Samstag, 11. Juli 2026

Thor (2011)

Der MCU-Samstag läuft natürlich weiter. Ja, mir selbst geht es inzwischen beinahe etwas zu langsam voran, denn wir sind gerade erst bei Thor angekommen. Aber ich möchte eben auch die Fox-Schiene bei den Comicverfilmungen weiter ausbauen. Mit DC haben wir noch nicht einmal ansatzweise begonnen, und dann gibt es am Comic-Montag noch unzählige andere Verfilmungen, auf die sich ein Blick lohnen würde.

Nun drei Tage pro Woche Comicfilme zu bringen, nur um das MCU möglichst schnell durchzuknüppeln, wäre mir allerdings zu eintönig. Also gehen wir weiterhin in kleinen Schritten voran. Und hey, immerhin sind wir bereits bei Thor angekommen, dem letzten Film vor dem ersten großen Knall.

Als der Film damals angekündigt wurde, waren viele Zuschauer skeptisch. Ich hingegen mochte Thor inzwischen bereits. Als ich mit dem Comiclesen anfing, hatte ich mit der Figur zunächst ebenfalls meine Schwierigkeiten, bis ich merkte: Im Grunde ist das ziemlich unterhaltsame Fantasy, die sich gelegentlich auch auf die Erde verirrt.

Die ersten Promobilder des Films überzeugten mich allerdings nicht. Thors Kostüm wirkte darauf sehr künstlich, beinahe wie frisch aus der Verpackung gezogen. In bewegten Bildern sah das Ganze dann zum Glück deutlich besser aus.

Aber dazu später mehr im Fazit. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Handlung.


Inhalt mit Spoiler

Odin führte Krieg gegen die Eisriesen in Jotunheim und besiegte die fiesen Riesen (das reimt sich gaaahl!). Er tötete den Anführer, nahm dessen Baby mit – da dieser sonst in den Kriegswirren gestorben wäre – und nahm außerdem die Artefakte der Eisriesen. Diese waren nun machtlos, und Frieden kehrte ein in die neun Welten.

Odins Söhne wuchsen heran und buhlen um seine Gunst, denn einer von ihnen soll einmal König von Asgard werden: Loki oder Thor. Die Entscheidung fällt schließlich auf Thor. Doch während der feierlichen Zeremonie brechen drei Eisriesen in die Waffenkammer Asgards ein, um die Artefakte zu stehlen. Sie werden vom Destroyer aufgehalten, einer mächtigen Rüstung, die die Kammer bewacht.

Thor will nach dem Angriff Rache nehmen, doch Odin verbietet es – er will keinen neuen Krieg. Thor hält das für falsch und reist mit Loki, Lady Sif und den tapferen Drei – Volstagg, Hogun und Fandral – nach Jotunheim, um herauszufinden, wie die Riesen überhaupt nach Asgard gelangen konnten. Es stellt sich heraus, dass jemand Asgard verraten hat. Es kommt zum Kampf, die Riesen erklären den Krieg, und Odin muss schließlich eingreifen, um Thor und seine Freunde zu retten.

Doch Odin ist wütend: Thor hat Krieg und Tod über Asgard gebracht und zeigt keine Einsicht. Zur Strafe verbannt Odin ihn nach Midgard – also auf die Erde – und nimmt ihm seine göttlichen Kräfte.

Thor landet auf der Erde, wird von Jane Foster gefunden, und sein Hammer Mjölnir wird in der Wüste entdeckt – von SHIELD, einer Art Super-FBI. Niemand kann ihn bewegen.
Währenddessen fällt Odin in den Odinschlaf. Loki wird neuer König von Asgard und schließt mit den Eisriesen einen Handel: Sie sollen Odin im Schlaf töten, im Gegenzug bekommen sie ihre Artefakte zurück. Loki will so seine Macht sichern und Thor in der Verbannung halten.

Thors Mutter verrät ihm jedoch, dass Odin nie etwas ohne Hintergedanken tut – Thor hat also eine Chance, zurückzukehren. Loki will das verhindern und schickt den Destroyer zur Erde, um Thor zu töten.
Die tapferen Drei und Lady Sif machen sich ebenfalls auf den Weg, um Thor zurückzuholen. Kurz nach ihnen trifft der Destroyer ein. Thor, der sich inzwischen in Jane verliebt hat und als Mensch Demut gelernt hat, opfert sich für seine Freunde. Diese Tat beweist, dass er gereift ist – sein Hammer kehrt zu ihm zurück. Thor wird wieder zum Donnergott und zerstört den Destroyer.

Zurück in Asgard stellt er sich Loki, der Odin letztlich zwar vor den Riesen beschützt, aber Jotunheim komplett vernichten will. Thor verhindert das, indem er im finalen Kampf die Regenbogenbrücke zerstört, sodass niemand mehr nach Asgard gelangen kann. Loki stürzt in die Leere und scheint zu sterben, Odin erwacht wieder, alles ist also wieder im Lot.

