.

⚡ Whiplash:
Ein klassischer B-Schurke. Im Film aufgewertet, aber letztlich blass. Marvel brachte danach tatsächlich einen neuen Whiplash-Charakter in den Comics mit ähnlicher Backstory.

🏭 Justin Hammer:
In den Comics ein alter, manipulativer Industrieller. Im Film ist er jung, nervös und wirkt oft wie ein überforderter Idiot, was schade ist.

🕷️ Black Widow:
In den Comics ursprünglich eine russische Spionin, später Avenger-Mitglied. Im Film wird sie direkt als S.H.I.E.L.D.-Agentin eingeführt. Schade, ich hätte ihre klassische Herkunft lieber gesehen.

🏁 Fazit

Laut Disney-Timeline steht jetzt Iron Man 2 auf dem Plan, und nach dem wirklich starken ersten Teil kann man eigentlich nahtlos weitermachen. Ich hatte ihn schlechter in Erinnerung, als er ist.

Was den Film rettet, ist Robert Downey Jr. Er trägt Tony Stark mit Arroganz, Witz, Verletzlichkeit und Selbstironie durch fast jede Szene. Auch Pepper, Rhodey, Happy und Fury funktionieren grundsätzlich. Das Problem ist eher, dass der Film zu viel gleichzeitig sein will.

Tonys Vergiftung, seine Vaterprobleme, die Regierung, War Machine, Black Widow, S.H.I.E.L.D., Justin Hammer, Whiplash und die Vorbereitung auf Avengers: Das ist eine ganze Menge für einen Film, der eigentlich Tonys zweite große Charakterprüfung sein sollte. Stattdessen fühlt sich Iron Man 2 stellenweise weniger wie eine eigenständige Fortsetzung an, sondern wie ein Trailer für kommende Attraktionen.

Die Gegner helfen dabei nicht. Hammer ist unterhaltsam, aber keine echte Bedrohung. Whiplash hat eine interessante Verbindung zu Tonys Vergangenheit, wird aber zweimal erstaunlich schnell abgefertigt. Seine Drohnen wirken am Ende eher wie Deko für den großen War-Machine-Moment.

Trotzdem: Der Film ist kein Reinfall. Die Action ist solide, Downey Jr. bleibt großartig, und als Bindeglied auf dem Weg zu Avengers erfüllt er seinen Zweck. Nur nach dem starken ersten Teil ist das eben deutlich weniger als erhofft.

Unterm Strich: kein Meilenstein, kein Totalausfall, sondern grundsolide Superheldenkost.

⭐ Gesamt: 6/10

KategorieWertungBegründung
Story⭐⭐⭐☆☆Viele gute Ansätze, aber zu überladen
Darsteller⭐⭐⭐⭐☆Downey Jr. trägt den Film, Rockwell bringt Energie, Rourke bleibt blass
Action⭐⭐⭐☆☆Solide, aber nicht so frisch wie im ersten Teil
Humor⭐⭐⭐☆☆Funktioniert stellenweise, wirkt aber öfter erzwungen
MCU-Aufbau⭐⭐⭐⭐☆Wichtig für Avengers, aber genau das schwächt den Einzelfilm
Schurken⭐⭐☆☆☆Hammer unterhaltsam, Whiplash verschenkt
Wiedersehwert⭐⭐⭐☆☆Gut guckbar, aber klar schwächer als Teil 1

Endwertung: 6 von 10 Punkten
Ein brauchbarer, aber überladener MCU-Baustein. Robert Downey Jr. rettet viel, doch der Film steht zu oft mit einem Bein schon bei Avengers und vergisst dabei, selbst richtig groß zu werden.

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Freitag, 26. Juni 2026

Drei Chinesen mit dem Kontrabass (1999)

🎬 Deutsche Filme sind langweilig!

