Donnerstag, 11. Dezember 2025

The Host (2006)

Samstagabend, und ich trinke Tee in ’nem Café, als ich dieses schöne Wesen am Tresen stehen seh...

Ach nee, das war ein Lied von den Fanta 4. Mein Samstag sah so aus, dass ich kein Auto hatte, wohl aber eine Tiefkühlpizza – das Fernsehprogramm, welches aber total beschissen war.
Daher nach dem Einkauf schnell noch ein Abstecher in meine Videothek. Samstagabend, 18:30 Uhr – klar, fast alle guten Filme weg. Na egal, ein Horrorfilm... nee, nix dabei, was mich lockt.

Scarface soll ein Klassiker sein? Wo finde ich den? Eine Abteilung mit Gangsterfilmen haben die nicht. Vielleicht Action? Hm, nicht dabei. Eine Biografie? Wenn ich schon vor dem Regal stehe? Milk vielleicht? Brent Corrigan soll da eine Mini-Nebenrolle haben, aber nee, ich will was, wo es „bumm“ macht. Vielleicht Sci-Fi!

Hey – im Sci-Fi-Regal ist ja noch eine Reihe Monsterfilme! Wusste ich ja noch gar nicht. So kam ich zum Film The Host – also mehr durch Zufall. Das Titelbild war vielversprechend, und die Kommentare hinten auf der DVD-Hülle ebenfalls:
Vom „besten koreanischen Film 2006“ war da die Rede.
„Überraschungshit des Jahres!“ oder „Mehr als 13 Millionen Kinobesucher!“ – Geilo! Den will ich sehen!


🧟 Inhalt mit Spoiler

In einem Labor auf einem US-Stützpunkt in Seoul ärgert sich der Leiter über die Unordnung. Er befiehlt seinem koreanischen Untergebenen, alle Chemikalien in den Ausguss zu kippen – obwohl dieser direkt in den Fluss mündet. Aber der Fluss ist groß, und Befehl ist Befehl – also weg mit den Chemikalien.

Wenig später sieht ein Angler ein kleines, seltsames Ding an sich vorbeischwimmen – mit vielen Fangarmen. Was es nicht alles gibt...

Ein weiterer Zeitsprung: Wir landen bei einem kleinen Kiosk mit Imbiss, geführt vom Großvater einer Familie. Sein ältester Sohn, Gang-Du, ist leicht zurückgeblieben – ständig müde und im Wachzustand ein wandelndes Chaos.
Dessen Tochter hingegen ist clever, und als sie von der Schule kommt, läuft im Fernsehen gerade ein Bericht über ihre Tante – eine Bogenschützin, die durch Zögern die Goldmedaille vergeigt und nur Dritte wird. Außerdem gibt es noch den jüngeren Sohn des Großvaters, der trotz Studiums keinen Job findet und ein leichtes Alkoholproblem hat.
Alles in allem also eine ziemlich vertrackte Familiensituation.

Gang-Du bringt gerade Essen an den Fluss, als die Leute plötzlich fasziniert aufs Wasser starren – da ist doch irgendwas!
Er wirft eine Dose Bier hinein, die sofort von einem Tentakel gepackt und unter Wasser gezogen wird. Die Leute sind begeistert, werfen ebenfalls Sachen ins Wasser – bis plötzlich an anderer Stelle ein riesiges Monster auftaucht und Menschen frisst.

Panik! Die Menge rennt, das Monster hinterher. Nur Gang-Du und ein anderer Mann stellen sich ihm kurz in den Weg. Gang-Du verletzt es sogar leicht und bekommt Blutspritzer ins Gesicht, muss dann aber fliehen.
Er rennt zurück zum Kiosk, nimmt seine Tochter an die Hand und läuft weg.
Im Gedränge verlieren sie sich – und Gang-Du merkt zu spät, dass er das falsche Kind bei sich hat.
Seine Tochter wird vom Monster geschnappt und in den Fluss gezerrt.

Die Trauer der Familie ist groß – und zu allem Überfluss werden alle Menschen, die Kontakt mit dem Monster hatten, in Quarantäne gesteckt. Besonders Gang-Du, der ja Monsterblut abbekommen hat.

Mitten in der Nacht klingelt jedoch sein Handy: Seine Tochter ist am Telefon! Das Gespräch ist kurz, ehe es abreißt – sie sagt, sie sei in einem Stollen gefangen.
Keiner glaubt ihm, außer seiner Familie. Also nehmen die vier die Sache selbst in die Hand und fliehen aus dem Krankenhaus.

Sie kommen dem Monster tatsächlich auf die Spur, doch der Großvater stirbt – ausgerechnet, weil Gang-Du sich verzählt, wie viele Patronen in seiner Waffe sind. Außerdem wird er wieder vom Militär geschnappt, während seine Geschwister entkommen.

