🎛️ Studio Braun aus Hamburg geht bei mir immer.
Das Trio – bestehend aus Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jaques Palminger –
hab ich schon in diversen Theaterstücken, Lesungen und Filmen gesehen.
Im Blog kommen garantier auch noch Dorfpunks und Fleisch ist mein Gemüse,
da darf natürlich Fraktus als ihr wohl bekanntester Kinostreich nicht fehlen.
🎥 Inhalt mit Spoiler
Ein Fernsehteam spürt die Mitglieder der 80er-Jahre-Band Fraktus auf.
Sie gelten als Wegbereiter des Techno, als die „Begründer der elektronischen Musik“.
Ihre selbstgebauten Instrumente machten sie damals einzigartig –
bis ein Feuer bei einem Konzert alles zerstörte und die Band sich trennte.
Jahrzehnte später will man eine Dokumentation über ihr Comeback drehen.
Die drei Ex-Mitglieder leben inzwischen sehr unterschiedliche Leben:
Dickie Schubert betreibt das Internetcafé Surf & Schlürf
und lässt sich schnell für die Reunion begeistern.Bernd Wand, hypochondrischer Klangtüftler,
arbeitet im elterlichen Optikerladen und hat mit seinen Eltern (!) die erfolglose Band Fraktus II gegründet.Torsten Bage lebt auf Ibiza, produziert Stimmungsmusik
und hat auf eine Wiedervereinigung so gar keine Lust –
bis man ihm erklärt, dass er dabei am meisten Geld kassieren würde.
Fraktus kehrt also zurück – doch das Comeback wird zum Desaster.
Die Band ist eingerostet, die Auftritte peinlich, die Songs katastrophal.
Ein Konzert endet im Buh-Konzert.
Als Rettung soll Alex Christensen (Du hast den schönsten Arsch der Welt)
den alten Hit „Affe sucht Liebe“ neu auflegen – Ergebnis: Affe sucht Liebe 2.0,
ohne Dickie am Gesang, mit Plastikbeat und Musikvideo-Chaos.
Nach einem Nervenzusammenbruch (und einem Dönerspieß-Amoklauf des Managers)
entdeckt man alte Aufnahmen:
Die legendären Fraktus-Instrumente haben den Brand überlebt!
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion holen sie das alte Equipment zurück
und organisieren ein geheimes Comeback-Konzert in einem Hamburger Parkhaus.
Erst sieht es nach Flop aus –
doch dann wird der Laden voll, und Fraktus feiern tatsächlich ihr Revival.
🎹 Hintergrund
Wie schon erwähnt: Fraktus ist Studio Braun.
Das Trio wurde in den 90ern durch ihre absurden Radiotelefonstreiche bekannt,
lange bevor jeder Sender das Konzept totgesendet hat.
Inzwischen sind die drei vielseitige Künstler:
Autoren, Musiker, Schauspieler, Theatermacher.
Und mit Fraktus haben sie ihr eigenes Kultuniversum geschaffen –
halb Satire, halb Realität.
Nach dem Film folgten echte Fraktus-Konzerte,
ein Theaterstück über die Bandgeschichte
und sogar ein Auftritt in der Serie „Mord mit Aussicht“,
in der ihr Roadie ermordet wird –
eine Episode, die wiederum vom Fraktus-Regisseur Lars Jessen inszeniert wurde.
Ein perfekter Kreis.
🎛️ Stil & Humor
Fraktus ist keine Dokumentation,
sondern eine perfekt inszenierte Fake-Doku –
im Stil von Stromberg oder Spinal Tap,
aber mit typisch norddeutschem Studio-Braun-Humor:
bissig, trocken, absurd.
Besonders großartig sind die Cameos:
Alex Christensen, Marusha, Jan Delay, Stephan Remmler, Daft Punk,
H.P. Baxter – und das sind nur die auffälligsten.
Der Humor ist speziell, keine Schenkelklopfer-Komödie,
sondern lebt von Situationskomik, Fremdscham und Understatement.
Wer mit den 80ern, NDW und der Techno-Ära aufgewachsen ist,
wird jede Pointe doppelt genießen können.
💭 Fazit
Fraktus ist ein Liebesbrief an den deutschen Pop-Wahnsinn
– und gleichzeitig eine grandiose Parodie auf Musikdokus,
Egos, Eitelkeiten und die Gier nach Relevanz.
Nicht jeder wird den Humor mögen,
aber wer Studio Braun versteht, wird sich köstlich amüsieren.
Ich hatte jedenfalls großen Spaß –
und vergebe 8 von 10 Punkten.
Vielleicht kommt ja doch irgendwann Affe sucht Liebe 3.0 … 🎶
📊 Bewertungsmatrix – Fraktus (2012)
Story ⭐⭐⭐⭐☆ Clever erzählte Fake-Doku, herrlich absurd
Darsteller ⭐⭐⭐⭐⭐ Studio Braun in Hochform, Cameos on point
Humor ⭐⭐⭐⭐☆ Trockener, norddeutscher Irrsinn vom Feinsten
Atmosphäre ⭐⭐⭐⭐☆ Perfekte Mischung aus 80er-Irrwitz & Musikdoku
Musik & Gags ⭐⭐⭐⭐☆ Trashig, eingängig, ironisch – Fraktus eben
Gesamt: 🎯 8/10 Punkten – Satire, Nostalgie und Kultstatus in einem.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen