Okay, der zweite Film laut Disney Plus, den ich in chronologischer Reihenfolge sehen soll, ist also Captain Marvel – ein Film aus Phase 3. Er lief vor Avengers: Endgame in den Kinos und schlug wie eine Bombe ein, ein fetter Erfolg. Na, wenn Disney das sagt, folge ich als williges Zuschauerschaf eben dem Befehl und sehe den Film nun als Zweites …
Inhalt mit Spoiler
Die junge Vers lebt auf dem Planeten Hala, der Heimatwelt des außerirdischen Kree-Imperiums. Sie hat keine Erinnerungen an ihr früheres Leben, leidet unter Flashbacks eines Absturzes und trainiert unter der Aufsicht ihres Mentors Yon-Rogg, ihre übernatürlichen Kräfte zu kontrollieren. Als Teil der Spezialeinheit Starforce kämpft sie gegen die feindlichen Skrulls, Gestaltwandler, die sich überall einschleichen können.
Bei einer Mission wird Vers gefangen genommen, und während die Skrulls ihre Erinnerungen durchforsten, tauchen plötzlich Bilder einer Frau auf – Dr. Wendy Lawson – und von der Erde. Vers gelingt die Flucht und sie stürzt auf den Planeten ab – mitten in eine Mall im Jahr 1995.
Dort begegnet sie Nick Fury, damals noch einfacher Agent von S.H.I.E.L.D., und Phil Coulson. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wer sie ist und warum die Skrulls ebenfalls auf der Erde sind. Nach und nach setzt sich ihr Gedächtnis zusammen: Sie war einst Carol Danvers, eine Pilotin der US Air Force. Dr. Lawson war in Wahrheit die Kree-Wissenschaftlerin Mar-Vell, die eine Lichtgeschwindigkeitsmaschine entwickelte, um den Krieg zwischen Kree und Skrulls zu beenden.
Bei einem Testflug wurde Carol durch die Explosion des Antriebs von Energie durchflutet – die sie in eine Art lebende Batterie verwandelte. Die Kree löschten ihre Erinnerungen und nutzten sie fortan als Soldatin.
Als Carol die Wahrheit erfährt, wechselt sie die Seite. Die Skrulls sind keine Invasoren, sondern Flüchtlinge, die nur einen neuen Heimatplaneten suchen. Deren Anführer Talos offenbart ihr, dass Mar-Vell versucht hatte, ihnen zu helfen – und dass die Energiequelle, die sie suchten, der Tesserakt ist (ja, der spätere Infinity-Stein!).
Im Finale steht Carol allein gegen Yon-Rogg und die Kree-Flotte. Nachdem sie den Implantat-Blocker entfernt, der ihre Kräfte gedrosselt hat, entfesselt sie ihre volle Macht: Sie fliegt, feuert Energieblitze und zerstört ganze Raumschiffe – der Moment, in dem sie endgültig zu Captain Marvel wird.
Sie vertreibt die Kree von der Erde und lässt Yon-Rogg leben – allerdings nur, um ihn zurückzuschicken, mit der Botschaft, dass sie sich nichts mehr befehlen lässt. Anschließend hilft sie Talos und den Skrulls, ein neues Zuhause zu finden, und übergibt Nick Fury einen umgebauten Pager, mit dem er sie im Notfall rufen kann.
In der Mid-Credit-Szene sehen wir, wie Fury genau diesen Pager Jahrzehnte später aktiviert – kurz vor Avengers: Infinity War.
In der Post-Credit-Szene kratzt Furies Katze Goose (eigentlich ein außerirdischer Flerken) auf seinem Schreibtisch den Tesserakt aus ihrem Magen hervor.
🪐 Trivia zu Captain Marvel (2019)
Erste MCU-Heldin mit Solo-Film – Captain Marvel war der erste Film im MCU mit einer weiblichen Hauptfigur.
90er-Feeling pur – Blockbuster-Videotheken, Pager, Modem-Internet, „Just a Girl“ im Endkampf – Nostalgie pur.
Digital verjüngter Fury – Samuel L. Jackson wurde für jede Szene um gut 25 Jahre verjüngt.
Furys Auge – Goose, der Flerken, zerkratzt ihm das Auge – und der Mythos ist geboren.
Der Tesserakt – Der Film erklärt, wie der Raumstein in Furys Besitz gelangt.
Brie Larsons Vorbereitung – Neun Monate Training und Air-Force-Besuche inklusive Fallschirmsprüngen.
Stan Lee mit Meta-Cameo – Liest das Mallrats-Drehbuch – und Carol lächelt ihm zu.
Mar-Vell als Frau – Aus Walter Lawson wurde Wendy Lawson, um Carol eine weibliche Mentorin zu geben.
Goose = vier Katzen – Reggie, Gonzo, Archie und Rizzo spielten den Flerken.