Nam-Ju, Gang-Dus Tochter, stellt sich im Versteck des Monsters immer tot, wenn es auftaucht. Das Biest spuckt Leichen in den Stollen – und auch einen kleinen Waisenjungen, der noch lebt. Später sieht man, dass das Monster Knochen auswürgt, um Platz für neue Opfer zu schaffen – die beiden sind also in seiner Vorratskammer gefangen.

Nach einigem Hin und Her – der Onkel ortet das Handy, Gang-Du bekommt eine Hirn-OP, weil man ihm ein Virus andichtet, und die Bogenschützin versagt erneut durch Zögern – kommt es schließlich zum Showdown.

Das Monster hat Nam-Ju und den Jungen gefressen. Die Amerikaner greifen mit „Agent Yellow“ ein – einem Giftstoff, der angeblich das Virus töten soll.
Gang-Du verfolgt das Monster, zieht die leblosen Körper der Kinder aus dessen Maul, und die drei Geschwister machen dem Vieh schließlich gemeinsam den Garaus. Endlich versagt auch die Schwester mit ihrem Bogen nicht mehr.

Nam-Ju ist tot, doch der Waisenjunge hat überlebt und bleibt fortan bei Gang-Du, der nun den Kiosk seines Vaters weiterführt.
Das Virus, das angeblich vom Monster ausging, entpuppt sich als Lüge.
Monster tot, Film zu Ende.


🎬 SPOILERENDE

Als ich das Cover auf der DVD sah, hatte ich einen blöden Film erwartet – na ja, „blöd“ im Sinne von billig: schlecht animierte Fangarme, die aus dem Wasser kommen und Leute zerren.
Dass man hier aber ein richtig großes Monster bekommt, das schon in einer der ersten Szenen durchs Bild rennt und gar nicht so schlecht aussieht, damit hatte ich nicht gerechnet.

Die Darsteller machen ihre Sache gut, und die Story bringt Spaß – auch wenn es kein typisches Happy End gibt.

Diesen Film einem Genre zuzuordnen, ist schwer. Ein klassischer Horrorfilm ist es nicht – eher eine Mischung aus Horror, Drama und Gesellschaftssatire, mit einer Prise schwarzem Humor. Und das funktioniert erstaunlich gut.


🧬 Kann springen, rennen, schwimmen und fressen – schon toll, so ein Monster!

Natürlich gibt es auch 2–3 Schwachpunkte.
Zum einen sind einige Szenen zu lang geraten: etwa die Trauerszene um Nam-Ju (als die Familie denkt, sie sei tot) oder die Gehirn-OP – beides zieht sich, obwohl nicht viel passiert.
Der Darsteller von Gang-Du spielt stark, aber die Figur nervt an manchen Stellen etwas.

Man fragt sich auch, warum das Militär das Monster nicht sucht – zumindest sieht man das nicht. Es heißt zwar, die Suche sei erfolglos, aber Suchmannschaften am Fluss? Fehlanzeige. Ganz im Gegenteil: ans Wasser scheint man ungehindert zu kommen, obwohl dort ein Riesenmonster lebt.

Aber das sind Kleinigkeiten. Im Großen und Ganzen hat mir der Film viel mehr Spaß gemacht, als ich gedacht hätte – ein echter Geheimtipp!


🧠 Drei Infos am Rande

1️⃣ Die Sache mit den Chemikalien basiert auf einer wahren Begebenheit: Im Jahr 2000 kippte das US-Militär tatsächlich über 100 Liter giftiger Substanzen in den Han-Fluss – ein echter Skandal (von dem man hier kaum etwas mitbekam).

2️⃣ Hollywood hat sich die Rechte für ein Remake gesichert – es könnte also irgendwann eine US-Version von The Host geben.

3️⃣ Durch den enormen Erfolg des Films in Korea (13 Millionen Besucher bei 48 Millionen Einwohnern!) gilt er bis heute als einer der erfolgreichsten koreanischen Filme überhaupt. Eine Fortsetzung war damals im Gespräch – als Prequel mit mehreren Monstern.


🧨 Fazit

Wenn man nichts gegen asiatische Darsteller hat und wilde Genremixe mag, kann man sich The Host auf jeden Fall ansehen.
Ich finde ihn toll – überraschend gut, eigenwillig, spannend und cleverer als erwartet.

7 von 10 Punkten.

📊 Bewertungsmatrix – The Host (2006)

Story    ⭐⭐⭐⭐☆  Familiendrama trifft Monsterjagd; schräg, clever, ungewöhnlich
Darsteller  ⭐⭐⭐⭐☆  Starke Leistungen, besonders Gang-Du emotional packend – trotz Nervfaktor
Action & Effekte ⭐⭐⭐☆☆  Monster überraschend gut, CGI solide; manche Szenen etwas überzogen
Atmosphäre  ⭐⭐⭐⭐☆  Zwischen Horror, Satire und Tragik – mutiger Ton, der erstaunlich gut funktioniert
Trashfaktor  ⭐⭐☆☆☆  Ein paar schräge Momente, aber bewusst und kontrolliert eingesetzt

🔥 Endwertung: 7 von 10 Punkten

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