Zumindest ist das der Ruf, den sie haben – Rosamunde-Pilcher-Kitsch oder billigster Klamauk à la Otto und Bully Herbig.
Dabei vergisst man schnell, dass es auch anderes gibt – Filme, die anders, schräg, böse sind.

Ich wette, die meisten von euch haben noch nie von dem heutigen Film gehört.
3 Chinesen mit dem Kontrabass ist so ein Fall: ein echter Geheimtipp – und das, obwohl er schon 1999 im Kino lief.
Ich war damals tatsächlich im Kino – sonst wäre diese kleine Perle wohl auch an mir vorbeigegangen.


⚠️ Inhalt mit Spoiler

🪦 Freundin tot – was nun?

Paul will Architekt werden.
Er bastelt eifrig an seinen Pappmodellen, und endlich bekommen er und seine Partnerin Rike einen Auftrag.
Das muss gefeiert werden!

Seine Freundin Gabi bleibt lieber zu Hause – die Beziehung läuft ohnehin nicht mehr rund.
Während Paul mit seinen Freunden Rike und Max feiert und versehentlich Drogen nimmt, empfängt Gabi ihre Affäre.

Beim wilden Tragen zum Bett fällt der Kerl hin – Gabi knallt mit dem Kopf gegen die Kommode. Tot.

Er haut ab.
Paul wacht am nächsten Morgen mit Filmriss auf – das Modell ist kaputt, Gabi auch.

😵 Panik statt Polizei

Max kommt vorbei. Die beiden geraten in Panik.
Wenn sie die Polizei rufen, glaubt ihnen doch niemand, dass es ein Unfall war!
Also beschließen sie, die Leiche verschwinden zu lassen.

Gabi landet in einer Kommode, die sie die Treppe hinunterschleppen –
dumm nur, dass sie dabei dem Öko-Nachbarn Rüdiger begegnen.
Der will das „tolle Möbelstück“ gleich haben – wegen des Holzwurms könne man das leicht mit Brennnesselsud behandeln.

Also zurück in die Wohnung mit der Leiche.

🧊 Die Leiche im Kühlschrank

Als Rike auftaucht, um mit Paul weiterzuarbeiten, muss er sie abwimmeln.
Die Leiche wird kurzerhand in den Kühlschrank verfrachtet – mit Gewalt zugedrückt.

Rike ahnt nichts, Paul will sich stellen, aber Max hält ihn zurück:

„So entstellt wie sie jetzt ist, glaubt dir kein Mensch mehr an Unfall.“

🔪 Plan B: Zerstückeln

Also Plan B: Zerstückeln.
Mit Skalpell, Mixer und Klo – makaber, aber effizient.

Als Rike schließlich alles herausfindet, ist sie entsetzt – hilft dann aber mit.

Die Knochen landen in der Getreidemühle.
Das Knochenmehl wird in der Stadt verteilt, jeweils mit einer Rose.

Doch das Lügengebäude wächst:
Um Gabis Verschwinden zu vertuschen, färbt sich Rike die Haare und spielt Gabi beim Interview mit älteren Damen.

🚪 Natürlich fliegt alles auf

Der Liebhaber erkennt die falsche Gabi, Rüdiger hört an der Tür mit,
und ehe man sich versieht, gibt es den nächsten Unfall –
diesmal ist der Liebhaber tot.

Zum Schluss klingeln die drei Freunde bei der Nachbarin, die sich über den ständigen Mixer beschwert hat,
und schenken ihr Donuts – mit der Entschuldigung, dass sie „morgen noch mehr Mehl mahlen“ müssten...


🎼 Hintergrund und Darsteller

Der seltsame Titel erklärt sich übrigens aus der Szene, in der die drei Freunde beim Knochenmahlen das Lied „3 Chinesen mit dem Kontrabass“ singen.

Die Darsteller sind allesamt großartig:
Claudia Michelsen kannte ich kaum, Jürgen Tarrach sieht man ja öfter,
und Boris Aljinovic, der später als Zwerg in 7 Zwerge oder beim Tatort auftauchte, spielt hier den völlig überforderten Paul perfekt.