Skrulls im MCU – Erster Auftritt der Rasse, hier erstmals als moralisch ambivalente Figuren.
Erste MCU-Regisseurin – Anna Boden führte mit Ryan Fleck gemeinsam Regie.
Larsons Endgame-Dreh – Sie filmte ihre Endgame-Szenen vor diesem Film.
Top-Gun-Vibes – Die Fliegerfreundschaft mit Maria Rambeau ist eine bewusste Hommage.
Stan-Lee-Tribut im Logo – Das Marvel-Intro zeigt nur Stan-Lee-Szenen mit „Thank you, Stan“.
Symbolischer Anzugwechsel – Carols farbige Neulackierung steht für ihre Selbstbestimmung.
Fazit
Ich hatte den Film einmal im Kino gesehen und dann gedacht: Ja … nee. Der große Wurf war das nicht. Der Film war ein Megaerfolg, weil er clever platziert war – kurz vor Endgame.
Positives:
Ich mag den Look. Der Anfang hat leichte Star Wars-Vibes, und ich liebe Marvels Space-Content. Annihilation bleibt eines meiner liebsten Comics überhaupt – Nova, Kree, Skrulls, alles mein Ding. Hier nun Kree und Skrulls auf der Leinwand zu haben – super. Brie Larson sieht als Carol gut aus, Jude Law im MCU? Warum nicht! Und dass die Skrulls nicht einfach böse sind, finde ich stark. Das eröffnet später immer noch Raum für Super-Skrulls oder Fantastic Four-Konflikte.
Aber:
Brie Larson ist charismatisch wie eine Flasche abgelaufene Senfsoße. Captain Mary Sue kann alles, weiß alles, ist immer cool. Keine Heldenreise, keine Fallhöhe – das ist, als würde Frodo den Ring bekommen, mit den Schultern zucken und direkt zum Vulkan marschieren, während er alle Gegner nebenbei verprügelt.
Die „I’m Just a Girl“-Action-Szene? Netter Song, aber zu dick aufgetragen – „Seht mal, wir haben eine Frau, und die ist total cool!“ Das ist Deadpool-Tonfall ohne Ironie.
Das 90er-Setting wirkt aufgesetzt, Nick Fury als Stichwortgeber ist nett, aber egal, die Sache mit der Katze vorhersehbar. Beziehungen zwischen den Figuren? Kaum greifbar – weder zwischen den Kree noch mit Rambeau. Vielleicht liegt’s an Larson, vielleicht am Plot, wahrscheinlich an beidem.
Und dann: Disney sagt, ich soll den Film als Zweites schauen – klappt bis zur End-Credit-Szene wunderbar, bis Cap, War Machine, Bruce Banner und Black Widow auftauchen. Wenn man das MCU chronologisch guckt, denkt man: Cap mit Bart? Wer sind die anderen? Das spoilert gnadenlos, dass hier schon Endgame-Charaktere aktiv sind.
Fazit in einem Satz: Lange Origin-Story ohne emotionale Bindung – netter Actionfilm, wenig Charakter, viel Fassade. Den kann man nebenbei schauen, aber mehr auch nicht. 4 von 10 Punkten.
📊 Bewertungsmatrix – Captain Marvel
Story ⭐⭐⭐☆☆ Die Kree/Skrull-Wendung ist interessant, aber die Origin wirkt kühl und emotional erstaunlich flach
Darsteller ⭐⭐☆☆☆ Samuel L. Jackson und Ben Mendelsohn funktionieren, Jude Law ist solide – Brie Larson bleibt für mich als Carol zu steif und distanziert
Action & Effekte ⭐⭐⭐☆☆ Optisch ordentlich, besonders im Space-Bereich, aber die Action hat selten echtes Gewicht oder Spannung
Comicgefühl ⭐⭐⭐☆☆ Kree, Skrulls, Tesserakt und kosmisches Marvel machen Spaß, aber Carol selbst bekommt zu wenig echte Fallhöhe
90er-Setting ⭐⭐⭐☆☆ Blockbuster, Pager und Musik sind nette Nostalgie, wirken aber teilweise eher wie Dekoration als echte Zeitreise
Figuren & Emotion ⭐☆☆☆☆ Die Beziehungen zu Maria, Fury und den Kree bleiben zu blass, um wirklich mitzureißen
MCU-Einordnung ⭐⭐☆☆☆ Als Baustein vor Endgame clever platziert, chronologisch aber wegen der Mid-Credit-Szene ziemlich ungeschickt
🔥 Endwertung: 4 von 10 Punkten
Ein optisch netter, kosmisch interessanter, aber emotional schwacher MCU-Film. Viel Fassade, wenig Bindung, und als zweiter Film der chronologischen Reihenfolge eine kleine Spoilerfalle.
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