In der Post-Credit-Szene sehen wir Nick Fury (bekannt aus Iron Man 2), der einem Wissenschaftler ein mächtiges Artefakt zeigt – einen kosmischen Würfel mit enormer Energie. Loki ist unsichtbar anwesend und beeinflusst den Wissenschaftler mit seiner Magie, ohne dass Fury es merkt.


Besetzung und Fehlbesetzung

Fangen wir mit den Darstellern an: Der Thorschauspieler sagte mir zunächst nichts, machte seine Rolle aber gut. Die weibliche Hauptrolle spielt Natalie Portman als Jane Foster, außerdem sehen wir Anthony Hopkins als Odin, Rene Russo und natürlich Samuel L. Jackson, der einen kleinen Auftritt hat.

An der Besetzung gibt es fast nichts zu meckern. Fast. Denn bei Heimdall stolpere ich bis heute ein wenig über die Besetzung mit Idris Elba.

Dabei liegt es ausdrücklich nicht an Elba selbst. Ich fand beispielsweise Michael Clarke Duncan als Kingpin in Daredevil großartig, und auch als Man-At-Arms in Masters of the Universe hat Elba hervorragend funktioniert. Dort war mir vollkommen gleichgültig, welche Hautfarbe Duncan hat. Bei Heimdall empfinde ich die Änderung allerdings stärker, weil die Figur sowohl aus der nordischen Mythologie stammt als auch in den Marvel-Comics traditionell anders dargestellt wurde.

Hogun ist im Comic hingegen bereits asiatisch angelegt, weshalb seine Besetzung für mich überhaupt keinen Bruch darstellt. Bei Heimdall hatte ich dagegen zunächst den Eindruck, dass man einer bestehenden Nebenfigur nachträglich mehr Diversität verleihen wollte. Natürlich kann man dagegenhalten, dass wir hier von Fantasy sprechen. Asgard muss keine historisch korrekte Rekonstruktion Skandinaviens sein, und die Bewohner Asgards sind innerhalb des MCU ohnehin keine gewöhnlichen Menschen.

Hinzu kommt eine Marvel-Idee, die mir immer besonders gefallen hat: Die Asen sind keine klassischen Götter, sondern mächtige Wesen, die von den Menschen als Götter verehrt wurden. Ihre Legenden und Erscheinungsbilder wurden dadurch geprägt, was die Menschen in ihnen sahen und über sie erzählten. Geht man von diesem Hintergrund aus, wirkt ein Heimdall, der deutlich von seiner traditionellen Darstellung abweicht, für mich zumindest etwas weniger stimmig.

Gleichzeitig ist mir bewusst, dass viele dieser Comicfiguren in einer Zeit geschaffen wurden, in der Vielfalt kaum mitgedacht wurde. Sichtbarkeit ist wichtig, und man kann nicht für immer jede Besetzung damit verteidigen, dass eine Figur vor Jahrzehnten nun einmal weiß gezeichnet wurde. Trotzdem erscheint mir das bloße Verändern einer Nebenfigur manchmal wie die bequemste Lösung.

Gerade bei Thor hätte man genügend andere Möglichkeiten gehabt. Jane Foster, Darcy oder Erik Selvig sind im Film allesamt weiß besetzt, obwohl ihre Figuren nicht aus der nordischen Mythologie stammen und problemlos anders hätten gestaltet werden können. Dort hätte eine vielfältigere Besetzung für mich sogar natürlicher gewirkt, weil man keine etablierte Comicfigur hätte verändern müssen.

Letztlich bleibt das allerdings Meckern auf hohem Niveau. Idris Elba gibt einen stattlichen, würdevollen Heimdall ab und besitzt genug Präsenz, um selbst mit vergleichsweise wenig Leinwandzeit nicht in der Masse der Asen unterzugehen. Die Besetzung mag für mich auf dem Papier nicht ideal wirken, aber Elba selbst ist ganz sicher nicht das Problem.

Gefehlt haben mir Tyr und vor allem Balder, der dritte Sohn Odins, der hier nicht einmal erwähnt wird.

Dann gibt es noch den Hawkeye-Auftritt – Minirolle, kaum erkennbar. Er steht einmal da, zielt mit dem Bogen, schießt aber nicht. War wohl nur ein Teaser auf den nächsten Film.


Ausstattung & Effekte

Die Effekte sind insgesamt gut. Die Eisriesen sehen überzeugend aus, Jotunheim wirkt allerdings stellenweise etwas unecht. Auch die Rüstungen sehen – besonders außerhalb Asgards – manchmal nach Plastikspielzeug aus. Beim Herr der Ringe wirkte alles gebraucht, hier blinkt und blitzt alles, fast zu steril.