Edgar Selge als nervtötender Nachbar Rüdiger ist ein Highlight – für die Rolle bekam er den Deutschen Filmpreis.
Und Ilja Richter als schleimiger Liebhaber ist widerlich glaubwürdig.

💿 Die DVD

Die DVD-Veröffentlichung von 2006 ist ein kleines Schmuckstück:
Audiokommentar, Filmmusik, Fotogalerie, Produktionsnotizen, Storyboard-Vergleich, Interviews –
so sieht Bonusmaterial aus, wenn sich jemand wirklich Mühe gibt.


🧾 Fazit

Ein Film mit bösem, schwarzem Humor, wie man ihn in Deutschland selten sieht.
Keine platten Zoten, sondern Situationskomik in einer absurden Extremsituation.

Die Schauspieler sind großartig, die Story ist schräg,
und trotz des makabren Themas wird es nie eklig.
Man sieht weder Blut noch Zerstückelung – aber das Kopfkino arbeitet dafür umso heftiger.

Eine kleine, fiese, clevere Perle aus Deutschland.

8 von 10 Punkten.

Wer schwarzen Humor mag, sollte diesen Film unbedingt gesehen haben.

KategorieWertungBegründung
Story⭐⭐⭐⭐☆Makabere „Leiche muss weg“-Prämisse, konsequent weitergedreht
Darsteller⭐⭐⭐⭐⭐Aljinovic, Tarrach, Michelsen, Selge und Richter spielen das Absurde schön ernst
Humor⭐⭐⭐⭐⭐Schwarz, trocken, böse, aber nicht platt
Inszenierung⭐⭐⭐⭐☆Klein, konzentriert und wirkungsvoll
Ekel-Faktor⭐⭐☆☆☆Thema makaber, Umsetzung erstaunlich unblutig
Deutscher-Geheimtipp-Faktor⭐⭐⭐⭐⭐Genau die Sorte Film, die viel zu leicht übersehen wird
Wiedersehwert⭐⭐⭐⭐☆Für Freunde schwarzer Komödien sehr hoch

Endwertung: 8 von 10 Punkten
Eine böse, clevere und erstaunlich unblutige schwarze Komödie, die zeigt, dass deutsches Kino mehr kann als Klamauk, Kitsch und Sonntagsgebäck mit Fernsehfilmglasur.

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Mittwoch, 24. Juni 2026

Shallow Ground (2004)

 🩸 „Der blutige Junge ohne Hose – und ohne Sinn.“

Ja, ich weiß.
Wie oft bin ich schon bei Billig-Horrorfilmen auf die Nase gefallen? Unzählige Male.
Und doch findet immer wieder so eine Low-Budget-Produktion den Weg in meine Sammlung.
Zu meiner Ehrenrettung: Nicht jeder war schlecht!
Ich denke da an Splinter, Wolf Creek oder C2 – Die Killerinsekten. Alles Filme, die ich irgendwo aus dem Wühltisch gefischt habe – und die mich trotzdem positiv überrascht haben.
Shallow Ground, mit schickem Steel-Cover, könnte also theoretisch was taugen.
Außerdem: Jubiläum! Das hier ist der 100. Horrorfilm im Blog. Wenn das kein Zeichen ist…


⚙️ Handlung (Spoiler)

Der Ort Shallow Ground steht kurz vor der Auflösung – irgendwas wurde hier gebaut oder abgebaut, und jetzt ziehen fast alle weg.
Auch die örtliche Polizeistation wird geschlossen. Für Sheriff Jack kein schlechter Zeitpunkt, denn ein alter Fall lässt ihn ohnehin nicht los: Vor einem Jahr konnte er eine junge Frau nicht retten, die einem Serienkiller zum Opfer fiel.

