Samstag, 4. Juli 2026

Der unglaubliche Hulk (2008)

Ja ja, der Hulk. Unglaublich, oder?

Unglaublich vor allem, dass dieser Film innerhalb des MCU so eine kleine Sonderstellung einnimmt. Er ist Kanon, aber irgendwie doch der grüne Außenseiter im Marvel-Regal. Ein bisschen wie bei Spider-Man: gehört dazu, aber nicht so richtig unkompliziert. Rechte, Verträge, Verleih, Solofilme, Teamfilme – irgendwo zwischen Anwaltssprache und Gammaunfall liegt vermutlich auch der Grund, warum der Hulk im MCU später so behandelt wurde, wie er behandelt wurde.

Dazu kommt: Lange Zeit war Der unglaubliche Hulk einer der wenigen MCU-Filme mit einer FSK-16-Freigabe (Deadpool lässt grüßen). Und er ist bis heute eine Besonderheit, weil die Hauptrolle nach nur einem Solofilm umbesetzt wurde. Edward Norton raus, Mark Ruffalo rein, und der Film selbst wurde danach lange eher behandelt wie ein Familienmitglied, über das man beim Essen nicht zu ausführlich spricht.

Aber bevor ich mich im Rechte-Dschungel verlaufe und am Ende noch von Universal mit einem Trike verfolgt werde, schauen wir uns erst einmal den Film selbst an.


Inhalt mit Spoiler

Bruce Banner versteckt sich im Ausland, meditiert, kontrolliert – alles wegen des Hulks. General Ross jagt ihn weiterhin. In einer Limonadenfabrik gelangt Banners Blut durch einen Unfall in eine Flasche; ein älterer Mann (Cameo, stark nach Stan Lee aussehend) wird vergiftet – Ross ist Banner wieder auf der Spur.

Banner sucht ein Heilmittel und steht online mit „Mr. Blue“ in Kontakt, der ihn unterstützt und schließlich – nach Rückschlägen – eine Blutprobe verlangt. Nur knapp entkommt Banner einer neuen Operation von Ross. Emil Blonsky trifft zum ersten Mal auf den Hulk und schwört, ihn zu stoppen. Mit Banners Forschung pusht Ross Blonsky zu einer Art Supersoldat. Eigentlich wollte man ja Captain America neu erschaffen – heraus kam: groß, grün, kaputtfreudig.

Hulk smash!
Banner flieht zurück in die USA zu Betty Ross (zufällig trifft man sich wieder). Gemeinsam suchen sie Mr. Blue auf – er ist Dr. Samuel Sterns, fasziniert von Banners Blut, hat es bereits vermehrt und will damit die Medizin revolutionieren. Für Banner ein Schock – und genau hier schnappt Ross zu, betäubt Banner und nimmt ihn fest.

Blonsky dreht unterdessen durch und zwingt Sterns, ihn „wie den Hulk“ zu machen. Ergebnis: Abomination – ein zweites Gamma-Monster. In der Stadt randaliert Blonsky, niemand kann ihn stoppen. Ross muss Feuer mit Feuer bekämpfen, lässt Banner frei; der verwandelt sich, prügelt Abomination nieder – und verschwindet.


Cast & Cameos

Nach Iron Man der zweite Film im Marvel Cinematic Universe, kein Sequel zu Ang Lees Hulk, sondern ein Neustart.
Edward Norton gibt einen gehetzten, verzweifelten Banner (u. a. Fight Club, American History X). Tim Roth spielt Blonsky, Liv Tyler ist Betty Ross, William Hurt der unerbittliche General „Thunderbolt“ Ross.

Wichtig: Dr. Samuel Sterns (Mr. Blue) wird von Tim Blake Nelson gespielt – er ist in den Comics der Leader (im Film angeteasert). Ty Burrell spielt Dr. Leonard Samson.

Cameos:

  • Stan Lee als ahnungsloser Limo-Trinker,

  • Lou Ferrigno (TV-Hulk) als Wachmann, der sich mit Pizza bestechen lässt,

  • Robert Downey Jr. im Epilog als Tony Stark, der mit Ross spricht – Avengers lässt grüßen.

