Montag, 17. November 2025

Daredevil (2003)

Wir sind noch am Anfang der großen Comicwelle – und manchmal weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Fest steht: 2003 gibt es noch kein MCU. Trotzdem hatte Marvel schon vorher eine Menge Filme am Start, ohne selbst viel Kontrolle darüber zu haben. Sony brachte Spider-Man, Fox die X-Men. Und weil beides funktionierte, witterte man natürlich Morgenluft. Also schickte Fox 2003 den blinden Anwalt ins Rennen.


Inhalt (mit Spoilern)

Matt Murdock – am Tag Anwalt, in der Nacht als Daredevil unterwegs. Wenn ihm im Gerichtssaal einer durch die Lappen geht, der schuldig ist, kommt nachts der rote Teufel und sorgt selbst für Gerechtigkeit. Keiner ahnt, dass Matt hinter der Maske steckt, denn er ist blind. Nach einem Unfall in der Kindheit mit giftigen Substanzen verlor er sein Augenlicht, dafür wurden seine anderen Sinne übermenschlich geschärft. Außerdem hat er eine Art Radarsinn entwickelt.

In einem Café verliebt sich Matt in die schöne Elektra. Doch ihr Vater steckt tief im Sumpf: Der Kingpin, Verbrecherboss von New York, will ihn nicht aussteigen lassen und heuert den Killer Bullseye an – der Nachios auch prompt tötet. Elektra glaubt allerdings, Daredevil sei schuld, weil er am Tatort war, obwohl er ihren Vater eigentlich retten wollte.

Elektra, selbst ausgebildete Kämpferin, startet ihren Rachefeldzug und prügelt Daredevil fast tot, bis sie erkennt, dass Matt unter der Maske steckt. Doch da ist es schon zu spät: Bullseye will seinen Auftrag zu Ende bringen. Er tötet Elektra, Daredevil besiegt Bullseye aber im finalen Kampf. Anschließend stellt er sich Kingpin, verprügelt ihn und überlässt ihn der Polizei, nachdem Beweise aufgetaucht sind, dass Fisk tatsächlich der Kingpin ist.


Besetzung und Hintergrund

Ben Affleck (Good Will Hunting, Dogma) spielt Matt Murdock/Daredevil, Jennifer Garner (Catch Me If You Can, Elektra) Elektra. Michael Clarke Duncan (The Green Mile, Planet der Affen) ist der Kingpin – leider 2012 verstorben. Colin Farrell (Nicht auflegen!, Alexander) gibt den herrlich psychotischen Bullseye.

Foggy Nelson wird von Jon Favreau gespielt – der später Iron Man 1 & 2 inszenierte und dort Happy Hogan spielte.

Kleine Cameos: Comicautor Kevin Smith (als Pathologe) und Rapper Coolio, dessen Auftritt aber nur im Director’s Cut enthalten ist.

Der Film ist voll mit Comic-Anspielungen – viele Nebenfiguren tragen Namen großer Autoren wie Miller, Bendis oder Jack Kirby.

Es gibt zwei Versionen: die Kinofassung und den Director’s Cut, der rund 30 Minuten länger ist und den Film tatsächlich aufwertet. Vor allem die Handlung rund um Coolios Figur bringt der Story mehr Ermittlungslogik.


Fortsetzung? Daredevil 2?

2005 kam ein Elektra-Spin-off – und floppte brutal. Zusammen mit dem Debakel um Catwoman glaubte man plötzlich, weibliche Superhelden hätten kein Publikum. Das killte nicht nur Elektra, sondern auch einen möglichen Daredevil 2.

2006 sagte Michael Clarke Duncan, er würde gerne wieder den Kingpin spielen – nur ohne erneut Gewicht zuzulegen. 2008 zeigte dann Jason Statham Interesse an der Rolle des Daredevil. Passiert ist nichts. Fox verlor schließlich die Rechte, weil das Studio zu lange keinen Film produzierte – sie fielen an Marvel zurück.

Marvel drehte daraufhin keinen neuen Kinofilm, sondern setzte auf Serien. Darunter auch Daredevil, aber hier wird’s kompliziert: Diese Serien kamen nicht von Marvel Studios (Kevin Feige), sondern von Marvel Television unter Jeph Loeb. Deshalb gab es Anspielungen aufs MCU, aber keine Rück-Anbindung – kein Avenger tauchte in den Netflix-Serien auf.

Als Disney+ geplant wurde, beendete man die Netflix-Ära abrupt – sehr zum Ärger der Fans. Denn Daredevil und Jessica Jones waren qualitativ stark. Marvel merkte das wohl irgendwann: Matt Murdock durfte schließlich in einem Spider-Man-Film auftauchen, und Disney produzierte eine neue Staffel mit den bekannten Figuren aus der Netflix-Serie.


Fazit

Der Film hat gerade am Anfang deutliche Schwächen. Daredevil, der einen Vergewaltiger vor die U-Bahn wirft – geht gar nicht. Er ist hart, ja, aber kein Mörder. Der „Wassersarg“ wirkt albern, und die Spielplatz-Szene, in der Matt Elektra beeindrucken will, ist einfach peinlich.

Doch ab der Mitte fängt sich der Film. Die Story nimmt Fahrt auf, und auch wenn Bullseye leicht überdreht ist, macht der Film dann durchaus Spaß.

Ben Affleck ist nicht mein Traum-Matt-Murdock, aber als Daredevil funktioniert er. Garner, Duncan und Farrell sind solide, wenn auch etwas überzeichnet.

Die Kinofassung bekommt 6 von 10 Punkten.
Der Director’s Cut ist runder und verdient 7 von 10.

👹 Bewertungsmatrix – Daredevil (2003)

Story & Struktur  ⭐⭐⭐☆☆  Klassische Origin-Formel, solide, aber mit Leerlauf in der Mitte
Darsteller     ⭐⭐⭐☆☆  Affleck bemüht, Garner überzeugend, Farrell stiehlt allen die Show
Regie & Stil    ⭐⭐⭐☆☆  Raimi-Vibes fehlen, Johnsons Stil schwankt zwischen cool und cringe
Effekte & Action  ⭐⭐⭐☆☆  2000er-typisch: Matrix-Nachklang, CGI sichtbar, Kämpfe okay
Charaktertiefe   ⭐⭐☆☆☆  Matt wirkt kantig, aber unsauber gezeichnet – Elektra besser getroffen
Atmosphäre & Score ⭐⭐⭐⭐☆  Gothic-Noir-Feeling und Soundtrack retten viel vom Flair

Gesamt: 🎯 6 / 10 Punkten
Comicfilm der Übergangszeit: düster, ambitioniert, aber unausgewogen. Der Director’s Cut ist die Version, die man heute sehen sollte – da zeigt sich, was der Film eigentlich sein wollte.

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