Natürlich gab es schon vorher Comicverfilmungen – Batman, Das Phantom, Rocketeer, in den 70ern sogar Spider-Man.
Aber nach der Katastrophe Batman & Robin traute sich Hollywood erstmals wieder, einen Superheldenfilm ernsthaft anzugehen.
Spider-Man folgte kurz darauf und untermauerte, was die X-Men begonnen hatten.
Was dann losgetreten wurde, hätte man wohl kaum erwartet: Selbst Helden aus der zweiten oder dritten Reihe bekamen plötzlich Filme – Man-Thing, Ghost Rider, Punisher – und auch alte Hasen wie Batman oder Superman durften neu ran.
Schon mal vorneweg: Danke, X-Men!
Inhalt mit Spoiler
Rogue ist eine junge Mutantin.
Mutanten sind die nächste Stufe der Evolution – Menschen mit besonderen Kräften, mit denen die „Normalos“ allerdings ihre Probleme haben.
Rogue zum Beispiel kann bei Berührung anderen die Kräfte und Erinnerungen stehlen – zu lange, und der Betroffene stirbt.
Nachdem sie ihren Freund ins Koma geküsst hat (im wahrsten Sinne des Wortes), läuft sie von zu Hause weg.
Im Norden trifft sie auf einen bärtigen Typen, der bei illegalen Prügelspielen Geld verdient: Wolverine.
Doch ihre Reise wird unterbrochen, als Sabretooth auftaucht – ein brutaler Mutant mit tierischen Instinkten.
Gerettet werden die beiden von den X-Men:
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Cyclops, der mit seinen Augen Energiestrahlen schießt
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Storm, die das Wetter beherrschen kann
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Jean Grey, die telepathische und telekinetische Kräfte hat
Der eigentliche Anführer ist jedoch Professor Charles Xavier, der mächtigste Telepath der Welt.
Er erklärt Wolverine, dass Sabretooth zu Magneto gehört – dem Meister des Magnetismus und Erzfeind der X-Men.
Xavier träumt von friedlicher Koexistenz zwischen Menschen und Mutanten.
Magneto glaubt dagegen an den kommenden Krieg – und daran, dass seine Spezies siegen wird.
Scheinbar ist er hinter Wolverine her, doch in Wahrheit will er Rogue.
Magneto hat eine Maschine gebaut, die Menschen in Mutanten verwandeln kann, doch sie raubt ihm seine Lebensenergie.
Darum soll Rogue das Gerät bedienen – unfreiwillig natürlich – und so den Mutantenstatus der Welt auslösen.
Schauplatz des Showdowns: die Freiheitsstatue.
Hier kommt es zum Kampf zwischen den X-Men und Magnetos Truppe: Sabretooth, Mystique und Toad.
Am Ende wird Rogue gerettet, Magneto besiegt und an die Polizei übergeben – nur Mystique entkommt und tarnt sich als Politikerin.
🦸♂️ Comicumsetzung
Die X-Men waren ursprünglich gar kein großer Erfolg.
Stan Lee hatte die Idee, Helden zu schaffen, bei denen die Kräfte angeboren sind – weil er keine Lust mehr auf radioaktive Spinnen, Strahlung und andere Unfälle hatte.
Der ursprüngliche Titel sollte The Mutants lauten, wurde aber abgelehnt – also wurde daraus X-Men („X“ klang geheimnisvoller).
Die Serie lief erst mäßig, wurde eingestellt und später durch Chris Claremont wiederbelebt, der die X-Men multikulturell, emotional und politischer machte.
Die Figuren im Film spiegeln genau diese Claremont-Ära wider:
Wolverine, Storm und Rogue stammen aus seiner Zeit, während Professor X, Cyclops und Jean Grey zu den Gründungsmitgliedern zählen.
Beast und Angel fehlen hier, Iceman hat nur einen Mini-Auftritt.
Auch bei den Schurken ist es eine Mischung:
Magneto und Toad sind Klassiker, Mystique und Sabretooth kamen später hinzu – letzterer ist eigentlich eine Art böser Wolverine, was im Film aber kaum deutlich wird.
🎭 Darsteller
Ein starkes Ensemble war sicher einer der Gründe für den Erfolg:
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Patrick Stewart (Captain Picard) als Xavier – perfekt!
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Ian McKellen (Herr der Ringe) als Magneto – charismatisch und glaubwürdig.
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Hugh Jackman als Wolverine – der Überraschungshit und später das Gesicht der Reihe.
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Halle Berry als Storm – optisch fragwürdig, schauspielerisch solide.
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James Marsden (Cyclops) und Famke Janssen (Jean Grey) – solide, aber unauffällig.
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Rebecca Romijn-Stamos als Mystique – starkes Make-up, wenig Text, aber viel Präsenz.
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Tyler Mane als Sabretooth – optisch eindrucksvoll, aber schauspielerisch eine Katastrophe.
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Ray Park (Darth Maul) als Toad – kleine, aber erinnerungswürdige Rolle.
Viele der Darsteller profitierten stark vom Film.
Jackman wurde zum Star, Berry gewann wenig später als erste Schwarze den Oscar für die beste Hauptrolle, in einem anderen Film.
💿 DVD-Eastereggs
Die DVD ist voll mit kleinen Gimmicks:
Unter anderem taucht Spider-Man in einer versteckten Szene auf (als augenzwinkernde Promo für den kommenden Film).
Außerdem gibt es entfernte Szenen und Designskizzen von Charakteren wie Blob und Beast, die es nicht in den Film geschafft haben.
⚡ Fazit
Wolverine ist cool, die Effekte sind gut gealtert und die Optik fängt den Geist der Comics hervorragend ein.
Was etwas stört, sind der lahme Plot und die übertrieben simple Maschine, die Menschen in Mutanten verwandeln kann.
Sabretooth ist völlig verschenkt – aus einem Psychopathen wurde ein grunzender Wrestler.
Und Storm sieht mit ihrer weißen Plastikperücke eher nach Karneval aus als nach Göttin des Wetters.
Trotzdem: Der Film war ein wichtiger Startpunkt.
Er machte Comicverfilmungen wieder salonfähig – und ohne ihn gäbe es kein MCU, wie wir es heute kennen.
Wertung: 6 von 10 Punkten.
🧬 Bewertungsmatrix – X-Men (2000)
Story ⭐⭐☆☆☆ Simpel, vorhersehbar, am Ende mit pseudowissenschaftlichem Unsinn
Darsteller ⭐⭐⭐☆☆ Stewart & McKellen heben das Niveau, der Rest: austauschbar
Effekte ⭐⭐⭐☆☆ Okay gealtert, aber klar frühe CGI-Ära – mehr Style als Wucht
Comic-Treue ⭐⭐⭐☆☆ Figuren passen, Handlung stark vereinfacht
Schurken ⭐⭐☆☆☆ Magneto gut, Sabretooth verschenkt, Mystique Deko mit Haltung
Inszenierung ⭐⭐☆☆☆ Zu sauber, zu brav – kaum echte Energie oder Tempo
Bedeutung fürs Genre ⭐⭐⭐⭐☆ Historisch wichtig, filmisch nur Mittelmaß
Gesamt: 🎯 6 / 10 Punkten
Wichtiger Startschuss für Superheldenfilme – aber mehr Grundstein als Glanzstück.
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