Der Destroyer dagegen ist klasse umgesetzt – genau wie im Comic. Keine Beschwerden.


Story

Sehr gradlinig erzählt. Man erkennt zwar nicht sofort, was Loki plant – das ist gut gemacht – aber eine echte Bedrohung für Thor gibt es nicht. Sobald er seinen Hammer zurückhat, haut er 100 Eisriesen auf einmal um, schlägt dreimal zu und der Destroyer ist Geschichte. Auch Loki oder die Regenbogenbrücke zerstört er mühelos – das ging mir alles etwas zu leicht.

Positiv: Der Humor. Er ergibt sich organisch aus der Handlung – Thors göttliche Arroganz in einer irdischen Welt sorgt automatisch für Situationskomik.


Stan Lee?

Klar! Der Erfinder der meisten Marvel-Figuren ist auch kurz zu sehen – diesmal versucht er, den Hammer mit einem Pickup zu bewegen. Spoiler: klappt nicht.


Fazit

Erstmal der Cast: Chris Hemsworth als Thor und Tom Hiddleston als Loki – großartig. Besonders Hiddleston überzeugt: Hass, Abscheu, Enttäuschung – alles glaubwürdig. Seine Motivation (Neid, Eifersucht, Selbstzweifel) wirkt nachvollziehbar und verleiht Tiefe.

Rene Russo und Anthony Hopkins als Freya und Odin sind ebenfalls stark, Natalie Portman gewohnt solide. Idris Elba macht eine gute Figur – auch wenn ich mit der Besetzung weiterhin hadere.

Was ich besonders mag: Obwohl es auch hier CGI-Schlachten gibt, wirken sie angemessen. Asgard darf anders aussehen. Auf der Erde gibt’s nur den Kampf mit dem Destroyer – und der ist gelungen.

Minuspunkte gibt’s für einige Kostüme: Volstagg und Fandral sehen ein wenig nach Karneval aus, Heimdalls Helm wirkt wie Plastik. Alles wirkt brandneu, nie getragen. Ich weiß, es soll das „goldene Asgard“ zeigen, aber dadurch verliert es etwas Authentizität. Und bitte: Diese furchtbare Blondierung von Hemsworth – Bart und Augenbrauen! Die Haare gehen ja noch, aber das sieht einfach künstlich aus.

Davon abgesehen: Ich liebe, dass wir Asgard und Jotunheim sehen. Das ist Thor. Ein Götter-/Fantasyabenteuer im Superheldengewand.
Genau das machten die frühen MCU-Filme so stark: Iron Man = Technik, Cap = Thriller-Vibe, Hulk = Monsterfilm, Thor = Fantasy. Unterschiedliche Ansätze, eigene Looks, eigene Handschrift – kein Einheitsbrei.

Und ja, wir haben hier den ersten echten Marvel-Humor. Aber er funktioniert, weil er aus der Situation entsteht – nicht aus Gags, die alles bremsen.

Ich mochte Thor in den Comics früher gar nicht, fand ihn albern. Inzwischen schätze ich die Figur – und dieser Film bringt alles mit, was ich an den Comics mag: Herz, Mythologie und ein bisschen Pathos. Man merkt, dass sich hier Mühe gegeben wurde und die Schauspieler wirklich Spaß hatten.

Diese frühen Filme haben das MCU zu dem gemacht, was es heute ist. 7/10

KategorieWertungBegründung
Story⭐⭐⭐☆☆Gradlinige Heldenreise mit klarer Läuterung, aber wenig echte Gefahr
Thor⭐⭐⭐⭐☆Hemsworth trägt die Mischung aus Arroganz, Charme und Pathos gut
Loki⭐⭐⭐⭐⭐Hiddleston ist der emotionale Motor des Films
Asgard/Jotunheim⭐⭐⭐⭐☆Wichtig für den Fantasy-Ton, auch wenn manches künstlich wirkt
Erde-Humor⭐⭐⭐⭐☆Funktioniert, weil er aus Thors Fremdheit entsteht
Effekte⭐⭐⭐☆☆Destroyer stark, Jotunheim okay, Kostüme teils plastikhaft
MCU-Aufbau⭐⭐⭐⭐☆Hawkeye, SHIELD, Tesserakt, Loki: klarer Weg Richtung Avengers
Wiedersehwert⭐⭐⭐⭐☆Solider Phase-1-Baustein mit eigener Identität

Endwertung: 7 von 10 Punkten
Ein gelungener früher MCU-Film, der Thor als Fantasyhelden ernst nimmt, Loki stark aufbaut und Asgard glaubwürdig genug ins Superheldenkino holt. Nicht alles funktioniert, manches wirkt zu glatt oder künstlich, aber als Götterabenteuer vor dem ersten Avengers-Knall trägt der Film sehr ordentlich.

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