Am Anfang war der Plan, jedes Jahr einen Harry Potter-Film zur Weihnachtszeit in die Kinos zu bringen. Nach Harry Potter und der Stein der Weisen schaffte man es tatsächlich, den zweiten Teil – Die Kammer des Schreckens – rechtzeitig fertigzustellen. Das Team hinter und vor der Kamera blieb weitestgehend dasselbe. Chris Columbus inszenierte also auch Teil 2 um den berühmtesten Zauberlehrling der Welt.
🧙♂️ SPOILERALARM
Die drei Freunde haben wieder alle Hände voll zu tun...
Harry sitzt im Haus der Dursleys fest, der Sommer ist fast vorbei, und er hat nicht einen einzigen Brief seiner Freunde bekommen. Schuld ist Dobby, der Harry daran hindern möchte, nach Hogwarts zurückzukehren. Doch Ron und seine Brüder helfen ihm – mit einem fliegenden Auto.
In der Winkelgasse kaufen sie neue Schulbücher für das kommende Schuljahr und treffen dort Draco Malfoy und seinen Vater Lucius. Auch der neue Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste ist im Buchladen und signiert sein neues Werk: Gilderoy Lockhart, ein angesehener Zauberer, Abenteurer und Buchautor. Er schenkt Harry gleich sein Gesamtwerk und lässt sich mit ihm für den Tagespropheten, die Zaubererzeitung, ablichten.
Ron und Harry verpassen den Hogwarts-Express und fliegen kurzerhand mit dem Auto zur Schule, was ihnen einige Schwierigkeiten einbringt. Letztlich dürfen sie aber bleiben. Doch an der Schule geschehen merkwürdige Dinge: Mrs. Norris, die Katze des Hausmeisters Filch, wird versteinert, und an der Wand kündigt eine Botschaft an, dass der Erbe Slytherins die Kammer des Schreckens geöffnet habe.
Auch mit Harry geschehen seltsame Dinge – er kann mit Schlangen sprechen und gerät bald selbst in Verdacht. Ron, Hermine und Harry vermuten allerdings Malfoy als Täter. Durch einen Trick finden sie heraus, dass er es nicht ist und selbst nichts weiß. Als ein weiterer Mitschüler versteinert wird und schließlich sogar Hermine, verdichtet sich das Rätsel.
Harry findet schließlich das Tagebuch von Tom Riddle. Darin sind Hinweise darauf, dass Hagrid die Kammer schon einmal geöffnet haben soll und eines seiner Monster schuld gewesen sei. Damals sei bereits eine Schülerin gestorben. Kann das stimmen? Was weiß Hagrid?
Die Kinder kommen zu spät – Hagrid wird gerade festgenommen, gibt ihnen aber noch einen Hinweis, der sie in den Verbotenen Wald führt. Dort haust Aragog, eine Riesenspinne, die Harry erzählt, sie sei nicht das Monster von damals und Hagrid sei unschuldig. Nur knapp entkommen Ron und Harry den Spinnen, die alles andere als freundlich sind.
Schließlich wird Ginny Weasley, Rons kleine Schwester, vermisst. Gilderoy Lockhart soll sie retten – immerhin hat er in den letzten Tagen großspurig behauptet, zu wissen, wo die Kammer sei. Die Lehrer fordern ihn nun auf, Wort zu halten. Harry und Ron wollen ihm alles sagen, was sie wissen, damit er Ginny retten kann. Sie vermuten, dass ein Basilisk in der Kammer lebt, der Menschen tötet oder versteinert.
Lockhart jedoch will sich aus dem Staub machen – er ist kein Held, sondern ein Blender. Alle Abenteuer, die er beschrieben hat, haben andere erlebt. Er kann lediglich gut Vergessenszauber sprechen. Als er versucht, Harry und Ron zu verzaubern, überwältigen sie ihn und nehmen ihn mit.
Sie finden schließlich den Eingang zur Kammer. Lockhart versucht erneut, sie mit einem Vergessenszauber zu täuschen, trifft aber sich selbst und bringt die Decke des Gewölbes zum Einsturz. Ron und Harry werden getrennt, und Harry muss allein weiter.
Er findet Ginny, die das Tagebuch von Riddle besitzt – es wurde ihm gestohlen. Tom Riddle erscheint als lebendige Erinnerung aus dem Tagebuch und offenbart, dass er Ginny beeinflusst hat. Sie hat die Nachrichten geschrieben, und jetzt, wo der Basilisk seine Opfer gefunden hat, will Riddle Wirklichkeit werden. Außerdem erfährt Harry, dass Riddle später als Lord Voldemort bekannt werden wird.
Riddle ruft den Basilisken, doch Harry bekommt Hilfe von Fawkes, dem Phönix von Dumbledore. Fawkes blendet die Riesenschlange und zerstört ihre Augen, wodurch der Basilisk seinen tödlichen Blick verliert – gefährlich bleibt er trotzdem. Harry gelingt es schließlich, das Untier zu töten und mit einem Basiliskenzahn das Tagebuch zu zerstören, womit auch Riddles Abbild vernichtet wird.
Den versteinerten Schülern kann geholfen werden, und auch wenn man es nicht beweisen kann, wird klar, dass Lucius Malfoy Ginny in der Winkelgasse das Tagebuch zugespielt hat. Harry befreit am Ende noch Dobby, den Hauself der Malfoys, der ihm die ganze Zeit helfen wollte.
