Inhalt mit Spoiler
Vincents Mutter ist gestorben, und sein Vater – ein großer Politiker – steckt den erwachsenen Sohn kurzerhand in ein Heim. Denn Vincent leidet am Tourette-Syndrom. Er flucht unkontrolliert und ist gar nicht begeistert davon, hier eine Therapie machen zu müssen, die ohnehin nicht richtig helfen wird, weil die Krankheit nicht heilbar ist.
In der Anstalt lernt er Marie, eine Magersüchtige, und den Zwangsneurotiker Alexander kennen. Gemeinsam stehlen sie das Auto der behandelnden Ärztin, denn Vincent hat etwas vor: Er will die Asche seiner Mutter in Italien im Meer verstreuen. Die Asche hat er gestohlen und in einer Bonbondose bei sich.
Sein Vater und Dr. Rose, die Ärztin, nehmen die Verfolgung auf.
Während der Fahrt lernen sich Marie, Alexander und Vincent immer besser kennen – genauso wie Vincents Vater seinen Sohn, der ihm bisher immer peinlich war.
In Italien, kurz vor dem Meer, bricht Marie schließlich zusammen. Aufgrund ihrer Krankheit ist sie stark geschwächt und kommt ins Krankenhaus. Vincent, der sich in sie verliebt hat, besucht sie dort. Marie bittet ihn, sie herauszuholen, doch Vincent lehnt ab und lässt sie zurück.
Kurz darauf holen ihn Vater und Ärztin wieder ein und bringen Vincent und Alexander zurück nach Deutschland – fast. Denn Vincent will für Marie da sein, wenn sie aus dem Krankenhaus kommt. Mit dem Segen seines Vaters bleiben er und Alexander in Italien.
Ja, die Geschichte hört sich einfach an – und ist es eigentlich auch. Hier und da werden natürlich dicke Klischeenäpfe aufgestellt, in die man auch prompt hineintritt. Besonders Vincents Vater, der seinen erwachsenen Sohn erst jetzt in ein Heim steckt (warum nicht schon im Kindesalter?) und seine Meinung während der Reise komplett ändert, wirkt etwas überzogen – auch wenn Heino Ferch ein großartiges Arschloch spielen kann.
Was mir gut gefällt, ist die liebenswerte Komik des Films. Man lacht über Situationen, nie über die Krankheiten oder die Menschen. Es ist reine Situationskomik, nie verletzend. Auch das Ende ist bemerkenswert: kein überzuckertes Happy End, in dem alle Probleme gelöst sind und Vincent mit Marie in den Sonnenuntergang reitet. Beide sind noch immer krank – Marie liegt sogar allein im Krankenhaus –, aber Vincent hat in seiner Entwicklung einen großen Schritt nach vorn gemacht.
Man geht mit einem positiven Gefühl aus dem Film, und „Hey Soul Sister“ von Train, das im Finale erklingt, unterstreicht diese Stimmung perfekt.
Die Darsteller sind durchweg stark, vor allem Florian David Fitz, der seine Rolle als Tourette-Kranker großartig spielt. Interessant ist, dass Fitz nicht nur die Hauptrolle übernommen, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat. Sowohl als Schauspieler als auch als Autor glänzt er hier – für mich ist er einer der besten Darsteller, die Deutschland derzeit zu bieten hat.
Fazit:
Ein Roadmovie der etwas anderen Art. Tolle Charaktere, die man schnell ins Herz schließt, und ein ernstes Thema, über das man trotzdem lachen darf.
8 von 10 Punkten.
Ich möchte in Zukunft lieber mehr Komödien dieser Art sehen als Klamaukmist à la Schuh des Manitu.
🚗 Bewertung – Vincent will Meer (2010)
| Kategorie | ⭐ Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|
| Story & Drehbuch | 📝⭐⭐⭐⭐☆ | Warmherzig, ehrlich, mit kleinen Klischees, aber viel Gefühl |
| Darsteller | 🎭⭐⭐⭐⭐⭐ | Florian David Fitz glänzt – starkes Ensemble rundum |
| Regie & Inszenierung | 🎬⭐⭐⭐⭐☆ | Sensibel erzählt, ohne Pathos, mit Gespür für Humor |
| Humor & Emotion | 💖⭐⭐⭐⭐⭐ | Situationskomik statt Spott – berührend und charmant |
| Musik & Atmosphäre | 🎵⭐⭐⭐⭐☆ | „Hey Soul Sister“ als emotionaler Abschluss – perfekt gewählt |
| Nachhaltigkeit | 🧠⭐⭐⭐⭐☆ | Ein Film, der bleibt – menschlich, unaufgeregt, echt |
| Gesamt | 🎯 8 / 10 Punkten | Berührendes Roadmovie mit Herz, Witz und einem großartigen Florian David Fitz. Ein echtes Highlight des deutschen Kinos. |
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