Als er gerade packt, stolpert plötzlich ein blutverschmierter, nackter junger Mann aus dem Wald – mit genau dem Messer in der Hand, das beim damaligen Mord benutzt wurde. Der Typ redet nicht, also wird er auf der Wache festgesetzt.
Doch er ist… seltsam. Er blutet ständig, und sein Blut scheint sich zu bewegen.
Wer ihn berührt, erlebt die letzten Momente eines der Opfer.
Seine Fingerabdrücke passen zu mehreren vermissten Personen – und wenn man die Gesichter dieser Opfer zusammensetzt, ergibt das ausgerechnet ihn.

Natürlich entkommt der blutige Unbekannte irgendwann, weitere Menschen sterben, und schließlich stellt sich heraus: Der eigentliche Killer ist eine alte Frau. Sie tötet, weil sie den Tod ihrer Tochter nicht verkraftet hat – jenes Mädchens, das der Sheriff damals nicht retten konnte.
Am Ende taucht der blutige Junge wieder auf, bringt die Frau um und verschwindet.
Im Wald reißt ihm ein Monster das Herz heraus – vermutlich der Geist der alten Frau, die nun selbst als blutiges Etwas herumspukt.


🧠 Hintergrund

Shallow Ground stammt aus dem Jahr 2004 und wurde mit einem Budget von rund 72.000 Dollar gedreht.
Laufzeit: 97 Minuten, FSK 16.

Der größte Name im Cast ist Patty McCormack, bekannt aus Serien wie Dallas oder Die Sopranos und Filmen wie Frost/Nixon und Böse Saat.
Der Rest ist weitgehend unbekannt, aber das Schauspiel ist solide – und auch die Effekte sind für eine Low-Budget-Produktion völlig in Ordnung. Da habe ich bei teureren Filmen schon deutlich Schlimmeres gesehen.


💉 Fazit

Es gibt ehrlich gesagt nicht viel zu sagen, ohne direkt zur Wertung überzugehen.
Die Darsteller sind okay, die Effekte auch – aber die Handlung zieht sich wie Kaugummi und ist wirr ohne Ende.
Kaum Spannung, viele offene Fragen und ein Ende, das mehr verwirrt als auflöst.

Was war der blutige Junge?
Ein Geister-Konglomerat aus den Opfern?
Warum kam er?
Und was war das am Schluss für eine Kreatur?

Das offene Ende eines Horrorfilms ist ja fast Tradition – aber irgendwas sollte man schon beantworten.
Hier wird einfach nichts erklärt. Die Story plätschert vor sich hin, der rote Faden löst sich im Blut auf, und der Film schafft es nie, wirklich zu fesseln.

Mit besserem Drehbuch und etwas mehr Regiegeschick wäre das vielleicht ein akzeptabler Horrorfilm geworden.
So bleibt er leider ein konfuser Wühltisch-Schocker, der nur durch seine Optik und den halbnackten Hauptdarsteller auffällt.

3 von 10 Punkten.

KategorieWertungBegründung
Story⭐⭐☆☆☆Gute Ansätze, aber wirr erzählt und am Ende kaum aufgelöst
Darsteller⭐⭐⭐☆☆Für Low Budget solide, keine Vollkatastrophe
Effekte⭐⭐⭐☆☆Blutiger Junge und praktische Effekte sind ordentlich umgesetzt
Spannung⭐⭐☆☆☆Zu wenig Sog, zu viel Leerlauf
Horror-Idee⭐⭐⭐☆☆Opfer-Konglomerat, Erinnerungsblut und Serienkillerfall haben Potenzial
Auflösung⭐☆☆☆☆Zu viele offene Fragen, zu wenig Erklärung
Trash-/Wühltischwert⭐⭐⭐☆☆Nicht gut, aber interessant genug, um nicht völlig nutzlos zu sein

Endwertung: 3 von 10 Punkten
Ein konfuser Low-Budget-Horrorfilm mit brauchbaren Effekten und einer interessanten Grundidee, der sich aber in seiner eigenen Blutspur verläuft.

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