Der Film war kein Flop, blieb aber hinter Marvels Erwartungen. In Deutschland fiel zudem eine geschnittene FSK-12-Fassung auf; insgesamt gilt der Film hier als der „raueste“ des frühen MCU (in ungeschnittenen Fassungen mit höhrer Freigabe).

Hinter den Kulissen: Norton war am Drehbuch beteiligt und soll mehr Charaktermomente gewollt haben; Marvel drängte stärker auf Action – vieles wurde gekürzt. Das dürfte auch ein Grund sein, warum Norton später nicht als Banner zurückkehrte.


Fazit

Nachdem Disney+ mich „beschert“ hat – indem man es nicht hinbekommt, das MCU im eigenen Streamingdienst unter einem Dach zu halten –, habe ich bei Netflix nun The Incredible Hulk nachgeholt. Ja, ich weiß: Rechtewirrwarr (wie bei Spider-Man). Aber Disney verdient Milliarden mit dem MCU; dass man hulktechnisch so wenig anbietet, ist einfach schwach. Das fließt natürlich nicht in die Wertung ein – nervt aber.

Schön am Film: keine ausgedehnte Origin. Banner hat sein Problem, wir steigen sofort ein. Das tat nach Ang Lees betulicher Version gut. Norton als Banner gefällt mir besser als Ruffalo (dessen Hulk später eine ganz eigene Richtung nimmt). Liv Tyler und William Hurt sind stark; Tim Roth ist mir als Schurke etwas zu schablonenhaft, und Ross’ Kooperation mit Blonsky bleibt fragwürdig.

Mein Problem: Am Ende ist es eben Hulk vs. Abomination – zwei CGI-Kolosse werfen sich durch Straßen, mit Autos, Panzern, Ketten (deren physikalischer Fall am Ende… na ja). Ohne eine Figur im Anzug, deren Mimik wir wie bei Iron Man im Helm sehen, fehlt mir bei der CGI-Prügelei das menschliche Gegengewicht. Es bleibt „Klotz 1 schlägt Klotz 2“.

Storyseitig ist’s dünn: Ross jagt Hulk, erschafft dabei noch einen, Leader wird angeteasert und dann über Jahre nicht genutzt. Positiv dagegen die Schluss-Szene mit Tony Stark – damals im Kino ein echter WOW-Moment: „Die Filme hängen zusammen?!“ Das hat den Film 2008 deutlich aufgewertet; heute zieht das weniger.

MCU-Humor gibt’s hier fast gar nicht – gut so, würde dem Ton schaden. Unterm Strich bleibt für mich: unterdurchschnittlich.

Gesamt: 4/10

KategorieWertungBegründung
Story⭐⭐☆☆☆Flucht, Heilmittel, Ross jagt Banner, Blonsky eskaliert: solide, aber dünn
Bruce Banner⭐⭐⭐⭐☆Edward Norton gefällt als gehetzter Banner gut
Hulk⭐⭐☆☆☆Körperlich wuchtig, emotional aber oft nur CGI-Masse
Gegenspieler⭐⭐☆☆☆Blonsky bleibt schablonenhaft, Ross ist interessanter
Betty/Ross-Dynamik⭐⭐⭐☆☆Liv Tyler und William Hurt geben dem Film etwas Gewicht
MCU-Anbindung⭐⭐⭐☆☆Tony-Stark-Szene damals stark, heute eher historischer Bonus
Action⭐⭐⭐☆☆Rau und ordentlich, aber Finale wird zu Klotz gegen Klotz
Wiedersehwert⭐⭐☆☆☆Als MCU-Kuriosum interessant, als Film eher unterdurchschnittlich

Endwertung: 4 von 10 Punkten
Ein rauer, angenehm humorarmer Früh-MCU-Film mit gutem Edward Norton, aber dünner Handlung und einem Finale, das für mich zu sehr nach CGI-Koloss gegen CGI-Koloss aussieht.


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