Beim ersten Bloodsport habe ich gesagt: Die anderen Filme sind Blödsport, die muss man nicht sehen.
Also: Willkommen zu Blödsport 2.
Ich meine natürlich: Bloodsport 2.
Ich stöberte also so durch Amazon Prime und stolperte über diesen Film. Zu sehen war Jean-Claude Van Damme, und ich dachte nur: Der hat doch in dem Film gar nicht mitgemacht. Oder?
Also angemacht und überprüft.
Inhalt mit Spoilern
Alex klaut ein Katana und wird von seinem Partner betrogen. Das Ergebnis: Alex landet in Thailand im Knast, und sein Freund hat nun ein Schwert. Läuft.
Im Gefängnis lernt Alex einen alten Typen kennen, der ihn trainiert und Kerzen ausschlagen lassen kann. Der Wächter Demon mag den Alten nicht. Alex mag er auch nicht. Eigentlich mag Demon vermutlich nur Demon.
Zum Glück kommt Alex irgendwann aus dem Knast, weil es eben so ist. Demon hängt ebenfalls die Handschellen an den Nagel, und beide wollen zum Kumite. Nicht zusammen natürlich, sondern einzeln. Blöd nur: Der Gewinn dieses Turniers ist ausgerechnet das Schwert, das gestohlen wurde.
Na ja, egal. Wir fangen das Turnier trotzdem an. Vielleicht taucht das Schwert ja irgendwie wieder auf.
Alex rennt also während des Turniers zu seinem Freund und will ihm eine Million Dollar für das Schwert geben. Woher Alex plötzlich eine Million Dollar in einem Aktenkoffer hat? Egal. Vielleicht hat er offscreen ein paar Rubbellose freigerubbelt.
Der Freund willigt ein. Sie treffen sich in einem Café. Natürlich ist das Treffen eine Falle, Alex vermöbelt alle, und die Polizei nimmt den Freund fest.
Das unfassbar wertvolle Schwert muss nun zum Turnier. Also dorthin, wo Alex sowieso hingeht. Alex gibt es aber nicht selbst ab, sondern überreicht es einer Frau und sagt sinngemäß: „Wir haben uns zwar erst zweimal gesehen, und du hast für den Typen gearbeitet, der mich in den Knast gebracht hat, aber ich vertraue dir jetzt einfach mal dieses extrem wichtige Schwert an. Bring das bitte zum Turnier.“
Klingt vernünftig.
Alex geht also wieder zum Turnier. Demon ist weiterhin böse, weil der Film sonst keinen Endgegner hätte. Erst verhaut er eine Frau. Warum da überhaupt genau eine Frau mitmacht? Egal. Danach bringt er noch jemanden im Kampf um, zeigt dramatisch auf Alex, und hoppla, schon sind wir im Finale.
Alex bekommt ordentlich auf die Fresse. Zum Glück darf plötzlich auch der alte Knast-Opi auftauchen, weil Alex das Schwert abgegeben hat. Der erinnert ihn daran, wie er Kerzen ausgeschlagen hat.
Kerzen ausschlagen. Demon ausschlagen.
Ja, das passt.
Also haut Alex Demon um, gewinnt das Schwert und knutscht am Ende die Frau, die er ungefähr zweimal gesehen hat.
Romantik. Ehre. Katana. Blödsport.
Hintergrund
Ein Kinoerfolg war Bloodsport 2 nicht. In den USA spielte der Film nur rund 684.000 Dollar ein und lief offenbar eher begrenzt, bevor er im Heimvideomarkt seine eigentliche Heimat fand. Das erklärt auch, warum der Film trotzdem weitere Fortsetzungen bekam: Nicht weil hier plötzlich ein neues Action-Franchise im Kino geboren wurde, sondern weil der Name Bloodsport auf VHS offenbar noch genug zog, um weitere Kumite-Reste aus dem Fleischwolf zu drehen.
Jean Claude van Damme war für eine laue Fortsetzung zu dieser Zeit viel zu erfolgreich. Dieser hatte zu dieser Zeit schon Universal Soldier, Time Cop, Street Fighter und andere Klopfer gedreht.
Anders als der erste Teil kam Bloodsport 2 nicht mehr aus dem Hause Cannon. Die Rechte waren inzwischen weitergewandert, Cannon selbst taumelte Anfang der 90er ohnehin Richtung Abgrund. Damit fehlt der Fortsetzung sogar dieses spezielle Cannon-Flair: diese Mischung aus Größenwahn, Geldnot, Schweiß und „wir drehen das jetzt trotzdem“. Stattdessen wirkt Bloodsport 2 eher wie ein Videotheken-Nachzügler, der den bekannten Namen auf die Hülle klebt und hofft, dass niemand merkt, dass Van Damme längst aus dem Gebäude geflohen ist.
Daniel Bernhardt, der als Model anfing, improvisierte bei einem Versace-Werbespot eine Kampfszene mit Jean-Claude Van Damme. Kurz darauf entschied er sich, ein Bewerbungsvideo zu drehen und als Stuntman anzufangen. Drei Jahre später hatte er seine erste Hauptrolle, ausgerechnet in diesem Film.
Und ja, man mag ihn hier belächeln. Aber Bernhardt verschwand danach nicht einfach im Regal der vergessenen Videotheken-Gesichter. Er war später unter anderem in den Matrix-Fortsetzungen als Agent Johnson zu sehen, spielte in Die Tribute von Panem: Catching Fire einen Tribut aus Distrikt 9, war in Logan dabei und sammelte unzählige Fernseh- und Actionauftritte. Der Typ ist gut im Geschäft. Vielleicht nicht als großer Kinostar, aber als verlässlicher Mann für Tritte, Schläge und finstere Blicke.
