Donnerstag, 27. November 2025

Natural Born Killers (1994)

 🔫Diesen Film habe ich das erste Mal irgendwann in der Schule gesehen – in einer Freistunde oder so.

Wir hatten damals eine recht bunte Auswahl: Natural Born Killers, Menace II Society und Braindead.
Nach letzterem wurde uns allerdings untersagt, weiterhin Filme selbst auszuwählen – danach gab’s Star Trek.

Der Film ist diesmal ein klassischer Wühltischkauf für 3 Euro.
Da ich ihn schon mal gesehen hatte, wollte ich ihn unbedingt noch einmal schauen –
ich hatte ihn kaum noch in Erinnerung.


⚠️ Inhalt mit Spoiler

Mickey und Mallory Knox sind ein berüchtigtes Verbrecherpaar, das mordend durch die USA zieht.
Kennengelernt haben sie sich, als Mickey Fleisch an Mallorys Elternhaus lieferte.
Nachdem Mallorys Vater sie missbrauchte und ihre Mutter wegschaut, bringen beide die Eltern um.

Auf ihrer Tour töten sie 52 Menschen, bevor sie geschnappt und ins Gefängnis gesteckt werden.

Hier wird der Reporter Wayne Gale auf sie aufmerksam,
der ein Live-Interview mit Mickey plant – direkt nach dem Superbowl.
Das Interview findet tatsächlich statt, und Mickeys Aussagen („Ich bin eine neue Spezies“)
lösen im überfüllten Knast eine Revolte aus.

Mickey erschießt sich den Weg frei, befreit Mallory – und gemeinsam fliehen sie.
Gale bleibt mit der Kamera dabei – bis er ebenfalls erschossen wird.
Am Ende sieht man Mickey und Mallory glücklich im Wohnmobil durch Amerika fahren – mit Kindern im Gepäck.

Ein alternatives Ende zeigt, wie die beiden von einem Mithäftling erschossen werden.


🎬 Hintergrund

Das erste Drehbuch stammt von Quentin Tarantino, der den Film ursprünglich selbst drehen wollte.
Wegen Finanzierungsschwierigkeiten wandte er sich dann aber Reservoir Dogs zu.
Nachdem dieser ein Erfolg wurde, wollte das Studio Natural Born Killers realisieren –
Tarantino lehnte jedoch ab, da die Rechte bereits verkauft waren.

Oliver Stone übernahm das Projekt, schrieb das Drehbuch stark um,
behielt aber die Grundidee bei.
Tarantino war anfangs alles andere als begeistert und wollte nicht im Abspann genannt werden,
hat inzwischen aber offenbar seinen Frieden mit dem Film gemacht.

Der Film sorgte für massenhaft Kontroversen:
Viele warfen ihm Gewaltverherrlichung vor,
Stone verteidigte ihn als Medienkritik
ein Kommentar auf die Sensationsgier, die aus Tätern Stars macht.

Im Film werden reale Fälle wie O. J. Simpson, Tonya Harding
oder die Menendez-Brüder referenziert,
allesamt Menschen, die in den 90ern durch Verbrechen zu Medienstars wurden.

Tragisch: Der Film inspirierte tatsächlich mehrere reale Täter,
die ihre Taten mit Natural Born Killers in Verbindung brachten.
Autor John Grisham verklagte Oliver Stone,
nachdem ein Bekannter von ihm ermordet wurde –
angeblich von zwei Jugendlichen, die direkt aus dem Kino kamen.
Die Klage wurde jedoch abgewiesen.


🎭 Darsteller

  • Woody Harrelson (Cheers, Zombieland, Die Tribute von Panem) als Mickey –
    vorbei die Zeiten des trotteligen Barkeepers.

  • Juliette Lewis (From Dusk Till Dawn, Stichtag) als Mallory.

  • Robert Downey Jr. (Iron Man, Sherlock Holmes) als sensationsgeiler Reporter Wayne Gale.

  • Tommy Lee Jones (Auf der Flucht, Batman Forever) als sadistischer Gefängnisdirektor.

  • Adrien Brody (Der Pianist, King Kong) in einer frühen Minirolle als Assistent.


💭 Fazit

Die Darsteller waren mir stellenweise etwas zu überdreht und dadurch unglaubwürdig.
Nicht Harrelson oder Lewis – die funktionieren –
aber Tommy Lee Jones übertreibt hier völlig.
Wenn der schlecht drauf ist, liefert er auch gerne Mist ab –
siehe Batman Forever.
Und Robert Downey Jr. als Reporter fand ich ebenfalls anstrengend.

Die erste Hälfte des Films zieht sich,
die Handlung wirkt zäh und chaotisch.
Auch der teils surreale Stil mit Comic- und Sitcom-Einschüben hilft da nicht.

Erst in der zweiten Hälfte –
wenn die Medienkritik so richtig in den Vordergrund rückt –
wird der Film stärker.
Leider für mich zu spät, um ihn wirklich hoch zu bewerten.

🎯 6 von 10 Punkten.
Interessante Idee, starke Symbolik –
aber zu hektisch, zu gewollt, zu laut.
Ein Film, der provoziert – und das bewusst.

📊 Bewertungsmatrix – Natural Born Killers (1994)

Story    ⭐⭐⭐☆☆  Brutal, chaotisch, starke Grundidee – holprige Ausführung
Darsteller  ⭐⭐⭐☆☆  Harrelson & Lewis stark, Jones & Downey Jr. teils überdreht
Stil & Inszenierung ⭐⭐⭐☆☆  Experimentell & wild, aber oft zu hektisch
Atmosphäre  ⭐⭐⭐☆☆  Düsterer Mediensatire-Ton, gelegentlich selbst parodistisch
Medienkritik ⭐⭐⭐⭐☆  Treffsicher, bissig – aber etwas plakativ
Unterhaltungswert ⭐⭐☆☆☆  Zäh am Anfang, stärker im letzten Drittel

Gesamt: 🎯 6/10 Punkten – provokantes Stilgewitter mit guten Momenten, aber nicht durchgängig überzeugend.

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