Das Original soll ja immer besser sein als so ein doofes Remake.
In diesem speziellen Fall kann ich da aber nicht so zustimmen – ich muss aber dazu sagen, dass ich die US-Version zuerst gesehen habe. Vielleicht war ich daher etwas vorbelastet.
Inhalt mit Spoiler
Es gehen Gerüchte um, dass es ein Video gibt, das einen umbringt. Man sieht das Video, und am Ende klingelt das Telefon: Eine Stimme sagt einem, dass man nur noch sieben Tage zu leben hat.
Klingt banal, wäre da nicht die Tatsache, dass vier Jugendliche sich dieses Video tatsächlich angesehen haben – und alle tot sind.
Eine der Verstorbenen war die Nichte der Hauptperson (fragt mich bitte nicht nach dem Namen, asiatische Namen kann ich mir einfach nicht merken). Sie folgt der Spur zurück zu einem kleinen Hotel, wo die Teenies Urlaub gemacht hatten – und findet dort das ominöse Video. Natürlich schaut sie es sich an... und das Telefon klingelt.
Als in ihrer Umgebung seltsame Dinge geschehen, ist sie sicher, dass der Fluch echt ist. Sie fertigt eine Kopie des Videos an und versucht gemeinsam mit ihrem Ex-Mann, der ihr natürlich erst nicht glaubt (bis auch er das Video gesehen hat), den Fluch zu brechen.
Unglücklicherweise sieht auch ihr Sohn das Video – und ist nun ebenfalls dem Tod geweiht.
Die beiden analysieren das Band Bild für Bild und kommen dem Mädchen auf die Spur, das darauf zu sehen ist: Sie wurde ermordet und in einen Brunnen geworfen – und rächt sich nun an der Welt.
In der US-Version wird der „Ring“ noch schön erklärt: Das letzte, was das Mädchen sah, war der Brunnenschacht von unten, während der Deckel geschlossen wurde – das Licht bildet einen ringförmigen Schimmer.
Die Leiche wird gefunden, und tatsächlich überlebt die Journalistin ihre sieben Tage – der Fluch scheint gebrochen.
Oder auch nicht, denn ihr Ex-Mann stirbt kurz darauf.
Bleibt also noch der Sohn. Um ihn zu retten, erkennt sie schließlich die Lösung: Man muss eine Kopie des Videos anfertigen, damit der Fluch weitergegeben wird. Im US-Remake wird das noch klarer formuliert – dort muss das Band sogar jemand völlig Unbeteiligtes ansehen. Der japanische Film lässt das etwas offener.
Der Film endet damit, dass sie zu ihrem Sohn fährt – mit der Kassette natürlich – und genau weiß, was zu tun ist.
Anmerkungen
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman リング (Ringu) von Koji Suzuki, der 1991 erschien. Suzuki gilt in Japan als „japanischer Stephen King“.
Im selben Jahr wie Ringu erschien auch ein anderer Film mit fast identischer Handlung: Rasen (1998). Er wurde gleichzeitig mit Ringu produziert, sollte direkt als Fortsetzung laufen, floppte aber total.
Das Publikum ignorierte Rasen, also tat man so, als wäre Ringu 2 (1999) die „offizielle“ Fortsetzung.
In den meisten Szenen spielte sie die Schauspielerin Rie Inō, aber in der berühmten Brunnenszene (wenn sie aus dem Fernseher klettert) wurde sie von einem männlichen Kabuki-Tänzer, Takashi Yamamura, dargestellt — wegen seiner extrem fließenden Bewegungen. Der ikonische Rückwärts-Gang, wenn Sadako aus dem Fernseher klettert, wurde tatsächlich rückwärts gefilmt und dann umgedreht abgespielt, um dieses unheimliche, unnatürliche Gefühl zu erzeugen.
Das verfluchte Video wurde mit 16-mm-Kameras gedreht, um es wie ein echtes Amateurband wirken zu lassen. Regisseur Hideo Nakata ließ es bewusst mit analogen Fehlern und Filmkorn versehen.
Steven Spielberg sah Ringu auf einem Festival und war so beeindruckt, dass DreamWorks die Rechte kaufte und 2002 das US-Remake The Ring produzierte. Dazu kommen wir auch noch
In Japan entstand rund um den Film eine urbane Legende: Manche Zuschauer behaupteten, dass sie nach dem Kinobesuch Albträume hatten oder dass ihr Fernseher nachts von selbst anging. Der japanische Verleih nutzte das als kostenlosen Hype. Bei der Premiere wurde das Publikum kurz vor dem Abspann mit einem Telefonklingeln über die Lautsprecher erschreckt – eine Marketingidee, um die „7 Tage“-Legende zu verstärken.
Ringu war in Japan ein Mega-Erfolg: rund 20 Millionen Dollar Einspiel bei einem Budget von etwa 1,2 Mio. Dollar.
Damit war er Ende der 90er der erfolgreichste japanische Horrorfilm überhaupt.
Fazit: Die Effekte im US-Film sind für mich einfach besser. Ich liebe das Remake – wobei Effekte natürlich keinen Film allein tragen. Aber irgendwie kann ich mich mit der amerikanischen Version einfach stärker identifizieren.
Das Original ist trotzdem kein schlechter Film. Ganz im Gegenteil: Ringu ist ein subtiler Gruselfilm, der geschickt das Thema Fernsehen in Szene setzt. Kein Satansbuch aus Menschenhaut, keine alte Zigeunerin mit Fluch – nur eine simple, verfluchte Videokassette.
Blut sucht man hier vergeblich, und trotzdem (oder gerade deswegen) ist der Film spannend. Ich habe ihn für zwei Euro in der Videothek abgegriffen – kein Fehlkauf.
6 von 10 Punkten – und ja, das Remake liegt bei mir etwas höher.
📼 Bewertung – Ringu (1998)
| Kategorie | ⭐ Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|
| Story & Idee | 💀⭐⭐⭐⭐☆ | Originell, schlicht und unheimlich effektiv |
| Darsteller | 🎭⭐⭐⭐☆☆ | Solide, aber emotional eher zurückhaltend |
| Atmosphäre | 🌫️⭐⭐⭐⭐⭐ | Dicht, kühl, typisch japanisch – mehr Gänsehaut als Schock |
| Effekte & Technik | 🎥⭐⭐⭐☆☆ | Minimalistisch, aber clever gefilmt (besonders die TV-Szene) |
| Hintergrund & Mythos | 🌀⭐⭐⭐⭐⭐ | Spannend, gut recherchiert und kulturell verwurzelt |
| Nachhaltiger Grusel | ☎️⭐⭐⭐⭐☆ | Kein Blut, aber ein echter „unter-die-Haut“-Film |
| Gesamt | 🎯 6 / 10 Punkten | Stilvoller Horror-Klassiker mit Atmosphäre – doch das Remake bleibt für mich packender |
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