Happy End – jedenfalls bis zum nächsten Teil: Der Gefangene von Askaban.
💰 GELD! GELD! GELD!
Auch dieser Film war erfolgreich, aber im Vergleich zum ersten Teil sprachen die Zuschauerzahlen eine deutliche Sprache. Beim ersten Film war es einfach so, dass die Bücher einen enormen Hype ausgelöst hatten, der Film die Erwartungen jedoch nicht oder nur teilweise erfüllte. Meine lange Kritik zu Teil 1 spricht da ja Bände. So war klar, dass Teil 2 weniger Besucher haben würde – wer Teil 1 unerträglich fand, würde kaum Geld für den zweiten ausgeben.
Tatsächlich weist der Film die gleichen Schwächen auf wie sein Vorgänger: Alles ist kunterbunt, und viele Effekte wirken unecht. Es gibt jedoch erste Verbesserungen – „größtenteils unecht“ heißt schließlich nicht „alles in die Hose gegangen“. Der Hauself Dobby sieht aus, als käme er direkt aus einem Disneyfilm, die Kobolde im Unterricht wirken extrem künstlich, und der Phönix Fawkes sieht so dämlich aus, dass man schreien möchte. Der Basilisk hingegen ist gut gelungen – das ist doch schon mal was!
Auch die Leistungen der Kinder sind deutlich besser als im ersten Teil. Einzig Rupert Grint (Ron) beschränkt sich darauf, Grimassen zu ziehen, die wohl lustig sein sollen, mir aber einfach nur auf den Sack gehen. Hermine, die beim Stein der Weisen noch richtig mies war, konnte mich diesmal viel mehr überzeugen.
Der Film wirkt insgesamt dunkler und nicht mehr ganz so albern-kindlich wie Teil 1. Ich kam etwas zufriedener aus dem Kino, hoffte aber auf noch mehr Steigerung bei den kommenden Verfilmungen.
🎬 Gilderoy Lockhart und die Schere
Teil 1 war ein Kinderfilm, bei Teil 2 hatte man nun das Problem, dass einer Riesenschlange die Augen herausgerissen wurden und diese Menschen fressen wollte. Der Film bekam daher eine Freigabe ab 12 Jahren – außer in Deutschland!
Hier dachte man beim Verleih offenbar ans Eintrittsgeld der Kleinen und schwang kurzerhand die Schere. Das Ergebnis: ein in Deutschland vier Minuten kürzerer Film. Lange Zeit gab es auch nur diese Fassung zu kaufen, während man in der Schweiz die ungeschnittene deutsche Version bekam. Erst auf Blu-ray erschien sie auch hierzulande – für mich zu spät, da ich für den Film nicht noch einmal Geld ausgeben werde.
Im Free-TV lief abends auf ProSieben die ungeschnittene Fassung, während morgens in der Wiederholung wieder die gekürzte gezeigt wurde.
📖 Unterschiede zwischen Film und Buch
Neben vielen Kleinigkeiten, die geändert wurden, musste vor allem Gilderoy Lockhart viele seiner Angeberszenen einbüßen. Beim Vielsafttrank fehlen einige Momente – etwa der Diebstahl der Zutaten bei Snape. Viele Hinweise auf Ginny Weasley als Täterin wurden gestrichen, und auch die Geister kommen diesmal noch schlechter weg. Die Todesfeier des Fast Kopflosen Nicks wurde gestrichen, und Peeves schaffte es erneut nicht, durch den Film zu spuken.
Der Kampf mit dem Basilisken wurde natürlich dramatisiert, am schlimmsten ist aber die Änderung am Schluss: Lucius Malfoy will hier einen Todesfluch auf Harry sprechen, wird aber von Dobby gehindert. Im Buch tat er das nicht – wäre ja auch reichlich unüberlegt, Harry Potter direkt vor Dumbledores Büro in Hogwarts zu töten.
🧨 Fazit
6 von 10 Punkten. Noch immer kein großer Wurf in Sachen Potter, aber besser als Teil 1.
Und ein kleiner Tipp: Dranbleiben – nach dem Abspann kommt noch eine kurze Szene. 😉
🧙♂️ Bewertung – Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002)
| Kategorie | ⭐ Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|
| Story & Drehbuch | 📖⭐⭐⭐☆☆ | Solide Adaption, aber zu viel Leerlauf und bekannte Formel |
| Darsteller | 🎭⭐⭐⭐☆☆ | Kinder verbessert, Nebenrollen retten viel |
| Effekte & Ausstattung | 💫⭐⭐⭐☆☆ | Basilisk stark, Rest zwischen Playstation 2 und Disney-Kitsch |
| Atmosphäre & Ton | 🌌⭐⭐⭐☆☆ | Etwas dunkler, aber immer noch zu kindlich und glatt |
| Regie & Schnitt | 🎬⭐⭐☆☆☆ | Columbus sicher, aber ohne Magie – Dienst nach Vorschrift |
| Musik & Emotion | 🎵⭐⭐⭐☆☆ | Williams bleibt das Highlight, hebt aber nicht alles |
| Gesamt | 🎯 6 / 10 Punkten | Mehr Substanz als Teil 1, aber noch kein Zauberfilm – nett, nicht magisch. |
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