Der einzige echte Bezug zum Vorgänger ist Donald Gibb, der erneut als Ray „Tiny“ Jackson dabei ist. Viel mehr Verbindung gibt es nicht. Gibb verstarb leider am 12. Mai 2026 im Alter von 71 Jahren. In Bloodsport 2 ist Jackson allerdings kein Kämpfer mehr, sondern nur noch Trainer. Damit steht er ein bisschen herum wie ein Überbleibsel aus einem besseren Film, das man auf die DVD-Hülle hätte kleben können, wenn Van Damme gerade nicht verfügbar war.
Fazit
Merke: Im Thailandknast trägt man offenbar nur Hosen und keine Hemden.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, den ersten Kübel Dreck rüberzukippen, weil der Film ihn wirklich verdient hat. Vielleicht erstmal über Amazon, die Jean-Claude Van Damme als Vorschaubild verwenden. Ich vermute, Van Damme hat damals das Drehbuch gelesen und sich anschließend versteckt. Der Mann ist nämlich nicht im Film.
Schon wenn der alte Knastmeister cool die Leute vermöbelt, sieht das unfassbar beschissen aus. Die Kämpfe an sich sind durchaus körperlich anspruchsvoll, das gestehe ich dem Film zu. Da wird getreten, gehauen und geschwitzt. Sportlich will ich da gar nicht meckern. Von der Umsetzung her ist es trotzdem Müll.
Und damit kommen wir zu einem spannenden Punkt: Schon Teil 1 landete ursprünglich im Giftschrank, bis Van Damme persönlich sich für eine neue Schnittfassung einsetzte, die den Film aufwertete und den Fokus stärker auf ihn lenkte. Hier haben wir im Grunde exakt dasselbe Problem. Der Schnitt ist absoluter Mist.
Es kann sogar sein, dass das Drehbuch halbwegs okay war. Aber hier zeigt sich, wie wichtig der Schnitt für Dramaturgie ist. Im Mittelteil bekommen wir einfach Kämpfe aneinandergereiht, mit Typen, die man vorher nicht sah und hinterher nie wieder sieht. Klar, es gibt zwei, drei Figuren, zu denen Alex angeblich eine Bindung aufbauen soll. Nur schafft der Film das nicht, weil deren Szenen so oberflächlich und schlecht geschrieben sind, dass einem diese Figuren am Arsch vorbeigehen. Die Bindungen wirken nicht gewachsen, sondern vom Drehbuch mit Klebeband an die Handlung geklatscht.
Beispiel gefällig?
Im Knast sieht der Alte Alex einmal. Er beschützt Alex, und zack, lehrt der Alte ihn sofort Kampftraining. Warum? Ja, darum.
Beim Kumite hat Alex keine Einladung. Dann sieht er Jackson ungefähr zehn Sekunden, die beiden gehen raus, Alex verhaut jemanden mit Einladung, hat plötzlich selbst eine, und Jackson ist ab da sein bester Freund.
Sergio sitzt einmal neben ihm. Ebenfalls bester Freund.
Nur für uns als Zuschauer funktioniert das so halt nicht. Vielleicht hätte man weniger No-Name-Kämpfe und dafür mehr echte Charakterszenen zeigen sollen. Das Love Interest taucht gefühlt dreimal im Film auf. Der Endkampf beginnt praktisch direkt nach Demons letztem Kampf. Da ist nichts aufgebaut, nichts zugespitzt, nichts vorbereitet. Es passiert einfach, weil der Film irgendwann enden muss.
Die Schauspielleistungen sind dabei nicht einmal mieser als im ersten Film. Van Damme hat damals auch hölzern gespielt, aber er hatte eben Charisma. Alex bleibt einem dagegen ziemlich egal. Dabei sieht Daniel Bernhardt hier aus wie ein muskulöser junger Sean Connery. Zumindest hat er mich im Gesicht ständig an ihn erinnert. Und sportlich macht er seinen Job ordentlich. Der bekommt das Bein hoch, der kann hauen, der kann kämpfen. Daran liegt es nicht.
Es fehlt einfach eine gute Handlung. Und vor allem fehlt eine Umsetzung mit Dramaturgie.
So war das leider gar nichts. Und ich habe vorher Unsere Pauker gehen in die Luft gesehen und hatte dabei bessere Unterhaltung als hier. Das muss man auch erstmal schaffen.
Daher: Sorry, Blödsport.
2 von 10 Punkten.
Kategorie |
Wertung |
Begründung |
|---|---|---|
Story |
⭐☆☆☆☆ |
Katana, Knast, Kumite und Verrat werden zusammengeschraubt, aber nichts wirkt organisch |
Darsteller |
⭐☆☆☆☆ |
Bernhardt kann kämpfen, bleibt als Figur aber blass |
Kämpfe |
⭐⭐☆☆☆ |
Körperlich ordentlich, aber durch Schnitt und Aufbau stark geschwächt |
Dramaturgie |
⭐☆☆☆☆ |
Figurenbindungen entstehen aus dem Nichts, der Mittelteil reiht Kämpfe aneinander |
Van-Damme-Ersatzfaktor |
⭐⭐☆☆☆ |
Bernhardt ist sportlich okay, aber ihm fehlt das Charisma des Originals |
Trashwert |
⭐⭐☆☆☆ |
Einige absurde Momente, aber zu wenig echter Spaß |
Wiedersehwert |
⭐☆☆☆☆ |
Eher Blödsport-Pflicht als Vergnügen |
Endwertung: 2 von 10 Punkten
Ein
Videotheken-Nachzügler mit brauchbaren Tritten, aber kaputter
Dramaturgie, schlechtem Schnitt und Figuren, die sich anfühlen, als
hätte das Drehbuch sie mit Paketband aneinandergeklebt.
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